Weinkrise RHEINPFALZ Plus Artikel Kampagne nur für bio und alkoholfrei

Soll bald beworben werden: deutscher Wein.
Soll bald beworben werden: deutscher Wein.

Der Bund fördert eine Informationsoffensive für deutschen Wein – allerdings nur, wenn er „entalkoholisiert“ oder „ökologisch angebaut“ ist.

Es war die griffigste Maßnahme, die der Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) nach dem Weingipfel im Herbst der Öffentlichkeit vorstellte: Eine Million Euro für eine „Informationsoffensive Wein“ wollte Rainer bereitstellen, damit endlich mehr deutscher und weniger ausländischer Wein getrunken wird. Wie die RHEINPFALZ exklusiv erfuhr, hat sein Ministerium jetzt die entsprechenden Zuwendungsbescheide an das deutsche Weininstitut übergeben – und sie auf Kampagnen für alkoholfreien und Biowein beschränkt.

„Der Weinbau in Deutschland ist ein Stück Heimat: Er prägt die Landschaft vieler Regionen, ist identitätsbildend und nicht zuletzt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagte Rainer der RHEINPFALZ. „Mit unserer Unterstützung für die Informationsoffensive kann die Branche zeigen, wie hochwertig und innovativ deutscher Wein ist.“

Vergleichsweise wenig Geld

In seiner ursprünglichen Ankündigung im Herbst sprach Rainer sogar von einer „Informationsoffensive, die den deutschen Wein als Botschafter für Qualität, Vielfalt und Innovation in Deutschland und weltweit stärken soll“. Insider hatten sich damals gefragt, wie das mit einer Million Euro zu stemmen sein soll. Denn die Summe klingt zwar nach viel, liegt aber deutlich unter den Budgets der freien Wirtschaft. Zum (nicht ganz fairen) Vergleich: Die großen Kampagnen der Bundesregierung während der Corona- oder Energiekrise haben um die 30 Millionen Euro gekostet.

Hilfreich ist da vielleicht die Beschränkung auf „entalkoholisierten“ und „ökologisch erzeugten“ Wein (500.000 Euro für jedes Produkt). Eine Kampagne für konventionellen Wein ist vom Bund nicht vorgesehen. In der Branche hat das für die eine oder andere hochgezogene Augenbraue gesorgt. Alkoholfreier Wein hat einen Marktanteil von zwei Prozent, Biowein einen von drei Prozent. Es gibt durchaus Zweifel, ob sich die Weinkrise mit einer Kampagne für zwei Nischenprodukte abmildern lässt.

„Noch viel Luft nach oben“

Doch Rainer lässt keinen Zweifel daran, dass er ein größeres Problem adressiert. „Nur gut 40 Prozent der in Deutschland getrunkenen Weine stammen auch von hier“, so Rainer. „In so manchem Nachbarland liegt die Quote doppelt hoch. Hier ist noch viel Luft nach oben.“

Die Kampagne soll vom Deutschen Weininstitut ausgeschrieben werden. Und auch für den Fall, dass sie nicht den gewünschten Effekt hat, hat Rainer vorgesorgt. Wie die RHEINPFALZ berichtete, bat er EU-Kommissar Christophe Hansen, einen Verordnungsvorschlag für eine außergewöhnliche Krisendestillation vorzubereiten. Dann könnte aus überschüssigem Wein Industriealkohol hergestellt werden.

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