Meinung Strategie der BASF: Kamieths Wendehammer
Konzernchef Markus Kamieth sieht die BASF an einem Wendepunkt. Greift man dieses Bild auf, dann hat der Konzern bisher die falsche Richtung eingeschlagen und muss umkehren. Im Straßenverkehr könnte man von einer Sackgasse sprechen, an deren Ende manchmal ein Wendehammer liegt. Kamieths neue BASF-Strategie wirkt zumindest so tiefgreifend, dass sie getrost Wendehammer genannt werden kann.
In seinem ersten Jahr in der Verantwortung als Konzernchef krempelt Kamieth die BASF um. In einem Ausmaß, wie es der Konzern seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Die neue Strategie stellt das langgediente Selbstbild der BASF auf den Kopf. Sehr lange verstand sich das Unternehmen als geschäftlich breit aufgestellter, aber integrierter Konzern. Das ist vorbei. Die neue Sichtweise scheidet die BASF in zwei Welten: Kerngeschäfte (core businesses) auf der einen und eigenständige Geschäfte (standalone businesses) auf der anderen. Die Wortwahl zeigt: Das eine sind Geschäfte, die das Unternehmen ausmachen. Das andere: passt jetzt nicht mehr so ganz. Dabei geht es nicht um Kleinkram, sondern um mehr als ein Drittel des Konzerngeschäfts mit Zig-Tausenden Beschäftigten. Für die betroffenen, „eigenständigen Geschäftsbereiche“ heißt das: fit werden für einen Börsengang, „wertsteigernde Transaktionen“, „andere Besitzstrukturen“.
Tiefer Personalschnitt in Ludwigshafen
Die BASF fährt geschäftlich in schwierigem Fahrwasser. Die neue Strategie ist durchaus folgerichtig und nachvollziehbar. Die Kerngeschäfte rücken in den Mittelpunkt, weil hier die Stärke der tief integrierten BASF-Verbundproduktion am besten ausgespielt werden kann. Die sehr erfolgreichen, nun eigenständig genannten Geschäfte werden an den Kapitalmärkten schlechter bewertet, gerade weil sie Teil der breit aufgestellten BASF sind. Konkurrenten, die sich nur auf eines dieser Geschäfte konzentrieren, stehen besser da. Am Kapitalmarkt sei der Wert der eigenständigen Geschäfte nicht voll abgebildet, sagt Kamieth. Und er wolle Wert schaffen. Am Kapitalmarkt jedenfalls kommt seine „Frischzellenkur“ und die Trennung „von Randbereichen“ gut an, wie Großanleger jüngst äußerten. Widersprüchlich ist: Jahrzehntelang wurde die breite Geschäftsbasis der BASF gepriesen, weil sie das Geschäft weniger schwankungsanfällig macht. Das wird nun anders.
Ein zweiter tiefer Einschnitt: Das Stammwerk, in dem ein Drittel aller BASF-Beschäftigten weltweit arbeitet, muss wieder fit werden. Es steckt tief in den roten Zahlen. Und soll nun schlanker, aber stärker werden. Dabei wird jeder Stein umgedreht. Anlagen schließen. Ein großer Teil der erwarteten Kostensenkungen von weit mehr als 1 Milliarde Euro soll über Personalabbau erreicht werden. Auch wenn der Schnitt sozial abgefedert und ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen wird: Die BASF will partout nicht beziffern, wie viele Stellen in Ludwigshafen wegfallen sollen. Es lässt sich aber hochrechnen: 5000 bis 6000 Arbeitsplätze bis Ende 2026 könnten es sein. Der Beschäftigungsstand in Ludwigshafen wird inzwischen nur noch sehr eingeschränkt und nicht vollständig mitgeteilt. Auch das ist eine Neuerung unter Kamieths Führung. Fest steht bereits jetzt: Das Stammwerk steckt mitten im größten Personalabbau seit zwei Jahrzehnten.
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