Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Weinkönigin: „Die Branche hat ganz andere Probleme“

1992 war die Edenkobenerin Christine Schneider Pfälzische Weinkönigin.
1992 war die Edenkobenerin Christine Schneider Pfälzische Weinkönigin.

„PfalzWeinBotschafterin“ anstelle von Weinkönigin? Die Entscheidung des Vereins Pfalzwein von vor zwei Wochen wird heiß diskutiert. Was hält Christine Schneider davon, ehemalige Pfälzische Weinkönigin und CDU-Europaabgeordnete?

Tradition kontra Moderne oder schlägt Moderne die Tradition? Über was reden wir da, Frau Schneider? Sind alle diejenigen, denen Weinköniginnen gefallen, von gestern?
Nein, definitiv nicht. Ich glaube, viele, die nicht ganz einverstanden sind oder sich jetzt überrumpelt fühlen von der Beschlussfassung, sperren sich nicht dagegen, das Amt der Weinkönigin weiterzuentwickeln.

Wie war das damals, 1992, als Sie Pfälzische Weinkönigin waren?
Wenn ich daran denke, wie es damals war und wie eine Weinrepräsentantin heute auftritt, dann hat sich ja schon viel getan. Dieses Amt war immer in der Modernisierung. Deshalb ist es auch gut, dass wir überlegen, wie wir dieses Amt weiterhin attraktiv gestalten. Es gibt Punkte in der Vergangenheit, die verbesserungswürdig sind. Dass wir die jungen Frauen, und gerne auch die jungen Männer, die sich zur Wahl stellen, ein Stück weit begleiten und nicht allein lassen zum Beispiel. Die müssen Weinproben besprechen, keiner kümmert sich. Wie kommen die eigentlich zum Termin hin, wie kommen sie nach Hause – solche Dinge meine ich. Die aktuelle Diskussion, und was bei mir ankommt, zeigt auch, dass es nicht bis zum Ende gedacht ist. Und deshalb ist es auch falsch, zu meinen, die, die an der Tradition Weinkönigin festhalten, sind von gestern und die anderen sind die, die die Weinbranche voranbringen.

Landwirtschaft und Weinbau zählen zu den Arbeitsschwerpunkten der EU-Abgeordneten Christine Schneider (CDU) .
Landwirtschaft und Weinbau zählen zu den Arbeitsschwerpunkten der EU-Abgeordneten Christine Schneider (CDU) .

Was hat sie gereizt, Pfälzische Weinkönigin zu werden?
Dass ich zunächst Edenkobener Weinprinzessin wurde, war eher ein Gefallen, dem ich dem damaligen Beigeordneten und späteren Bürgermeister Werner Kastner und meinen Eltern gemacht habe. Es war mir nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Aber ich habe in diesem Jahr, und gerade im Jahr als Weinprinzessin der Südlichen Weinstraße, die nächste Stufe vor der Pfälzischen, unglaublich viele unterschiedliche Situationen erlebt. Man muss sich sehr schnell auf eine Situation einstellen, hat nicht immer die optimalen Informationen, kommt mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Ich wurde immer sehr, sehr positiv empfangen und hatte auch ganz viel Feedback und Anerkennung, was wir – und da beziehe ich alle Weinhoheiten auf allen Ebenen mit ein – für das Kulturgut Wein und für unsere Heimatregion geleistet haben. Eine Weinhoheit macht ja nicht nur Werbung für den Wein, sondern für eine ganze Region, für ein Lebensgefühl, für ein Kulturgut.

Die Pfalzwein möchte die Weinwerbung auf neue Füße stellen. Kann man sich denn mit einer Weinkönigin auf nationalem oder gar internationalem Parkett oder im Großhandel nicht mehr sehen lassen? Können Sie das nachvollziehen?
Nein, das kann ich nicht nachvollziehen. Ich weiß, dass die Weinbranche aktuell ganz andere Probleme hat. Viele Winzer verstehen die Diskussion überhaupt nicht.

Die Winzer klagen über Absatzprobleme.
Ja, der Weinkonsum geht zurück. Wir haben europaweit eine Überproduktion, das ist in Deutschland weniger das Problem, weil wir noch andere Mechanismen haben. Aber da kommt viel Wein auf den Markt, und wir leben in einer Zeit, in der weniger und bewusster Wein getrunken wird. Ich glaube, dass wir uns damit auseinandersetzen müssen und nicht glauben dürfen, wenn wir jetzt die Weinkönigin in Wein- und Kulturbotschafter umfirmieren, dass das etwas an der Problematik löst.

