Rheinzabern
Wenn das Theater einen „Hausbesuch“ macht
In den zurückliegenden Monaten wagten zwei Theater- und Gartenfreunde einen kulturellen „Seitenwechsel“, schlüpften in eine unbekannte Rolle, starteten eine Art Selbstversuch. Denn Barbara und Jürgen Eichenlaub erlebten am letzten Sonntag im Mai nicht einfach als normale Gäste eine Theater-Lesung des Chawwerusch-Theaters, nein, sie richteten das Sommer-Spektakel selbst als Veranstalter direkt in ihrem privaten Garten in Rheinzabern aus.
Das Abenteuer begann schon ein Jahr vorher, im Frühjahr 2025, kurz nach der Premiere des Stückes „Etwas im Busch“ mit den Schauspielerinnen Felix S. Felix und Claudia Olma. Das als „paradiesische Gartenlesung“ beschriebene Stück unter der Regie von Walter Menzlaw ist als Freiluft-Aufführung konzipiert. Es ist nicht an einer festen Spielstätte zu sehen, sondern tourt durch private Gärten. Während eines ihrer regelmäßigen Theaterbesuche entdeckten die Eichenlaubs den Aufruf und die Suche des Chawwerusch-Theaters nach „bespielbaren“ privaten Gärten.
Von der Idee zur Vorbesichtigung
Bei Barbara Eichenlaub wurde damit ein kleiner Same im Kopf gesät. Sie hegt und pflegt einen rund ums Jahr blühenden Garten mit einem Rasen, auf dem auch Gänseblümchen wachsen dürfen, und zu dem auch ein Natur-Pool gehört. „Mensch, die Holzplattform an unserem kleinen Schwimmteich wäre doch perfekt als kleinste Seebühne der Südpfalz, fast so wie die Seebühne in Bregenz“, schwärmte sie ihrem Ehemann vor. Dieser machte sich so seine Gedanken über den auf den ersten Blick schon etwas schrägen Vorschlag. Da er jedoch weiß, wie seine Frau für ihren Garten brennt, willigte er schließlich ein, Kontakt mit dem Herxheimer Theaterkollektiv aufzunehmen.
Es folgte noch im Frühjahr ein Besuch des Paares bei einer Vorstellung in Kleinfischlingen. Die schlichtweg begeisterte. Im August besuchte dann Felix S. Felix die Gartenbesitzer Zuhause. Mit Profiblick prüfte sie, ob der Garten in das Konzept des Stückes passen würde, ob er genug Platz für mindestens 60 Gäste bieten und ob der Holzsteg als Bühne taugen würde. „Es war schon lustig“, erinnert sich die Gartenbesitzerin, „als Felix mit großen Schritten die Wiese abmarschierte und jeden Schritt als potentiellen Sitzplatz zählte. Zum Glück sah es gut aus, nur die Seebühne, diese Idee konnte nicht umgesetzt werden.“ Die Fläche war dann doch zu klein, die Zu- und Abgänge zu den einzelnen Szenen zu kompliziert. Aber die beiden Frauen wurden sich einig, der Termin für Ende Mai im nächsten Jahr festgelegt, bald darauf der Vertrag unterschrieben. Dann ging es erst einmal in die Winterruhe.
Bei Vorbereitung viele Fragen aufgeworfen
Kurz nach Silvester wurde Barbara Eichenlaub zum ersten Mal etwas unruhig. Sie fragte sich, was wäre, wenn nicht genug Zuschauer kommen würden, also kräftig die Werbetrommel rühren. Woher würden sie genug Sitzbänke bekommen, woher Stehtische für die Pausenbewirtung, was sollte in der Pause denn überhaupt angeboten werden. Wein oder Sekt und Laugenteilchen? Oder Kaffee und Kuchen? Das gab tatsächlich Stoff für Diskussionen, doch schließlich wurde sich geeinigt im Hause Eichenlaub. Gegen die anhaltende innere Unruhe halfen Listen. Eine klassische To-Do-Liste, ein großer E-Mail-Verteiler, eine Liste für Plätze, wo Plakate gehängt werden könnten, eine Helferliste? Nein, die brauchte es nicht. Denn viele Menschen, denen das Paar von ihrem Gartentheater-Projekt erzählte, boten sofort Hilfe an. Seien es Sitzbänke vom örtlichen Museum, Stehtische vom Nachbarn, der einen Supermarkt betreibt, Kuchenbäckerinnen und richtig gute Kümmerer während des Ausschanks – motivierte Helfer gab es zum Glück genug.
