Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Krebserregendes Benzol im Gas: Wie ist die Lage in den Gasleitungen der Pfalz?

In Gas, das auch in deutschen Gasanschlüssen ankommt, soll laut einer Studie die Benzolkonzentration zu hoch sein.
In Gas, das auch in deutschen Gasanschlüssen ankommt, soll laut einer Studie die Benzolkonzentration zu hoch sein.

Einer US-Studie zufolge ist giftiges Benzol in europäischen Gaslieferungen enthalten. Sind Deutschland und die Pfalz betroffen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus den USA sorgt für Aufruhr bei europäischen Gasverbrauchern. Denn die Benzol-Belastung im Gas soll zu hoch sein. Forschende haben ihre Erkenntnisse nun veröffentlicht. Auch der „Spiegel“ hat darüber berichtet. Benzol ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO krebserregend. Bisher ist in der Studie vor allem die Rede von europäischen Städten. Wie ist die Lange in Deutschland und der Pfalz? Die RHEINPFALZ hat bei Gasunternehmen nachgefragt.

Was ist Benzol und wo tritt es auf?
Benzol ist laut Umweltbundesamt eine „organische, chemische Verbindung mit einem aromatischen Geruch“. Die Kohlenwasserstoffverbindung wird in der Chemieindustrie genutzt und kommt natürlich in Erdöl und Erdgas vor. Auch Verunreinigungen in Flüssigkeiten oder Lebensmitteln sind möglich. Dem Umweltministerium Rheinland-Pfalz zufolge sind die Hauptemissionsquellen für Benzol Kraftfahrzeugemissionen, Verdunstungen aus Benzintanks, die Verteilung über Erdgasnetze sowie bestimmte industrielle Produktions- und Verbrennungsprozesse.

Wieso ist Benzol gefährlich?
Zahlreiche Organisationen warnen vor dem Stoff: Benzol kann unter anderem das Knochenmark schädigen und das Risiko für Leukämie steigern. Hohe kurzfristige Belastungen führen zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder einer Reizung der Atemwege.

Was wurde in der Studie festgestellt?
Die US-Forscher der Universität Stanford und des Forschungsinstituts PSE Health Energy haben herausgefunden, dass die Benzolbelastung in mehreren europäischen Städten höher ist – bis zu 73 Mal – als in den Vergleichsproben aus den USA. Dazu wurden Leckagen festgestellt, durch die Menschen länger Benzol ausgesetzt waren. „Die Benzolwerte, die wir im Gasverteilungssystem in Großbritannien und den Niederlanden gefunden haben, sind schlichtweg besorgniserregend“, betont PSE-Direktor Seth Shonko.

Was ist das Problem bei Benzol im Alltag, beispielsweise beim Kochen oder Heizen?
Die hohe Toxizität von Benzol und die krankheitserregende Wirkung ist vor allem in Innenräumen ein Problem. Gasherde können beispielsweise bei unvollständiger Verbrennung Benzol freisetzen, außerdem können Leckagen an Gasanlagen gefährlich sein. „Auch im Tabakrauch lassen sich zum Teil hohe Benzolkonzentrationen feststellen“, heißt es schriftlich aus dem Umweltministerium. Das Land ermittelt an 20 Messstellen die Belastung. Die Grenzwerte würden eingehalten, die Messwerte würden „seit Jahren fallen“, betont das Ministerium.

Sind auch deutsche Gaslieferungen betroffen?
Davon ist auszugehen, denn Deutschland bezieht Gas aus der Nordsee und aus den Niederlanden – eben jenes Gas, welches in der Studie kritisch angesprochen wird. Das meiste Gas erhält Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur aus Norwegen. Gas wird über die Netzbetreiber, unter anderem Creos, geliefert. Die Kunden beziehen dieses über Unternehmen, wie beispielsweise Thüga oder der Pfalzwerke-Tochter Pfalzgas, die auch eigene Leitungen unterhalten.

