Wissen RHEINPFALZ Plus Artikel Blauwal-Gesänge wieder häufiger zu hören

Modell eines Blauwals im Ozeaneum in Stralsund. Die antarktischen Blauwale sind die größten der drei Unterarten. Sie werden 23 b
Modell eines Blauwals im Ozeaneum in Stralsund. Die antarktischen Blauwale sind die größten der drei Unterarten. Sie werden 23 bis 33 Meter lang bei einem Gewicht von 100 bis fast 200 Tonnen.

Es gibt positive Nachrichten aus der Antarktis: Nach Jahrhunderten des industriellen Walfangs galt der antarktische Riese der Ozeane als vom Aussterben bedroht. Doch nun scheinen sich die Bestände wieder zu erholen.

Blauwale sind die größten Säugetiere der Erde. Sie können über 30 Meter lang und an die 200 Tonnen schwer werden. Damit ist der Blauwal doppelt so lang wie ein Bus und wiegt mehr als 30 ausgewachsene Elefanten. Allein seine Zunge ist schwerer als ein Elefant, sein Herz ist so groß wie ein Auto.

Lange haben Tierschützerinnen und Tierschützer sowie Forscherinnen und Forscher um das Überleben der „sanften Riesen“ gebangt. Nachdem sie über Jahrhunderte von industriellen Walfängern gejagt wurden, gab es vor allem von den antarktischen Blauwalen nur noch wenige Hundert Tiere. Seit knapp über 50 Jahren sind die Tiere nun aber geschützt und inzwischen deuten aktuelle Forschungsergebnisse darauf hin, dass sich die Population wieder erholt. Laut der Studie schwimmen die antarktischen Blauwale – die größten Tiere, die je gelebt haben – mit zunehmender Regelmäßigkeit durch das Südpolarmeer.

Im riesigen Polarmeer schwer zu finden

Trotz ihrer enormen Größe sind die Tiere im riesigen Südpolarmeer schwer zu finden. Möglich ist dies rein über die Art und Weise, wie sie kommunizieren. Die Tiere würden sehr laute, niederfrequente Rufe ausstoßen, die mithilfe akustischer Technologie aus Hunderten von Kilometern Entfernung erkannt werden könnten, erklärt Brian Miller von der Australian Antarctic Division, der die Studie leitete. Aufgenommen habe man den sogenannten „Z-Ruf“ der Tiere und den nicht singenden „D-Ruf“. Letzterer ist nach Meinung der Forschenden ein „sozialer“ Ruf männlicher und weiblicher Wale.

Diese „Gesänge der Blauwale“ faszinieren die Wissenschaftswelt seit Langem. Laut der Tierschutzorganisation WWF sind sie oft über Jahrzehnte konstant. Die Wale nutzen unterschiedliche Kombinationen von Pulsen, Tönen und Tonhöhen. Antarktische Blauwale klängen dabei anders als ihre Artgenossen aus dem pazifischen Nordwesten, Populationen, die im westlichen Pazifik leben, oder den Walen in den Gewässern vor Chile, erläutern die Tierschützer.

Insgesamt haben die Forscherinnen und Forscher über zwei Jahrzehnte damit verbracht, auf die unverwechselbaren Gesänge und Rufe der antarktischen Blauwale zu lauschen. Tausende Stunden Audio, die mit frei schwebenden „Sonobojen“ als „Abhörstationen“ gesammelt wurden, wurden analysiert. Insgesamt verbrachten die Experten mehr als acht Monate auf sieben Reisen auf See, legten fast 150.000 Kilometer zurück und überwachten an die 3900 Stunden lang den Ton von Abhörstationen in der gesamten Antarktis. Neben den Sonobojen kamen noch Satelliten- und Videoverfolgung, Fotografie, DNA-Probeentnahmen, Drohnen und künstliche Intelligenz zum Einsatz, um ein möglichst vollständiges Bild über die Verbreitung, Häufigkeit und das Verhalten der Tiere zu zeichnen.

Deutliche Fortschritte bei der Lokalisierung

Laut Miller ist das Ergebnis sehr erfreulich, denn es zeige, dass die Anzahl der Wale mindestens stabil ist, womöglich aber sogar steigt. Außerdem lasse sich aus den Daten ablesen, dass die Tiere im Sommer sowohl rund um die Antarktis als auch in der Subantarktis verbreitet sind. Insgesamt verbringen die Riesen der Ozeane rund sechs Monate im Jahr in der Nähe des Kontinents aus Eis, während sie die restliche Zeit weltweit unterwegs sind – in Richtung Norden nach Australien, aber auch bis nach Südafrika, Südamerika und sogar über den Äquator hinweg.

Jede Sonoboje verfügt dabei über ein sogenanntes Hydrophon, das den Ton über eine UKW-Funkverbindung in Echtzeit an das Schiff zurücksendet. Sobald Blauwalrufe erkannt werden, kann das Team den Weg zu den Walen bestimmen und dann weitere Instrumente einsetzen, um eine genaue Position zu ermitteln. „In den vergangenen 20 Jahren haben wir unsere Fähigkeit, diese Tiere akustisch zu lokalisieren und zu finden, wirklich verbessert“, sagte Miller. Inzwischen könnten sie die exakte Position herausfinden, sich mit ihrem Schiff in Richtung der Tiere aufmachen und sie letztendlich beobachten, fotografieren und sogar kleine Biopsien ihrer Haut und ihres Specks für weitere Untersuchungen entnehmen.

Mit der Studie hofft der Wissenschaftler, den Schutz dieser Tiere weiter ausbauen zu können. Außerdem will er die Bemühungen der Internationalen Walfangkommission unterstützen und mit den Datensätzen auch „ein Sprungbrett“ für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten über die Tiere schaffen. „In jedem Fall ist der Datensatz einzigartig“, betont auch der deutsche Walforscher Olaf Meynecke von der Griffith University in Australien, der nicht an der Studie beteiligt war.

Die Ergebnisse ließen darauf schließen lassen, dass die Blauwale in vielen Gebieten vorkommen und mit einer gewissen Konstanz. Allerdings könne man nach wie vor nicht bestimmen, wie groß die Population der Blauwale genau sei. „Dafür eignen sich die Sonobojen nicht“, sagt er.

so lang wie zwei Busse hintereinander werden die Blauwale als größte Säugetiere der Erde.
so lang wie zwei Busse hintereinander werden die Blauwale als größte Säugetiere der Erde.
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