Pfalz Das Glatteis und seine Folgen: Wie die Pfalz durch den Tag gekommen ist

Vielerorts war es ratsam, das Zweirad stehen zu lassen. Auch in Frankenthal.
Vielerorts war es ratsam, das Zweirad stehen zu lassen. Auch in Frankenthal.

Die Eisschicht auf den Straßen hatte die Region am Mittwoch fest im Griff. Immerhin: Die Abiturienten konnten ihre Prüfungen schreiben – kreativer Lösungen sei Dank. Anderswo ging wegen des Wetters gar nichts mehr.

Im äußersten Westen der Pfalz begann es schon vor 7 Uhr am Morgen bei deutlichen Minusgraden ganz fein zu regnen. Zunächst genügte das nicht, um flächendeckend für Glatteis zu sorgen. Aus dem ganz feinen Sprühregen wurde nach und nach Nieselregen. Die Nässe von oben sorgte nach und nach für Glatteis. Zwar waren die Streufahrzeuge weiter fleißig im Einsatz. Das Eis war aber oft schneller. Auch auf gestreuten Straßen war es bis etwa 10 Uhr stellenweise spiegelglatt, selbst nagelneue Winterreifen bekamen an diesen Stellen keinen Halt oder drehten gar durch. Vor allem in höheren Lagen ab 350 Meter aufwärts war es gefährlich. Wer konnte, sollte darauf verzichten, Auto zu fahren, vor allem auf Nebenstrecken. Das taten auch die meisten. Auf den Nebenstrecken herrschte am Mittwochmorgen weit weniger Straßenverkehr als üblich.

Für manch einen wurde der Spaziergang zur Rutschpartie – etwa in Landau.
Für manch einen wurde der Spaziergang zur Rutschpartie – etwa in Landau.

Aber auch abseits der Straßen war es gefährlich. Im Westen der Pfalz war es in Lagen ab etwa 300 Metern Höhe auf allen ungestreuten Flächen spiegelglatt. Und zwar ab etwa 9 Uhr bis in den Nachmittag. Die Oberfläche war noch kälter als null Grad, weshalb der immer heftiger gewordene Regen noch gefror und die Eisfläche nicht auftaute. Auf ungestreuten Wegen bestand eine hohe Gefahr, auszurutschen und zu stürzen. Bis zum Abend stieg auch im Westen die Temperatur deutlich, wodurch die Situation kippte: Der wärmer werdende Regen ließ das Eis nach und nach verschwinden. So normalisierte sich die Situation am Abend.

Abitur ohne Probleme

Vor der zentralen Abiturprüfung in Englisch am Mittwoch waren die Bedenken vieler Schüler und Eltern groß gewesen, denn die Extremwetterlage ließ für den Schulweg große Probleme vermuten. Diese Befürchtung sollte sich aber wohl nicht bewahrheiten. Denn das rheinland-pfälzische Bildungsministerium erklärte auf RHEINPFALZ-Anfrage: „Nach jetzigem Kenntnisstand sind keine Probleme aufgetreten. Es wurde bisher nur eine Abwesenheit eines Abiturienten aufgrund der Wetterlage gemeldet.“ Zum Abitur seien alle Schüler erschienen, die ersten seien aus Angst vor den Wetterkapriolen schon um 6.30 Uhr in der Schule gewesen, teilte Ulrike Dittberner, Schulleiterin des Rittersberg-Gymnasiums in Kaiserslautern, mit. Einzelne Schüler des Kaiserslauterer Hohenstaufen-Gymnasiums hatten, um die Abiturprüfungen auf gar keinen Fall zu verpassen, vorsichtshalber im Hotel in der Innenstadt übernachtet, berichtete Schulleiter Roland Frölich. Am Morgen seien dann alle pünktlich in der Schule gewesen.

Für den Schulbesuch galt laut der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD), dass die Schulen in Abstimmung mit den Schulträgern selbst entscheiden konnten, ob der Unterricht vor Ort stattfinden sollte. Die ADD bilanzierte: „Insgesamt ergab sich ein sehr heterogenes Bild. Schulen sind teilweise geöffnet und teilweise geschlossen. Dort wo die Schulen geöffnet sind, sind auch die Lehrkräfte zu einem großen Teil zum Dienst erschienen.“ Ausgefallen war der Unterricht beispielsweise an der Realschule Kandel (Kreis Germersheim). An der Carl-Orff-Realschule plus in Bad Dürkheim fand der Unterricht in Präsenz statt, teilte Konrektor Benjamin Sund mit. Während es im Kollegium nur wenige Ausfälle gab, lag die Fehlquote bei den Schülern deutlich höher: Nur gut ein Drittel von ihnen sei zum Unterricht erschienen.

Zoo und Museum geschlossen

Neben den Schulen blieben auch andere Einrichtungen in der Pfalz am Mittwoch wegen des Wetters geschlossen. Die Stadt Landau traf am Vormittag die Entscheidung, den Zoo für den Rest des Tages zu schließen – es sei zu glatt, teilte eine Sprecherin der Stadtverwaltung mit. Auch wer die Ausstellung im Frankenthaler Erkenbert-Museum besuchen wollte, hatte am Mittwoch Pech: Das Museum blieb ebenfalls geschlossen.

Salz streuen half – in den meisten Fällen. Wie hier in Rammelsbach im Kreis Kusel.
Salz streuen half – in den meisten Fällen. Wie hier in Rammelsbach im Kreis Kusel.

Die Polizeipräsidien in Ludwigshafen und Kaiserslautern registrierten verhältnismäßig wenig glatteisbedingte Unfälle. In der Integrierten Leitstelle Ludwigshafen, die Notrufe aus der Vorderpfalz entgegennimmt, war die Lage ähnlich. „Wir hatten keine größeren Einsatzlagen“, sagte Abteilungsleiter Bernd Sturn am Nachmittag. Die Anzahl der kleineren Einsätze sei aber spürbar gestiegen – etwa dadurch, dass Fußgänger auf der Straße ausrutschten und stürzten oder Autofahrer die Kontrolle verloren und im Graben landeten. Zum Frühdienst ab 5.30 Uhr am Mittwoch sei die Leitstelle personell aufgestockt worden, um die Anrufe bewältigen zu können.

Beschäftigte Notaufnahmen

Die erhöhte Anzahl an Stürzen und anderen Unfällen schlug sich auch in den Notaufnahmen der Pfälzer Krankenhäuser nieder. Die Unfallchirurgie des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen (Donnersbergkreis) verzeichnete ein erhöhtes Patientenaufkommen. Vonseiten des Krankenhauses mussten keine Operationen oder Termine abgesagt werden. Lediglich zum Spätdienst konnten einige Mitarbeiter ihren Dienst nicht antreten. „Die Patientenversorgung war an unseren vier Standorten jederzeit uneingeschränkt sichergestellt“, teilte Matthias Moritz, Leiter der Krankenhauseinsatzleitung, mit.

Es kam aber auch vor, dass an einigen Stellen gar nichts mehr ging: Die Kreisstraße 2 zwischen Freinsheim und Dackenheim (Kreis Bad Dürkheim) wird wegen der Glätte bis Donnerstagmorgen gesperrt bleiben, nachdem dort am Mittwochvormittag zwei Unfälle geschehen waren. Und in der 500-Seelen-Gemeinde Mörsfeld (Donnersbergkreis) rief Ortsbürgermeister Jan Volker die Einwohner per Whatsapp dazu auf, zu Hause zu bleiben. Das Eis war dann doch zu hartnäckig.

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