Bahnverkehr RHEINPFALZ Plus Artikel Südpfälzer Bahnausbau-Projekt kommt voran

Die Bahnstrecke zwischen Kandel und Wörth durch den Bienwald ist für die Züge von Neustadt über Landau nach Karlsruhe ein eingle
Die Bahnstrecke zwischen Kandel und Wörth durch den Bienwald ist für die Züge von Neustadt über Landau nach Karlsruhe ein eingleisiger Engpass. Nun ist ein zweigleisiger Ausbau ein gutes Stück nähergerückt.

Das eingleisige Nadelöhr zwischen Winden und Wörth ist seit Jahrzehnten ein Ärgernis im Bahnverkehr. Nun gibt es erstmals eine Perspektive für Besserung in absehbarer Zeit.

Auf dem verkehrspolitischen Wunschzettel der Pfalz steht seit langer Zeit die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Neustadt über Landau nach Wörth und der zweigleisige Ausbau des Abschnitts zwischen Winden und Wörth. Mehrere Anläufe für eine solch große Lösung sind im Sande verlaufen. Einen ersten wichtigen Fortschritt soll noch in diesem Jahr der Einsatz neuer Akku-Hybrid-Triebwagen statt der bisher eingesetzten Dieselfahrzeuge bringen.

Nun zeichnet sich auch für das Nadelöhr zwischen Winden und Wörth ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ab. Bei der Versammlung des für den öffentlichen Personennahverkehr im südlichen Rheinland-Pfalz zuständigen Zweckverbands am Donnerstag in Worms wurden die Ergebnisse einer neuen Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) vorgestellt. Ein positives NKU-Ergebnis gab es zwar nicht für einen zweigleisigen Ausbau der kompletten Lücke, aber immerhin für den Abschnitt zwischen Kandel und Wörth. Bei einer solchen Untersuchung muss ein Projekt einen Wert über 1 erreichen, um förderfähig zu sein. Mehrere Varianten für den Abschnitt Winden–Wörth kamen nur auf Werte zwischen 0,4 und 0,6, das zweite Gleis im Abschnitt von Kandel nach Wörth dagegen auf rund 1,4 – und zwar in zwei Varianten mit einem zusätzlichen Stundentakt-Zug zwischen Karlsruhe und Landau entweder ganztägig oder nur zur Hauptverkehrszeit. Derzeit fahren auf dem Abschnitt jeweils stündlich der Regional-Express RE6 von Karlsruhe nach Neustadt (und teilweise weiter nach Kaiserslautern) und die Regionalbahn RB 51 von Karlsruhe nach Neustadt.

Seefeldt: Keine weitere Zeit verlieren

Bei dem positiven Ergebnis spielte eine wichtige Rolle, dass auch Effekte auf die Pünktlichkeit berücksichtigt wurden, die derzeit oft unter dem eingleisigen Abschnitt leidet. Die Verbandsversammlung beschloss daraufhin, das Planungsverfahren durch einen Auftrag für die Vorentwurfsplanung voranzutreiben. Verbandsvorsteher Dietmar Seefeldt (CDU), Landrat des Kreises Südliche Weinstraße, sagte dazu, es gelte, keine weitere Zeit zu verlieren. Vor einer Umsetzung des Vorhabens stehen allerdings noch diverse weitere Schritte und vor allem deren Finanzierung.

Ähnliches gilt für ein weiteres Projekt, für das die Versammlung den gleichen Beschluss fasste: nämlich den Ausbau der Bahnstrecke von Mainz nach Alzey, über die heute stündlich auch ein Zug von Kirchheimbolanden in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt fährt. Untersucht wurden dabei zwei Varianten. Eine Variante mit Vollelektrifizierung der Strecke verfehlte wegen der hohen Kosten den erforderlichen Wert. Erreicht wurde ein Wert von 1,47 dagegen von der Variante, die den Einsatz von Akku-Hybrid-Triebwagen und eine Leitungselektrifizierung lediglich auf dem zweigleisigen Abschnitt zwischen Armsheim und Alzey vorsieht, der auch von den Zügen der Regionalbahn-Linie von Bingen über Alzey nach Worms befahren wird. Eine deutliche Fahrzeitverkürzung, die für zusätzliche Fahrgäste sorgt, ergibt sich vor allem durch einen zweigleisigen Ausbau zwischen Mainz-Gonsenheim und dem Tunnel bei Klein-Winternheim.

Resolution gegen Bahn-Totalsperrung

Einstimmig beschlossen wurde von der Versammlung auch eine Resolution gegen die geplante monatelange Totalsperrung der Pfälzer Ost-West-Hauptstrecke in den Jahren 2028 und 2029. Gefordert wird insbesondere, eine Sperrung während der Landesgartenschau in Neustadt unbedingt zu vermeiden.

Wosnitza erneut zu Seefeldts Vize gewählt

Erneut zum Stellvertreter von Dietmar Seefeldt an der Spitze des Zweckverbands gewählt wurde in Worms einstimmig der kürzlich wiedergewählte Oberbürgermeister von Zweibrücken, Marold Wosnitza (SPD).

Staatssekretär aus Bad Dürkheim

Als Vertreter der Landesregierung nahm an der Versammlung erstmals Staatssekretär Markus Wolf (CDU) teil, der im Innenministerium nun für den Verkehr zuständig ist. Das Thema Mobilität (mit dem öffentlichen Nahverkehr) wanderte vom bisher von den Grünen geführten Umweltministerium ins nun CDU-geführte Innenministerium. Dort war das Thema auch schon von 2011 bis 2016 angesiedelt – damals unter SPD-Führung. Seefeldt sagte, dass man mit der Präsenz des Nahverkehrs im schwarz-roten Koalitionsvertrag recht zufrieden sein könne und betonte die Relevanz des Schienenverkehrs gerade in der aktuellen weltpolitischen Lage, die die Ölversorgung problematisch erscheinen lasse.

Wolf betonte ebenfalls die Bedeutung eines attraktiven Schienenverkehrs, sprach allerdings von „vielen Herausforderungen“, was die Finanzierung angehe und nannte vor allem das Thema Trassenpreise.

Um sein Interesse am Nahverkehr zu dokumentieren, verwies er darauf, dass er fünf Jahre lang Sprecher seiner Fraktion im zuständigen Ausschuss war und seit 22 Jahren dem Kreistag Bad Dürkheim angehöre. Der Kreis Bad Dürkheim gilt in der Tat seit Jahrzehnten als Pionier beim regionalen Schienenverkehr und speziell bei der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken.

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Eckhard Buddruss ist der Bahn-Experte der RHEINPFALZ. In seinem kostenlosen Newsletter informiert er Sie alle zwei Wochen über Investitionen, Entwicklungen und Abseitiges bei der Deutschen Bahn und im öffentlichen Nahverkehr der Pfalz. Für alle, die wissen wollen, wie es mit dem Zugverkehr in der Region weiter geht.

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