Die regelmäßige Wartung der Hausgeräte sei den Gasunternehmen zufolge wichtig.
Die regelmäßige Wartung der Hausgeräte sei den Gasunternehmen zufolge wichtig.

Ist im Gas, was in deutschen oder pfälzischen Haushalten ankommt, Benzol enthalten?
Erdgas könne – unabhängig von seiner Herkunft – natürliche Spuren von Begleitstoffen wie Benzol enthalten, wie Thüga-Sprecher Timo Muser erklärt. Werner Brommko, Vertriebsleiter bei Pfalzgas, erläutert: „Die Konzentration von Benzolspuren in Erdgas ist sehr gering und beträgt in Studien oft nur einen Bruchteil der typischen Hintergrundkonzentrationen in der Außen- und Innenluft.“ Bei Thüga verweist man auf die in Verordnungen festgelegten Grenzwerte. „Das Erdgas in unserem Gas-Leitungsnetz entspricht diesen verbindlichen Qualitätsanforderungen“, sagt Muser.

Die US-Studie kritisiert die Grenzwerte. Bereits geringere Benzolkonzentrationen könnten gesundheitsgefährdend sein. Immerhin: Das Landesumweltministerium betont, dass Erdgas in Aufbereitungsanlagen bearbeitet wird. „Die Benzolwerte im marktfähigen Erdgas sind sehr niedrig und liegen typischerweise deutlich unter 1 mg/m³.“ Dies bestätigt auch der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs: „Die gemessenen Benzolwerte lagen und liegen unterhalb der gesetzlich geltenden Grenzwerte.“

Wie schätzen Gasunternehmen hier die Lage ein?
Generell verweisen beide angefragten Unternehmen auf regelmäßige Kontrollen. Pfalzgas und Thüga haben zudem Spezialfahrzeuge, die mittels spezieller Instrumente Lecks aufspüren sollen. Pfalzgas zufolge liege die Belastung durch ein minimales Gasleck oft weit unter der Belastung, der man an einer befahrenen Kreuzung oder beim Tanken ausgesetzt ist. „Dennoch bleibt Benzol ein Stoff, bei dem ,so wenig wie möglich’ das Ziel ist“, sagt Brommko.

Was können Verbraucher nun tun?
Das Umweltministerium betont, wie wichtig die Überprüfung der Heizungsanlage durch den Schornsteinfeger sei: „Damit können Defekte oder Leckagen identifiziert und beseitigt werden.“ Auch ein Gaswarner sei hilfreich.

Wie verhalte ich mich generell bei einem Gasleck?
Gashahn abstellen, kein offenes Feuer, elektrische Geräte nicht betätigen, lüften und das Gebäude verlassen. Außerdem den Netzbetreiber verständigen. „Der Bereitschaftsdienst ist rund um die Uhr erreichbar“, betont Brommko. Und dieser „Sicherheitsservice“ sei auch bei „falschem Alarm“ kostenlos. Auch der Gaswarner kann helfen. Thüga-Sprecher Muser sagt: „Tritt Gas aus, schlägt der Gaswarner Alarm – und damit auch in dem Fall, dass mit dem Gas geringe Spuren von Benzol freigesetzt würden.“

Helfen die Duftstoffe im Gas, um Benzol zu erkennen?
Erdgas wird mit einem Geruchsstoff versetzt, um diesen beim Austritt zu erkennen. In der Studie wird dies kritisiert. Denn diese sogenannte Odorierung sei in einer Vielzahl an Fällen zu niedrig gewesen, um vor einem Gasleck zu warnen. In der Studie heißt es: „Die Kombination aus hohem Benzolgehalt und relativ geringer Odorierung in Erdgas deutet darauf hin, dass gefährliche Lecks in Europa wahrscheinlich zu selten gemeldet werden.“ Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs widerspricht dem. „In der Praxis wird deutlich höher odoriert, damit ein Warngeruch bereits früher durch den Kunden wahrgenommen wird.“

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