Pfälzer Wirtschaft
So reagieren BASF, Daimler Truck und KSB auf Trumps Zoll-Hammer
US-Präsident Donald Trump macht Ernst. Als Erstes treffen seine neuen Zölle importierte Autos. Die deutschen Hersteller legen erste Maßnahmen auf. Die angekündigten Autozölle sind jetzt in Kraft, es gelten nun 25 Prozent auf in die USA importierte Autos. Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet mit großen Belastungen für die Branche und steigenden Preisen, zunächst in den USA. Die Folgen der 25-Prozent-Zölle seien aber noch schwer einzuschätzen. „Klar ist allerdings schon jetzt, dass diese Entwicklung weltweit negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben wird. Das wird auch Arbeitsplätze betreffen“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.
11 Prozent der Exporte in USA
VW stoppte laut „Wall Street Journal“ vorübergehend die Auslieferung von Fahrzeugen aus Mexiko in die USA und hält Importe aus Europa vorerst in den Häfen zurück. Zudem wolle VW auf Fahrzeuge, die unter die neuen Zölle fallen, künftig eine „Importgebühr“ ausweisen. Als erster Hersteller hat Ferrari in den USA die Preise bereits erhöht – um 10 Prozent.
Von einer „verheerenden Entscheidung“ sprach die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP). Die angekündigten weiteren Zölle von pauschal 20 Prozent auf Ausfuhren aus der EU bedrohten „weite Teile der exportorientierten Wirtschaft in Rheinland-Pfalz“. Nach Ansicht von Karsten Tacke, Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz, werden viele Schlüsselindustrien im Land von Trumps weiteren Zollplänen direkt betroffen. Das gelte insbesondere für die Fahrzeugindustrie, den Maschinenbau sowie für pharmazeutische und chemische Erzeugnisse.
Tacke wies darauf hin, dass die USA für rheinland-pfälzische Unternehmen ein sehr wichtiger Handelspartner seien. Ungefähr 11 Prozent aller Exporte aus Rheinland-Pfalz gehen in die USA. Der Warenaustausch habe ein Volumen von 8,7 Milliarden Euro, 6,1 Milliarden Euro entfielen auf Exporte aus Rheinland-Pfalz in die USA.
„Zölle schaden Verbrauchern, auf allen Seiten“, betonte Tacke. Deshalb müsse Europa auf eine weltoffene Handelspolitik hinwirken. Mahnende Worte richtete Tacke an die künftige Bundesregierung. Bei den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD müsse nun die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft an erster Stelle stehen, forderte Tacke. „Wir können uns keine weiteren Belastungen mehr leisten.“
„Die neuen US-Zölle sind ein herber Schlag für Wirtschaft und Verbraucher auf beiden Seiten des Atlantiks. Die USA verabschieden sich von der Idee des Freihandels und seinen nachweislichen Vorteilen“, sagte Tibor Müller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für die Pfalz.
Auch Müller hob die wirtschaftliche Bedeutung der USA für Rheinland-Pfalz hervor. Diese seien für die Wirtschaft im Bundesland ein Schlüsselmarkt. „Die USA rangieren im Ranking der Ausfuhren auf Platz zwei, unmittelbar hinter unserem Nachbarland Frankreich“, betonte Müller. „Auch für unsere Winzer gelten die USA“ als wichtiges Exportziel.
„Verhandlungsmacht nutzen“
Allein in der Pfalz stehen nach Schätzung der IHK 2000 Unternehmen in Geschäftsbeziehungen mit den USA. „Die neuen US-Zölle können nun dazu führen, dass das Geschäft mit den USA für viele Unternehmen unwirtschaftlich wird“, sagte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer. „Die EU ist einer der größten Wirtschaftsräume der Welt. Diese Verhandlungsmacht muss jetzt genutzt werden um mittelfristig wieder freien Handel zu ermöglichen.“
Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF teilte mit, es sei noch zu früh, um die Auswirkungen der von der US-Regierung angekündigten Zollsätze auf das eigene Geschäft und die eigenen Märkte umfassend zu beurteilen. Aufgrund der Komplexität der globalen Handelsströme werde dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Dennoch dürften die direkten Auswirkungen auf die BASF begrenzt sein, so äußerte sich der Konzern weiter, weil ein hoher Anteil der Produktion bereits in den USA stattfinde. Die Produktion vor Ort sei für die BASF-Strategie in den USA von entscheidender Bedeutung: Mehr als 80 Prozent des eigenen Umsatzes 2024 in den USA stammten aus lokal hergestellten Produkten. Die BASF werde sorgfältig beobachten, ob andere Länder zusätzliche Vergeltungszölle oder andere Maßnahmen ergreifen werden und wie sich die Zollpolitik der USA weiterentwickele. Ende Februar hatte BASF-Chef Markus Kamieth auf eine Frage zu drohenden Zöllen in den USA geantwortet: Die BASF gehöre zu den größten Chemieunternehmen in den USA. Wenn es die Chemieindustrie treffe, dann treffe es die BASF am wenigsten.
Von Daimler Truck, das im südpfälzischen Wörth das weltweit größte Lkw-Werk betreibt, heißt es: „Als globales Unternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern weltweit und etwa 18.000 in den USA sind wir auf einen verlässlichen politischen Rahmen angewiesen.“ Der unterstütze die Schaffung von Wohlstand, Beschäftigung und Wachstum. Man beobachte aktuelle Entwicklungen genau. Zölle wirkten sich „natürlich auf das internationale Geschäft aus“. Als globales Unternehmen begrüße Daimler Truck Handelsabkommen und fördere den freien und fairen Handel. In den USA hat Daimler Truck North America verschiedene Standorte in den Bundesstaaten Oregon, Michigan, North Carolina und South Carolina. Zudem verfügt Daimler Truck North America auch über zwei Produktionswerke in Mexiko.
„Globalisierung vorbei“
Stephan Timmermann, Sprecher der Geschäftsleitung des Frankenthaler Pumpenherstellers KSB, hat es schon vorige Woche gesagt anlässlich der Bilanzvorlage seines international tätigen Konzerns mit weltweit rund 16.400 Mitarbeitern: „Die Zeit der Globalisierung ist vorbei.“ Das sagte er angesichts der Entwicklung mit Trumps Zöllen und anderen weltwirtschaftlichen Hemmnissen für den Austausch von Waren und Dienstleistungen. Damit meint Timmermann, dass es für viele Unternehmen immer wichtiger werde, lokal zu produzieren. Das heißt am Beispiel USA: In den USA für den amerikanischen Markt zu fertigen. Weil beim Bau von Fabriken etwa in den USA auch Pumpen, wie sie KSB herstellt, gebraucht werden, ist Timmermann unterm Strich optimistisch. Was Trumps Zollpaket für KSB bedeute, müsse man in Ruhe bewerten, sagte eine Sprecherin. Von KSB gehen nur 1,5 Prozent der Exporte in die USA, davon entfällt der weitaus größte Teil nach Angaben der Sprecherin auf Wasserpumpen aus dem KSB-Werk in Halle an der Saale. Einen vergleichsweise geringen Anteil machen demzufolge Energiepumpen aus Frankenthal aus. Für den US-Markt wichtige Bergbaupumpen fertigt KSB vor Ort in den USA, exportiert diese also nicht dorthin – dann greifen Trumps Importzölle nicht.
Kommentar: Düstere Aussichten für die Weltwirtschaft