Insheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Dorf im Verkehrschaos: „Die Planung ist miserabel“

Der Insheimer Klaus Bünning fühlt sich aufgrund von gesperrten Straßen in seiner Heimatgemeinde eingekesselt.
Der Insheimer Klaus Bünning fühlt sich aufgrund von gesperrten Straßen in seiner Heimatgemeinde eingekesselt.

Straßen dicht, Umwege ohne Ende, Dauerfrust am Steuer: Die Ortsgemeinde Insheim ist nach wie vor eingekesselt. Ein Mann spricht offen aus, was viele im Ort denken.

Klaus Bünning wohnt in der Bahnhofstraße in Insheim. Für ihn beginnt die tägliche Verkehrsodyssee quasi vor der eigenen Haustür. Die Insheimer brauchen starke Nerven: Rund um die Ortsgemeinde reiht sich ein Hindernis ans nächste, Straßen sind gesperrt, gewohnte Verbindungen unterbrochen. Viele Bürger fühlen sich eingekesselt. „Zurzeit ist man in Insheim von der Welt abgekoppelt. Das müsste so nicht sein“, sagt der 76-jährige Elektrotechniker. Mit dieser Meinung steht er nach eigener Aussage nicht allein da. „Das höre ich aus vielen Gesprächen heraus. Viele Menschen im Ort denken ähnlich, sagen aber nichts“, beschreibt er seinen Eindruck.

Das ist eine „Stoßdämpfer-Teststrecke“

Klaus Bünning führt die gesperrte Straße Richtung Offenbach an. Seit April ist die Strecke dicht, weil im Zusammenhang mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes neue Leitungen verlegt werden. Zugleich steht seit Jahren fest, dass die Straße ohnehin dringend saniert werden muss. Viele Autofahrer sprechen deshalb nur noch ironisch von einer „Stoßdämpfer-Teststrecke“.

Der Bahnübergang in Insheim ist nach einem schweren Unfall im März, bei dem ein Regionalzug mit einem Autotransporter kollidiert
Der Bahnübergang in Insheim ist nach einem schweren Unfall im März, bei dem ein Regionalzug mit einem Autotransporter kollidierte, weiter gesperrt.

Das ist aus Sicht der Insheimer ein Stresstest, denn diese Vollsperrung bis zur Zufahrt nach Mörlheim dauert voraussichtlich bis zum 13. Juni an. Wie berichtet, soll die Verbindung anschließend zunächst wieder freigegeben werden. Eigentlich sollte danach direkt die Straße zum Teil ausgebaut beziehungsweise saniert werden, doch die Planung wurde geändert, weil ab August die Landesstraße zwischen Offenbach und Herxheim unter Vollsperrung saniert wird und zusätzliche Verkehrsbehinderungen vermieden werden sollen. Ziel sei es, mit dem zweiten Teil der Arbeiten auf der Strecke zwischen Insheim und Offenbach noch in diesem Jahr zu beginnen.

„Sanierung hat gut geklappt“

Dass Straßen „gemacht werden müssen“, bestreitet Klaus Bünning nicht. Im Gegenteil: Er und seine Frau Martina loben das Ergebnis der Arbeiten in der Bahnhofstraße. Dort wurden neue Wasserleitungen verlegt: „Die Arbeiter waren kooperativ, stets ansprechbar und haben versucht, Lösungen zu finden, wenn es auf der Straße mal eng war“, sagt der Insheimer.

Die Ortsmitte in Insheim – Richtung Herxheim und Offenbach geht derzeit für Verkehrsteilnehmer nichts.
Die Ortsmitte in Insheim – Richtung Herxheim und Offenbach geht derzeit für Verkehrsteilnehmer nichts.

Die Bahnhofstraße betraf den zweiten Abschnitt der Leitungssanierung, die sich schon durch das Dorf gezogen hat. Seit Juli 2024 werden in Insheim die Trinkwasserleitungen erneuert. Die Dauerbaustelle begann damals im Westen der Ortsgemeinde und wanderte etappenweise in Richtung Osten. Demzufolge war der Weg zur B38-Umgehung bei Impflingen für lange Zeit dicht. Die Hauptstraße war für anderthalb Jahre gesperrt, was in den Seitenstraßen für eine höhere Verkehrsbelastung und somit für Ärger sorgte. Die Anwohner der Hauptstraße befinden sich aber nur in einer Verschnaufpause. Denn die Fahrbahn muss noch saniert werden. Wann es damit losgehen soll, ist laut Landesbetrieb Mobilität (LBM) aber noch unklar.

