Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Vulcan Energy: 2,2 Milliarden Euro für Unternehmensfinanzierung

Vulcan Energy stellt in seiner Lithiumelektrolyse-Optimierungsanlage im Industriepark in Frankfurt-Höchst batterietaugliches Lit
Vulcan Energy stellt in seiner Lithiumelektrolyse-Optimierungsanlage im Industriepark in Frankfurt-Höchst batterietaugliches Lithium her. Das Vorprodukt kommt per Tankwagen aus Landau.

Es geht um Lithium und Erdwärme aus den Tiefen der Vorderpfalz: Die Karlsruher Vulcan Energy finanziert mit 2,2 Milliarden Euro seine erste wesentliche Projektphase.

Wie Vulcan Energy am Mittwoch mitteilte, kommt das Geld von und deutschen Regierungsbehörden, führenden Geschäftsbanken und strategischen Industriepartnern. Das Vulcan-Projekt namens Lionheart zielt darauf ab, jährlich bis zu 24.000 Tonnen Lithiumhydroxidmonohydrat zu produzieren. Lithium ist das wichtigste Metall in Batterien für Elektrofahrzeuge und damit ein kritischer Rohstoff für die Elektromobilität.

Das Lithium kommt in heißem Tiefenwasser in etwa 3,6 Kilometern Tiefe im Oberrheingraben vor. Die von Vulcan angepeilte Produktionsmenge würde nach Angaben des Unternehmens für die Herstellung von etwa 500.000 Elektrofahrzeugen pro Jahr ausreichen. Darüber hinaus sollen mit Lionheart jährlich bis zu 560 GWh (Gigawattstunden) erneuerbare Wärme und bis zu 275 GWh Strom für die Energieversorgung lokaler Verbraucher in der Region Landau bereitgestellt werden.

Meilenstein für Vulcan

Dafür werden zwei kommerzielle Produktionsanlagen erreichtet: eine kombinierte Geothermie- und Lithiumextraktionsanlage zur Gewinnung von Lithium und erneuerbarer Energie in Landau sowie eine zentrale Lithiumanlage zur Weiterverarbeitung des Lithiums in Frankfurt-Höchst. Zudem soll es weitere tiefengeothermische Bohrungen in der Region Landau geben. Nachdem nun die Finanzierung der Projektphase Lionheart gesichert sei, werde mit dem Bau der beiden kommerziellen Anlagen in den kommenden Tagen begonnen, teilte Vulcan mit. Vulcan-Chef Cris Moreno sagte, die Sicherung der Finanzierung sei ein bedeutender Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Sie ermögliche es Vulcan nun „endgültig, von der Phase der Entwicklung in die Projektumsetzung überzugehen“.

Ein Teil des Finanzierungspakets von 2,2 Milliarden Euro kommt aus dem Rohstofffonds der KfW. Die Bundesregierung hat diesen Fonds Anfang 2024 aufgelegt. Die 150 Millionen Euro die nun daraus an Vulcan fließen sind nach Angaben des Unternehmens die erste Investition seit Gründung des Fonds. Das unterstreiche die strategische Bedeutung des Lionheart-Projekts für die Energie- und Rohstoffsicherheit in Deutschland und Europa, teilte Vulcan Energy mit. Von Bund und Ländern kommen weitere Fördermittel in Höhe von 204 Millionen Euro. 100 Millionen Euro stammen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz zur Förderung des geothermischen Teils des Projekts, während weitere 104 Millionen Euro für den Aufbau der kommerziellen Lithiumanlagen von der Bundesregierung sowie den Ländern Rheinland-Pfalz und Hessen bereitgestellt wurden.

Darüber hinaus stammen nach Angaben von Vulcan 1,185 Milliarden Euro von einem Konsortium aus 13 Finanzpartnern, darunter die Europäischen Investitionsbank mit einer Investition von 250 Millionen Euro, fünf internationale Exportkreditagenturen sowie sieben führende Geschäftsbanken. Die Industriepartner Hochtief, Siemens Financial Services und Demeter unterstützen das Projekt mit einer Investitionssumme von zusammen 133 Millionen Euro. Das Gesamtfinanzierungspaket wird durch Eigenkapital von Vulcan in Höhe von 528 Millionen Euro ergänzt, das durch Ausgabe neuer Aktien eingesammelt wurde. 130 Millionen davon entfallen auf eine strategische Beteiligung des Baukonzerns Hochtief. Der übernimmt mit Sedgman, einem australischen Anbieter von Lösungen für die Mineralienverarbeitung, die Planung, Beschaffung und das Projektmanagement für der Bau der Lithiumextraktionsanlage in Landau und der Lithiumanlage in Frankfurt-Höchst.

Das an der australischen und Frankfurter Börse notierte Unternehmen mit Sitz in Perth und Karlsruhe zählt mehr als 370 Mitarbeiter und will bis 2027/28 rund 700 Menschen beschäftigen. Vulcan Energy rechnet am Ende der ersten Phase des Geschäftsausbaus mit einem Jahresumsatz von mehr als 700 Millionen Euro.

Wärmeprojekt mit BASF

Vulcan, der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF, die Städte Ludwigshafen und Frankenthal, die kommunalen Energieversorger Technische Werke Ludwigshafen (TWL) und Stadtwerke Frankenthal haben im November 2024 ein gemeinsames Erdwärme-Projekt angestoßen, das aber nicht zum Lionheart-Projekt gehört und seine Endphase Anfang der 2030er-Jahre erreichen soll.

Die BASF möchte aus der bereitgestellten Erdwärme mittels Wärmepumpen CO2-frei Dampf erzeugen, ein unverzichtbarer Energieträger für die Chemieproduktion im Stammwerk. In Ludwigshafen und Frankenthal könnten zudem bis zu 15.000 Haushalte mit klimaneutraler Fernwärme versorgt werden. Vulcan prüft mit der BASF den Bau einer Lithiumextraktionsanlage im Stammwerk. Die begonnene geologische Erkundung des Untergrund in der nördlichen Vorderpfalz steht aber derzeit auf unbestimmte Zeit still. Als wesentlicher Grund dafür gelten unsichere Prognosen über die Höhe der Förderung durch den Bund. Ein Antrag sei gestellt. Mit einer belastbaren Antwort rechnen die Projektträger aber frühestens im Sommer 2026.

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