Kurz vor Ostern kam ein Paket aus Herxheim an, gefüllt mit Eintrittskarten und einer dicken Rolle „neutraler“ Plakate. Sie wurden um die genauen Daten ergänzt, dann ging es ans Verteilen. Barbara Eichenlaub richtete eine spezielle E-Mail-Adresse nur für diesen Anlass ein, die weniger als gedacht genutzt wurde. Am liebsten meldeten sich Karten-Besteller per WhatsApp oder riefen an. Wochenlang dümpelte der Vorverkauf so vor sich hin, was eigentlich klar war. Denn wer will Karten fürs Theater, das bei schlechtem Wetter nicht stattfindet. Denn einen Plan B, also eine Halle, gab es nicht. Das Wetter musste einfach mitspielen.
Hilfe von Geschäftsmann, Wetter macht Sorgen
Die ersten Kisten an Softgetränken wurden in der Garage gelagert, bald kamen noch reichlich Kartons mit zwei Sorten pfälzischen Weins dazu. Laugengebäck-Teilchen wurden kurz vorher bei einer Landbäckerei bestellt, und sich Gedanken über passende Deko gemacht. Da halfen die Bellheimer Gartentage, die eine Woche vorher stattfanden. Deren Chef bot spontan an, einen Teil der Dekoration als Leihgabe einfach nach Rheinzabern zu bringen. Die geschmückten Äste sahen richtig gut im Garten aus. Zwei Wochen vor dem Spektakel, als die Wetter-Apps schon etwas zuverlässiger zuerst einmal schönes Wetter vorhersagten, zog auch endlich der Vorverkauf an, die 60-Personen-Marke wurde überschritten. Der Garten war vorzeigbar, alles schien gut zu laufen, die Abschlussrede geschrieben. Dann rückte tatsächlich nach vielen Sommertagen eine Schlecht-Wetterfront heran, die Wetterfrage immer mehr ins Zentrum aller Gedanken. An ruhigen Schlaf war in der Nacht vor Sonntag nicht zu denken. Würden die Bänke, der Bewirtungs-Pavillon und alles Drumherum umsonst aufgebaut worden sein?
Der frühmorgendliche Himmel sah noch gut aus. Zweieineinhalb Stunden vor Vorstellungsbeginn kamen Felix S. Felix und Claudia Olma mit ihrem Chawwerusch-Mobil an. Gemeinsam wurde ausgeladen, die beiden Schauspielerinnen bauten routiniert ihre mobilen Bühnen-Requisiten auf, angepasst an den Veranstaltungsort. Danach probten sie mehrere Szenen in der ungewohnten Umgebung, unter den neugierigen Augen der ersten Helfer. Und zogen sich in den „Backstage-Bereich“ zurück.
Ein Beispiel, das Schule machen könnte
Pünktlich um 11 Uhr startete das Stück. Immer wieder wanderte der Blick zum Himmel, an dem Wolken aufzogen, doch noch in der Pause war eher Schatten gefragt. Aber dann. zehn Minuten vor Ende des Stückes, war der erste Donner zu hören. Es folgten bange Minuten, doch das Wetter hielt durch. Nach dem Schlussapplaus wurde in Rekordzeit alles Empfindliche ins Trockene geschafft, das Auto komplett wieder beladen, dann setzte Sintflut-artiger Regen ein. Upps, das ist mit unglaublich viel Glück noch einmal gut gegangen, dachten nicht nur Barbara und Jürgen Eichenlaub beim anschließenden Helfer-Essen in großer Runde.
Und das Fazit? Es war ein tolles, aufregendes Erlebnis und ein besonderes Gefühl, ein professionelles Theater im eigenen Garten zu haben. Dazu viele nette Gäste, die zum tollen Flair des Sommertheaters beitrugen und die Atmosphäre sichtlich genossen, erklärte das Gastgeber-Paar am Ende. Einige Besucher überlegen sogar, das Theater auch in ihren eigenen Garten zu holen, was Felix S. Felix natürlich freut. So wird der Same einfach von Garten zu Garten weitergetragen.