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Waldbrand: Wiederaufbau nach dem Feuer
Von Roland Knauer
„Diese vielen Zitterpappeln, etliche Birken und Salweiden sowie einige andere Gehölze sind nach dem Brand im Dürresommer 2018 von selbst gekommen“, erklärt Pierre Ibisch von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). „Diese natürliche Regeneration nach dem Feuer im Stadtwald von Treuenbrietzen war insgesamt viel erfolgreicher als Baumpflanzungen“, fasst der Naturschutzprofessor ein wichtiges Ergebnis des mit Bundesmitteln geförderten Pyrophob-Projekts zusammen, das er von 2020 bis 2025 koordiniert hat und in dem neben der HNEE sieben weitere Forschungs- und Naturschutzorganisation verschiedene Methoden zur Wiederbewaldung von Brandflächen untersucht haben.
Auf den herkömmlich bewirtschafteten Flächen waren nach dem Feuer die toten Bäume entfernt worden. Danach wurde der Kahlschlag gepflügt, um dort sorgfältig Kiefern-Keimlinge zu pflanzen. Als der Klimawandel der Region nur ein Jahr nach dem Brand einen weiteren Dürresommer bescherte, waren dort der größte Teil der frisch gepflanzten Kiefern vertrocknet.
Zitterpappeln spielen herausragende Rolle
Auf den der Natur überlassenen Flächen spendeten die stehen gebliebenen, verbrannten Baumstämme dagegen Schatten. Dort blieb es daher auch bei längeren Hitzewellen kühler und feuchter, Tiere und Pflanzen hatten bessere Überlebenschancen. „Da der Klimawandel Hitze- und Dürreperioden wohl häufiger als bisher bringen wird, ist das ein wichtiger Hinweis für die zukünftige Behandlung der Wälder“, erklärt Pierre Ibisch.
„Eine herausragende Rolle unter den Pionierpflanzen im Untersuchungsgebiet spielen die Zitterpappeln, deren Samen einige Kilometer weit fliegen“, nennt Pierre Ibisch ein weiteres Ergebnis des Projekts zum Schutz vor Waldbränden. Die Samen von Birken legen dagegen deutlich geringere Distanzen zurück und Kiefern haben praktisch nur dann eine Chance, wenn sie gleich am Rande des verwüsteten Areals stehen.
Kiefernstämme wie Mikado-Stäbe
Stark unterstützt von Pilzen im Bereich ihrer Wurzeln reichern die Zitterpappeln Nährstoffe an und bereiten so den Boden für andere Arten vor, die später dort keimen können. „Nach ungefähr drei Jahren fallen die abgestorbenen, verbrannten Kiefernstämme wie Mikado-Stäbe um, liegen wirr durcheinander und erzeugen ein Mosaik aus kleinen Flächen mit sehr unterschiedlichen Bedingungen“, fasst Pierre Ibisch ein weiteres Ergebnis von Pyrophob zusammen. In diesen sehr kleinen Arealen entwickelte sich die Vegetation sehr vielfältig, ein buntes Gemisch entstand.
Als dann 2022 ein zweiter Waldbrand im gleichen Gebiet ausbrach, brannten die inzwischen fünf Meter hohen Zitterpappeln zwar ab, viele aber trieben aus den Wurzeln wieder aus und regenerierten sich schnell. „Ähnlich reagierten auch junge Eichen, die auf den Waldbrandflächen gepflanzt worden waren“, nennt Pierre Ibisch eine weitere Baumart, die relativ gut mit den im Klimawandel häufigeren Dürren und Feuern zurechtkommt. Die gepflanzten Kiefern treiben dagegen normalerweise nicht wieder aus.
Laubbäume schützen mit gespeichertem Wasser
Die auf den Brandflächen sprießenden Laubbäume zeigen laut Pyrophob-Ergebnissen in den Dürreperioden der Folgejahre noch einen weiteren Vorteil: Sie verzögern aufflackernde Waldbrände und verringern so die Feuergefahr.
Den Hintergrund dieser Beobachtung beschreibt der Leiter des Referats Brand- und Katastrophenschutz im Ministerium des Innern und für Kommunales (MIK) des Landes Brandenburg Martin Bertram: „Laubbäume speichern in ihrem Holz und in ihren Blättern mehr Wasser und bremsen dadurch Brände.“ Obendrein verdunstet aus der größeren Oberfläche der Blätter mehr Wasser als aus Nadelbäumen. Dadurch wird die Waldluft feuchter und verringert so nicht nur das Brandrisiko, sondern bremst auch bereits entstandene Feuer.
Nadelbäume brennen sehr gut
Ganz anders sieht es dagegen bei Kiefern und anderen Nadelgehölzen aus. „Viele Nadelbäume enthalten Harze und ätherische Öle, die sehr gut brennen und so als Brandbeschleuniger wirken können,“ erklärt der Waldbrand-Experte des MIK, der an Pyrophob-Forschung nicht beteiligt war.
Auch fällt durch das dichte Kronendach eines Laubwaldes wenig Licht, daher wachsen am Boden von Kiefern-Monokulturen auch weniger Pflanzen, die in Dürreperioden rasch vertrocknen. „Dieses verdorrte Gras brennt wie Zunder und kann ein Feuer daher stark beschleunigen“, schildert MIK-Experte Martin Bertram ein weiteres Problem von Kiefernwäldern.
Auf offener Fläche Gefahr bei Hitzewellen
Ein weiteres Ergebnis von Pyrophob mahnt beim Umstieg von Nadelbaum-Monokulturen auf Laub- und Mischwälder zur Eile: Das Projekt hat auch Brandflächen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog untersucht. Dort beobachtet die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg die von Panzertruppen geschaffenen Heidelandschaften, auf die der Wald nur sehr langsam zurückkehrt.
Auf solchen offenen Flächen steigen die Temperaturen bei sommerlichen Hitzewellen auf viel höhere Celsius-Grade als im benachbarten Wald, der den Boden beschattet. Da heiße Luft viel mehr Feuchtigkeit enthalten kann als warme Luft, wird die Feuchtigkeit aus den Pflanzen, dem Boden und auch aus benachbarten Waldgebieten praktisch heraussaugt. Bleibt es länger heiß, vertrocknen junge Bäumchen sehr rasch. „Da die Temperaturen im Klimawandel weiter steigen werden, sollte auf Waldbrandflächen daher rasch wieder neuer Wald wachsen“, folgert Pierre Ibisch daraus.
„Wir empfehlen, bei der Walderholung vor allem auf Naturkräfte zu setzen – das ist effektiver und außerdem völlig kostenlos.“, erklärt der HNEE-Forscher weiter. Auf solchen Flächen werden die zunächst sprießenden Zitterpappeln später durch andere Laubbäume ersetzt, die wirtschaftlich wertvoller als die Zitterpappeln sind. Und der Wald hat auch im Klimawandel wieder gute Chancen.