Baustellen besser abstimmen

Umso weniger versteht Klaus Bünning, warum die Baustellen und Sperrungen aus seiner Sicht so schlecht koordiniert wurden. „Die Planung ist miserabel“, sagt er deutlich. „Die Verantwortlichen machen ihre Hausaufgaben nicht.“ Andere Kommunen – etwa im Badischen – zeigten, dass Baustellen besser aufeinander abgestimmt werden könnten, ohne den Verkehr so auszubremsen wie in Insheim. Ortsbürgermeisterin Tanja Treiling weiß um die Brisanz des Themas. Sie spricht von unumgänglichen Investitionen in die Infrastruktur. Solche Modernisierungen ließen sich leider nicht ohne temporäre Einschränkungen realisieren. Sie erforderten Geduld.

Von Insheim kommend dürfen Verkehrsteilnehmer am Ebenberg nur nach links Richtung Landau und nicht nach rechts Richtung A65 abbi
Von Insheim kommend dürfen Verkehrsteilnehmer am Ebenberg nur nach links Richtung Landau und nicht nach rechts Richtung A65 abbiegen. Die kann laut LBM auch temporär aufgrund der schwierigen Verkehrssituation in Insheim nicht geändert werden.

Zusätzlich verschärft in Insheim ein beschädigter Bahnübergang die Lage. Seit einem schweren Unfall im April funktioniert die technische Sicherung nicht mehr richtig. Statt Schranken und Lichtzeichen sichern nun Bahnübergangsposten jede Zugfahrt per Hand. „Es ist ein Trauerspiel“, sagt Klaus Bünning. „Da stehen ständig zwei Leute und passen auf, dass niemand den Übergang benutzt.“ Die Deutsche Bahn erklärt, dass umfangreiche Reparaturen notwendig seien. Unter anderem müssten Kabel erneuert und Schrankenantriebe ausgetauscht werden. Eine Wiederinbetriebnahme ist nach aktuellem Stand erst Ende Juli geplant – vorher wird auch die Bahnhofstraße nicht geöffnet.

„Schleichwege werden überwacht“

Kräftezehrend ist für die Bünnings vor allem, wie kompliziert alltägliche Fahrten geworden sind. Wenn Martina Bünning nach Herxheim zum Arzt oder in die Apotheke muss, fährt sie über Rohrbach. „Das ist einfach ein riesiger Umstand“, sagt sie. „Auf diesem Weg warten enge Straßen auf mich.“ So mancher Autofahrer versucht, über Wirtschaftswege auszuweichen, um schneller nach Herxheim zu kommen. „Aber da wird kontrolliert und dann kann es teuer werden.“

Auch die Fahrt nach Landau ist mühsam, da derzeit von Insheim aus nicht auf die A65 aufgefahren werden kann. Wenn Klaus Bünning mit seinem Hund zum Tierarzt muss, oder eben mal in den Baumarkt möchte, braucht er deutlich länger, als ihm lieb ist. „Auf die grüne Welle in Landau wartet man auch vergebens.“ Besonders groß ist der Frust über die Verkehrsführung am Ebenberg. Für ihn ist das inzwischen der Punkt, an dem das Fass überläuft. Von der L543 aus Insheim kommend, darf nur nach links auf die B38 Richtung Landau abgebogen werden – nach rechts auf die A65 hingegen nicht. „Ist denn bei der Verwaltung niemand in der Lage, einmal die Situation logisch zu erfassen?“, fragt Klaus Bünning. „Geschieht das alles vom Schreibtisch aus ohne Kenntnis der örtlichen Lage?“

Die Sicht des LBM

Der LBM verweist auf Sicherheitsgründe und darauf, dass da Insheim die komfortable Situation eines „eigenen“ Autobahnanschlusses hat – der jedoch zurzeit aufgrund der Bahnsperrung nicht erreichbar ist. Zudem sei der Einmündungsradius am Ebenberg zu eng und es gebe in Gegenrichtung keine Linksabbiegespur. Deshalb könne auch eine vorübergehende Änderung nicht befürwortet werden. Zwar räumt der LBM ein, dass eine Anpassung kurzfristig für Entlastung sorgen könnte. Aus Sicht der Verkehrssicherheit sei dies jedoch nicht vertretbar. Für Klaus Bünning macht es sich die Behörde damit zu einfach. „Logisch ist das nicht.“

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