1. FC Kaiserslautern
Wieder das alte Auswärtsgesicht: FCK geht an der Kieler Förde baden
An Selbstbewusstsein mangelt es Tim Walter nicht. Der aktuelle Trainer von Fußball-Zweitligist Holstein Kiel kanzelt nicht nur mal Journalisten in Presserunden ab, er verunglimpft auch mal eine der deutschen Fußball-Ikonen. Als Walter noch Trainer beim Hamburger SV war, sagte er vor der 0:2-Niederlage auf dem Betzenberg, dass der Goldhamster seiner Tochter Fritz Walter heiße. Den Patron des FCK, einen deutschen Ausnahmefußballer und vor allen Dingen wunderbaren Menschen mit einem Goldhamster gleichzusetzen, ist mehr als grenzwertig.
Drei Jahre später klangen die Töne von Walter vor dem Duell gegen den 1. FC Kaiserslautern etwas moderater, aber großen Respekt zollte Walter dem FCK auch nicht. In der Defensive sei Kaiserslautern anfällig, sagte Walter. Der Fußballer-Lehrer sollte recht behalten. Die Abwehr des FCK war mit ein Indikator, warum der Kieler Höhenflug anhält. 3:0 (3:0) gewann der Bundesliga-Absteiger gegen Kaiserslautern, weil der FCK mit zeitweise haarsträubenden Fehlern den Kielern den Weg zum Erfolg ebnete.
Seit vier Spielen sind die Holsteiner nun ohne Niederlage. Der Sieg verschafft Kiel Luft im Abstiegskampf. Für den FCK endet dagegen eine kleine Serie. Nach den Siegen gegen Fortuna Düsseldorf (3:0) und bei Hertha BSC (1:0) wurde das Janusgesicht des FCK wieder offensichtlich. So beschrieben die Kieler den FCK. Nach Siegen folgen überraschende Niederlagen. Ob das 0:3 in Kiel nun überraschend war, sei dahingestellt. Der FCK vermochte es jedenfalls nicht, an die Leistung der zweiten Halbzeit in Berlin anzuknüpfen.
Dabei hatte Trainer Torsten Lieberknecht (beinahe) wieder auf die Erfolgsmannschaft in Berlin vertraut. Nur Paul Joly (für Simon Asta) und Norman Bassette (für Kenny Prince Redondo) rückten in die Startelf. Lieberknecht hielt an der Grundform der Viererabwehrkette fest. Damit war der FCK in Berlin erfolgreich, in Kiel aber missglückte diese Variante.
Ritters Großchance zur frühen Führung
Allerdings begann der FCK gut. Die Roten Teufel waren die bessere Mannschaft, aber nur für zehn Minuten. Marlon Ritter musste das 1:0 erzielen, als er von Naatan Skyttä schön freigespielt wird nach einem Konter. Doch Ritters Schuss schrammt knapp am rechten Pfosten vorbei (9.).
Was niemand ahnte zu diesdem Zeitpunkt: Es sollte für lange Zeit die letzte gute Torchance für Kaiserslautern sein. Kiel dagegen ging aus dem Nichts in Führung. Umut Tohumcu erzielte mit einem Traumtor das 1:0 (15.). Sein Weitschuss klatschte vom rechten Innenpfosten ins Tor. Von zehn Versuchen geht einer ins Tor, die anderen segeln ins Nirwana. Lauterns Fabian Kunze ließ sich zu einfach auspielen in dieser Szene.
Die Führung drehte die Kräfteverhältnisse. Nun spielte nur noch Kiel. Der FCK verfiel in alte Muster, lief dem Gegner hinterher, vertändelte Bälle, agierte einfallslos in der Offensive. Maxwell Gyamfi verlor weit in der gegnerischen Hälfte den Ball. Den Konter über den früh eingewechselten Jonas Therkelsen (für den verletzten Steven Skrzybski) klärte Fabian Kunze (28.). Therkelsen beflügelte das Kieler Offensivspiel merklich. Mit seiner Beweglichkeit und Agilität hatten die Lauterer Probleme.
Beim 0:2 sieht Torhüter Krahl schlecht aus
Nicht ganz so geschmeidig tänzelte Phil Harres auf dem Spielfeld. Aber der Kieler Stürmer aus dem saarpfälzischen Homburg markierte aus spitzem Winkel das 2:0 (36.). Lauterns Torwart Julian Krahl sah in dieser Szene schlecht aus. Vier Minuten später pennte die komplette FCK-Hintermannschaft. Einen Eckball von Tohumcu köpfte David Zec völlig freistehend zum 3:0 ins Tor. Ein Standardtor, das in dieser Form nicht fallen darf. Dabei hat der FCK in Niklas Martin (noch) einen Standardtrainer.
Die Kräfteverhältnisse im Kieler Holstein-Stadion hatten sich komplett gedreht. Der Bundesliga-Absteiger war die klar bessere Mannschaft. FCK-Coach Lieberknecht zog zur Halbzeit personelle Konsequenzen. Er brachte Ji-soo Kim (für Ritter) und Luca Sirch (für Bassette) kamen. Die geballte Qualität dieses Duos aber verpuffte rasch.
Für Holstein Kiel ist der Sieg gegen den FCK vor 15.043 Zuschauern verdient und eine Premiere in dieser Saison. Erstmals spielten die Norddeutschen an einem Freitagabend zu Hause. Bislang gab es die Abendspiele am Freitag nur auswärts. Da war die Bilanz ausgeglichen: ein Sieg, ein Unentschieden, eine Niederlage. Der FCK musste bislang zweimal freitags antreten. Einer Niederlage in Elversberg folgte ein Heimsieg gegen Münster und nun die Pleite in Kiel. Freitage liegen dem FCK offenbar weniger.

