Wirtschaft Grünes Licht für Akku-Hybrid-Triebwagen in der Pfalz

Die beiden Linien auf der Strecke Neustadt–Karlsruhe sollen Ende 2024 als erste in der Pfalz auf die neuen Akku-Hybrid-Fahrzeuge
Die beiden Linien auf der Strecke Neustadt–Karlsruhe sollen Ende 2024 als erste in der Pfalz auf die neuen Akku-Hybrid-Fahrzeuge umgestellt werden. Das Foto zeigt eines Doppeleinheit aus Desiro-Dieseltriebwagen (Baureihe 642) als Regional-Express Neustadt–Karlsruhe bei Edesheim. Foto: Bachtler

Die heutigen Dieselfahrzeuge sollen in einem großen Teil der Pfalz von elektrischen Triebwagen abgelöst werden, die Strom sowohl aus einer Oberleitung als auch aus einer Batterie ziehen können.

Die Versammlung des für den regionalen Schienenverkehr im südlichen Rheinland-Pfalz zuständigen Zweckverbands beschloss am Mittwoch erwartungsgemäß die Neuausschreibung des Betriebs mit Akku-Hybrid-Triebwagen, obwohl die Kosten voraussichtlich dabei etwas höher sind als sie beim Betrieb mit neuen Dieselfahrzeugen wären. Fritz Brechtel (CDU), Landrat des Kreises Germersheim und Vorsteher der Zweckverbands, verwies darauf, dass dank der neuen Fahrzeuge der CO2-Ausstoß im Vergleich zu den heutigen Dieselfahrzeugen um 64 Prozent gesenkt werden könne. Für diesen Aspekt nehme man die Mehrkosten in Kauf, habe dafür aber die kostengünstigste Technik ausgewählt und sich gegen die Brennstoffzellentechnik mit Wasserstoff entschieden, die einen ähnlichen großen CO2-Reduzierungseffekt hätte – aber zu deutlich höheren Kosten.

Diesel-Ablösung in drei Etappen

Mit einer Kapazität von rund 150 Sitzplätzen sollen die künftigen Akku-Hybridtriebwagen etwas größer sein als die heute dort eingesetzten Dieselfahrzeuge. Deren Ablösung soll stufenweise von Ende 2024 bis Ende 2026 erfolgen. In der ersten Etappe werden die beiden Linien (Regional-Express und Regionalbahn) auf der Strecke von Karlsruhe nach Neustadt (und teilweise weiter nach Kaiserslautern) umgestellt. Bei diesen beiden Linien sind beide Endbahnhöfe bereits elektrifiziert. Im Dezember 2025 soll die Regionalbahn-Linie von Pirmasens nach Saarbrücken folgen, wobei die Elektrifizierung des Abschnitts zwischen Einöd und Zweibrücken für die Verlängerung der S-Bahn Rhein-Neckar hilfreich ist. In einer letzten Etappe folgen Ende 2026 dann die Regionalbahn-Linien von Pirmasens nach Kaiserslautern und Landau, von Kaiserslautern nach Kusel und Lauterecken sowie von Winden nach Bad Bergzabern.

Oberleitungsinselanlagen in Bahnhöfen

Zum Aufladen der Batterien sind an mehreren Stellen sogenannte Oberleitungsinselanlagen erforderlich. Vorgesehen sind diese in Kusel, Lauterecken, Landau und Winden (oder alternativ Bad Bergzabern). Hinzu kommt der Bahnhof Pirmasens Nord, bei dem zusätzlich ein Stück der stark ansteigenden Strecke zum Pirmasenser Hauptbahnhof (ohne den dazwischen liegenden Tunnel) elektrifiziert werden soll.

Aufwärtskompatible Lösung

Heilmann betonte, dass alle diese Anlagen baulich und technisch so gestaltet werden, dass sie in eine spätere Gesamtelektrifizierung einer Bahnstrecke eingebunden werden können. Sie seien somit aufwärtskompatibel insbesondere mit der allseits geforderten Elektrifizierung der Bahnstrecke von Neustadt nach Wörth. Ein im Mai bei der vorausgegangenen Zweckverbandsversammlung in Bad Dürkheim vorgestelltes Gutachten der Technischen Universität Dresden war zum Ergebnis gekommen, dass die Elektrifizierung der Strecke Neustadt–Wörth auf die Kosten des Betriebs mit Akku-Hybrid-Fahrzeugen sehr positive Effekte hätte. Das Zugangebot auf den künftigen Einsatzstrecken der Akku-Hybrid-Fahrzeuge soll weitgehend unverändert bleiben. Zu den Ausnahmen gehört ein neues zusätzliches Regional-Express-Zugpaar von Pirmasens nach Landau und zurück, das zur Entlastung der B 10 beitragen soll.

Mehr Züge von Kaiserslautern nach Mainz

Ein zweites Los des künftigen Ausschreibungsnetzes soll dagegen weiter mit Dieselfahrzeugen befahren werden. Dazu gehört der Ausflugsverkehr auf der Zellertalbahn und der Wieslauterbahn sowie die Regionalbahn-Linie auf der Alsenzbahn von Kaiserslautern nach Bingen. Bei der Alsenzbahn soll dem Wunsch der Region nach mehr Direktverbindungen nach Mainz mit einem zweistufigen Konzept Rechnung getragen werden. Ab Ende 2023 soll die Anzahl der Direktverbindungen zwischen Kaiserslautern über Rockenhausen nach Mainz von zwei auf sieben steigen. Bei der Neuvergabe der Verkehrsleistungen auf der Strecke von Germersheim nach Karlsruhe wird laut Brechtel montags bis freitags ein durchgängiger Halbstundentakt und ein „Mischbetrieb“ aus Karlsruher Stadtbahn und S-Bahn Rhein-Neckar angestrebt. Für die Stadtbahnzüge in die Karlsruher Innenstadt gibt es de facto keine Alternative zur Karlsruher AVG. Kommentar: Wichtige Weichen richtig gestellt