Winnweiler
Brauerei zu verkaufen: Bischoff-Gelände im Bieterverfahren
Kaum war die Anzeige auf den einschlägigen Immobilienportalen veröffentlicht, stand beim Brauereichef das Telefon nicht mehr still. Die ersten Anrufe allerdings kamen nicht von Interessenten, sondern von kommunalpolitischen Würdenträgern ebenso wie von Bierfreunden, die sich allesamt besorgt zeigten um die Zukunft des Donnersberger Bieres, wie Sven Bischoff berichtet. Und er stellt klar: „Das wichtigste Ziel bleibt es, die Brauerei weiterzuführen – auf einer wirtschaftlich guten Basis.“ Gesucht wird also ein neuer Eigentümer, der das Betriebsgelände wiederum Bischoff zur Verfügung stellt.
Ein solches „Sale and Lease Back“ genanntes Verfahren habe Bischoff schon vor 15 Jahren gestartet, schildert Sven Bischoff, nun sei es gerade beendet: Erst seit kurzer Zeit gehören Büro und Lagerhalle wieder der Brauerei. „Warum sollte das nicht auch mit der gesamten Brauerei gehen?“, befindet der Firmenchef. Er will das Gelände inklusive sämtlicher Immobilien und Anlagen verkaufen, zurückpachten – und natürlich ein Vorkaufsrecht behalten für wirtschaftlich bessere Zeiten.
Geld für Investitionen
Mit der gewonnen Liquidität will Bischoff zunächst das Insolvenzverfahren erfolgreich abschließen. Die Brauerei befindet sich in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Der Verkauf sei „ein wichtiger Baustein“ für den Insolvenzplan, sagt Sven Bischoff. Immer unter dem Vorbehalt, dass die Gläubiger zustimmen. Aber davon ist Bischoff überzeugt. Bislang hätten sich alle stets gesprächsbereit gezeigt – zumal es sich hauptsächlich um Lieferanten handele, die somit daran interessiert seien, dass es an den Winnweilerer Hopfengärten weitergeht. Aber auch die Grundschuld soll abgelöst werden.
„Wenn der Verkauf klappt, wären wir fast schuldenfrei und hätten noch Geld übrig, um die Brauerei weiterzuentwickeln“: Vor allem in energetische Maßnahmen will Bischoff investieren, um an der Kostenschraube zu drehen. Gewohnt optimistisch gibt sich der Brauereichef bei der Investorensuche: „Es gibt bereits zwei ernsthafte Interessenten, auf die Anzeigen sind schon jetzt fünf weitere Anfragen gekommen.“ Es handele sich bislang ausschließlich um Privatinvestoren oder Interessenten aus der Immobilienbranche – also niemanden, der Gefahr läuft, sich ins Brauereigeschäft einmischen zu wollen.
Gebote bis Mitte September
Benefit für den Käufer sind zum einen die Mieteinnahmen. Zum anderen beinhaltet das mehr als 100.000 Quadratmeter große Areal laut Sven Bischoff auch für Bebauung interessante Flurstücke, die seine Brauerei nicht unbedingt zurückkaufen müsse.
5,5 Millionen Euro soll der Verkauf mindestens einbringen. Allerdings handelt es sich um ein Bieterverfahren, bei dem die Interessenten ihre Gebote bis Mitte September abgeben können. Selbstredend erhofft sich Bischoff einen höheren Verkaufspreis – zumal das bereits vorliegende Gutachten dem Betriebsgelände einen deutlich höheren Wert bescheinigt.
Wenngleich er fest mit einem Abschluss rechnet, stellt Sven Bischoff dennoch klar: „Auch ohne einen solchen Investor würde es bei uns weitergehen.“ Es dürften nur nicht zwei Aspekte zusammenkommen: „Kein Käufer und dann ein erneuter Lockdown-Winter, das wäre ein Problem.“ Die Umsatzeinbußen durch geschlossene Gastronomien und abgesagte Feste seit Anfang 2020 waren in der Tat dramatisch: So hat Bischoff im ersten Halbjahr 2021 in Deutschland lediglich ein gutes Viertel der Fassbiermenge verkauft wie zwei Jahre zuvor.