Anstecknadeln anstelle der Krone - was halten Sie davon?
Da stellt sich für mich die Frage der Unterscheidbarkeit. Ich war damals viel auf Messen und Veranstaltungen unterwegs und hatte mit der Krone ein Alleinstellungsmerkmal. Ich wurde schon damals nie gezwungen, die Krone aufzusetzen, wenn ich der Meinung war, das passt jetzt nicht. Meine Pfalzwein-Krone war auch extrem schwer, die hatte man nicht allzu lange auf. Aber wenn ein festlicher Akt war, habe ich sie aufgesetzt. Wo soll man anhand einer Anstecknadel unterscheiden, wer Wein- und Kulturbotschafter der Pfalz ist gegenüber einer professionellen Markenkraft von einer Genossenschaft beispielsweise? Das ist austauschbar und schadet dem, was hinten dran steht. Anstecknadeln gibt es wie Sand am Meer.

Für Sie schließt sich also Modernisierung der Weinwerbung und Weinkönigin nicht aus?
Es gab ja wohl Kritik am Amt der Weinkönigin. Ich hätte mir gewünscht, dass man sich dem gemeinsam mit dem Berufsstand stellt, vielleicht auch mit der ein oder anderen ehemaligen und zukünftigen Weinhoheit. Eine fachliche Analyse macht, wie die Weinköniginnen ankommen, und zwar nicht nur in unserer Bubble Pfalz, sondern auch außerhalb. Um zu erkunden, was es für ein professionelles Auftreten braucht, wäre auch eine professionelle Analyse hilfreich gewesen, um dann in den Diskussionsprozess zu gehen.

Es macht ja den Eindruck, als ob dieser Diskussionsprozess gar nicht beabsichtigt war, denn die Pfalzwein hat die Entscheidung in einem Hauruckverfahren durchgezogen, ohne vorher klar zu kommunizieren, was ansteht. Möglichst wenig Diskussion, keine Öffentlichkeit.
Ich unterstelle niemandem da etwas Böses, weil ich die handelnden Personen kenne und auch weiß, wie sehr sie das Thema Weinzukunft der Pfalz umtreibt. Ich glaube eher, man hat die Tragweite der Entscheidung unterschätzt und nicht mit der Kritik gerechnet, sondern nach bestem Wissen und Gewissen entschieden. Diejenigen, die involviert waren, haben wirklich unterschätzt, dass man die Diskussion auf breitere Füße stellen muss. Dieses Jahr hätte man die Wahl der Pfälzischen Weinkönigin noch mal in normaler Form durchführen sollen, um dann aber zu sagen, so, Leute, wir müssen uns an den Tisch setzen und reden. Es gibt viele Fachleute, zum Beispiel auch vom Weinbaustudiengang in Neustadt/Ludwigshafen, die man einbinden könnte. Ich hoffe, dass wir diesen Weg noch gehen können. Das Kind ist durch die Diskussion in den Brunnen gefallen. Wir müssen jetzt wieder zusammenführen, was zerbrochen ist. Wir brauchen ein ordentliches Konzept.

Was sagen denn die Leute, mit denen Sie gesprochen haben?
Ich nehme wahr – kann sein, dass sich bei mir mehr die Weinkönigin-Befürworter melden – dass der Name Weinkönigin bleiben soll, dass, wenn es ein Mann wird, überlegt werden muss, ob es der Weinkönig wird oder der Baron, dass die Krone bleiben soll und dass der Hoheit die Freiheit gegeben werden soll, individuell zu entscheiden, wie sie auftritt. Mich haben viele Junge kontaktiert, die sich als Ortsprinzessin bewerben wollen, und jetzt sagen: Mir wird gerade ein Lebenstraum weggenommen. Das sind junge Frauen, die extrem engagiert sind und für die Region etwas leisten wollen. Ich höre allerdings auch andere, aus der Landjugend, die sagen: Es war Zeit.

Gegen einen Mann hätten Sie und die Leute, die sich bei Ihnen gemeldet haben, nichts einzuwenden?
Ich persönlich gar nicht und das Gros der Leute, die sich gemeldet haben, auch nicht. Zeiten verändern sich. Wir können nicht immer über Geschlechtergerechtigkeit reden und sie dann nur einseitig umsetzen. Über die fachliche Kompetenz entscheidet eine Jury. Aber warum soll nicht auch ein Mann professionell für die Pfalz und den Wein werben können?

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