Werbung nur für Biowein
Winzer schreiben Wutbrief an Minister Rainer
Berlin. Die Winzer sind wütend auf Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU). Am Samstag berichtete die RHEINPFALZ, dass die von der Bundesregierung groß angekündigten Fördermittel für eine „Informationsoffensive Wein“ (eine Million Euro) nur zum Bewerben von alkoholfreiem und ökologischem Wein verwendet werden dürfen. Jetzt hat der Verein „Landwirtschaft verbindet Rheinland-Pfalz“ einen Protestbrief veröffentlicht.
„Deutscher Wein besteht nicht nur aus zwei politisch gut klingenden Marktsegmenten“, heißt es in dem Brief. „Er besteht aus Tausenden Betrieben, Generationen von Familienarbeit, regionaler Identität und einer Vielfalt, die man nicht einfach aus einer Förderkampagne herauskürzen kann.“
Der Weinkrise mit einer Kampagne für alkoholfreien und Biowein entgegenwirken zu wollen, sei ungefähr so, „als wolle man die deutsche Autoindustrie retten, indem man ausschließlich E-Roller und Fahrradklingeln bewirbt“. Man frage sich: „War das wirklich als Hilfe für die Weinbranche gedacht — oder eher als Teilnahme an einem politischen Ideenwettbewerb mit dem Motto: Wie entfremde ich möglichst viele Winzer in nur einem Förderschritt?“
Winzer fordern Gespräch mit der ganzen Branche
Aus dem Brief lässt sich ehrlicher Frust ablesen. In den Weinbergen stünden Menschen, „die sich seit Jahren durch Frost, Trockenheit, Bürokratie, Mindestlohn, Energiekosten, Absatzprobleme und sinkenden Konsum kämpfen“, heißt es da. „Familienbetriebe, die klassische deutsche Weine erzeugen und nun erfahren dürfen, dass sie offenbar nicht modern genug sind, um Teil einer nationalen Kampagne zu sein.“
Der Unterzeichner des Briefes, Vereinsvorstand und Winzer Thilo Ruzycki (Rheinhessen), fordert den Landwirtschaftsminister „ausdrücklich auf, endlich das Gespräch mit der gesamten Branche zu suchen“.