Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Insolvenzverfahren: Bei Bischoff wird es ganz eng

Die Umsätze beim Fassbier waren während der Pandemie eingebrochen.
Die Umsätze beim Fassbier waren während der Pandemie eingebrochen.

Eine saarländische Investorengruppe, mit der die Gespräche weit fortgeschritten waren, steigt nun doch nicht bei Bischoff ein. Damit sinken die Überlebenschancen der traditionsreichen Brauerei bedrohlich. Die Entscheidung, ob es überhaupt weitergehen kann, steht unmittelbar bevor.

Selbst der berufsoptimistische Brauereichef Sven Bischoff sieht „die Eigensanierung der Privatbrauerei Bischoff als endgültig gescheitert“ an. Hintergrund: Die Investorengruppe, mit der sich Bischoff seit mehreren Wochen in Gesprächen befand, hat ihm am Mittwoch mitgeteilt, dass sie von einem Engagement in Winnweiler absieht. Als „überraschend“ bezeichnet Bischoff dies.

Das bestätigt Jürgen Erbe von der deutschlandweit tätigen Kanzlei Schultze&Braun, der Ende Juli den bisherigen Sachwalter Jürgen Roth abgelöst hatte. Zwar ist er noch dabei, sich ein Bild von der Situation in Winnweiler zu machen, doch sagt auch er zwei Wochen nach seinem Amtsantritt über den Rückzug: „Dieser Verlauf kam für alle überraschend.“

Investor: Zeitdruck zu groß

Bei der Investorengruppe handelt es sich um die dreiköpfige FDK Beteiligungs-GmbH aus dem Nordsaarland. Die plante schon seit einiger Zeit den Einstieg bei der Saarbrücker Bruch-Brauerei, bei der seit Januar der Insolvenzverwalter das Sagen hat. Anfang August nun hat die Gläubigerversammlung der saarländischen Traditionsbrauerei dem Insolvenzplan zugestimmt. Bei Bischoff dagegen sehe man vom ins Auge gefassten Engagement ab, Sprecher Thorsten Klein nennt drei Gründe: der plötzlich entstandene „hohe Zeitdruck“, weil dringend Geld benötigt worden sei; eine „undurchsichtige Datenmenge“, sprich die betriebswirtschaftliche Prüfung eines Einstiegs hätte noch einige Zeit in Anspruch genommen; ein „in der Höhe nicht abschätzbares Risiko“, ausgelöst durch die Kombination der Aspekte eins und zwei.

Sven Bischoff hatte im Dezember 2020 ein Insolvenzverfahren beantragt. Ein Hauptgrund, so hatte er stets betont, seien die Umsatzrückgänge während der Pandemie. Das Verfahren wurde in Eigenverwaltung eröffnet, so dass Bischoff die Geschäfte selbst weiterführen konnte. In der Folge sprach er mit – teils internationalen – Interessenten, die damit liebäugelten, bei Bischoff einzusteigen. Unter anderem waren Investoren aus China und Kasachstan dabei. Damals aber bestand aus Bischoffs Sicht noch keine Notwendigkeit, die Brauerei unbedingt abgeben zu müssen. Ende 2021 entschloss sich der Brauereichef stattdessen, das große firmeneigene Areal in Winnweiler zu veräußern, um dort Investoren Wohnbebauung zu ermöglichen. Das Betriebsgelände, einen kleinen Teil der Gesamtfläche, wollte er vom Käufer zurückpachten.

Zuletzt keine Vollauslastung

Mindestens 5,5 Millionen Euro hätte diese Transaktion in die Kassen der Brauerei spülen sollen – zum einen, um das schon verhältnismäßig lange währende Insolvenzverfahren zum Abschluss zu bringen, zum anderen, um dringend nötige Investitionen in den Betrieb zu tätigen. Einem ersten ernsthaften Interessenten war es nicht gelungen, mit Unterstützung regionaler Kreditinstitute die Finanzierung zu stemmen. Schließlich hatte sich die Lösungssuche auf die saarländische Investorengruppe zugespitzt, die allerdings nicht nur das Gelände erwerben – diesbezüglich hatte es sogar schon Gespräche mit Bürgermeister Rudolf Jacob gegeben –, sondern auch bei der Bischoff-Brauerei einsteigen wollte. Dies wäre aus Bischoff-Sicht ein Glücksfall gewesen, weil es der Brauerei in den 20 Monaten des Insolvenzverfahrens offenkundig nicht gelungen war, die Ergebnislage aus eigenen Kräften zu stabilisieren.

Unter anderem hatte eine defekte Ammoniakleitung seit längerem eine Vollauslastung in der Produktion verhindert. Die Folge: Seit Beginn des Insolvenzverfahrens Ende 2020 hatten sich neue Schulden angehäuft, die Bischoff nicht mehr aus eigener Kraft hätte begleichen können, wie Erbe schildert. Die Investoren hätten mit einem sogenannten Massedarlehen den Geschäftsbetrieb überbrückungsweise aufrechthalten müssen bis zu ihrem geplanten Einstieg. Am Mittwoch aber habe sich die Investorengruppe zurückgezogen.

Als Konsequenz hat Bischoff die Aufhebung der Eigenverwaltung beim Insolvenzgericht beantragt. Damit beginnt nun ein Regel-Insolvenzverfahren, Jürgen Erbe wird voraussichtlich vom Sachwalter zum Insolvenzverwalter. Die knapp 40 Mitarbeiter hat Sven Bischoff umgehend informiert.

Retter kurzfristig gesucht

Am Montag werden die Gläubiger der Brauerei zusammenkommen. Gut möglich, dass sie entscheiden werden, den derzeit defizitären Betrieb in der Brauerei einzustellen. Die einzige Möglichkeit, die Erbe noch sieht: „Den Gedanken vom Anfang nochmal aufzugreifen und einen Investor zu finden, der den nun aber stillgelegten Geschäftsbetrieb der Brauerei übernimmt, unabhängig vom Gelände.“ Alle anderen Gedankenspiele seien in der gebotenen Kürze der Zeit unrealistisch.

Denn bestenfalls finde sich bis Montag ein Retter für die Bischoff-Brauerei, womöglich aus dem Bereich der Kunden oder Geschäftspartner. Falls die Gläubigerversammlung Anfang der Woche die Einstellung des laufenden Geschäftsbetriebs beschließt, muss die Brauerei sozusagen „in Winterschlaf versetzt“ werden, wie Erbe es ausdrückt. Also das Bier in den Tanks fertig gären lassen und mit reduziertem Personal den Betrieb kontrolliert herunterfahren. In der Hoffnung, dass sich in der immer knapper werdenden Zeit doch noch jemand findet, der „die Marke Bischoff erhalten kann“. Etwa zwei Millionen Euro für Erwerb und Sanierung der Traditionsbrauerei müsse derjenige schätzungsweise mitbringen, sagt Erbe.

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