Heizungsgesetz / Energie RHEINPFALZ Plus Artikel Die Infrarotheizung – eine Alternative zur Wärmepumpe?

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Infrarotheizkörper werden dezentral mit Strom aus der Steckdose betrieben. Es gibt sie in vielen Varianten für die Zimmerdecke oder für die Wand, auch in Form von Gemälden, Postern, Spiegeln oder wie hier Tafeln.

Wir haben Hochsommer. Aber der Winter wird kommen. Wie soll man in näherer oder fernerer Zukunft seine Wohnung warm bekommen? Das umstrittene Heizungsgesetz, das dafür wichtig ist, soll im September verabschiedet werden. Die Wärmepumpe dominiert die Debatten. Aber es gibt auch andere zulässige Optionen. Wie sinnvoll sind sie?

Es ist die vielleicht heißeste Frage des Jahres: Wie heizen wir künftig unsere Häuser und Wohnungen? Deutschland geht seit einigen Monaten schwanger mit dem umstrittenen Gebäudeenergiegesetz (GEG), dem Heizungsgesetz. Im September soll im Bundestag darüber abgestimmt werden. Durch die heftigen öffentlichen Diskussionen haben sich sehr viele Deutsche mit der Frage befasst, was sie denn künftig tun müssen, um ihr Zuhause in den nächsten Jahren und Jahrzehnten effizient und gesetzeskonform auch im Winter warm zu bekommen. „Etwa 80 Prozent der Anfragen zurzeit bei uns drehen sich um die Heizung“, sagt Hans Weinreuter, Physiker und Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Später dann höhere Kosten

Die Wärmepumpe als stark propagierte Heizlösung für Wohnhäuser ist in aller Munde. Sie ist aber längst nicht das einzige künftig mögliche und laut GEG zulässige Heizsystem. Die hohen Anschaffungskosten für eine Wärmepumpe von oft mehr als 30.000 Euro, die unabhängig von den immer noch nicht vollends ausgereiften staatlichen Förderungsmodellen vorzustrecken sind, treiben vielen Menschen Sorgenfalten auf die Stirn.

Diese Erfahrung hat auch Hans Vallery gemacht. Deswegen bringt er die Infrarotheizung ins Spiel. Und das nicht nur, weil er die von seinem Bad Dürkheimer Büro mit kleinem Ausstellungsraum aus für die Firma Heizprinz vertreibt. Als Rentner-„Hobby“ wie der 78-Jährige betont. Er ist also Überzeugungstäter.

„Wir betreiben bei uns privat in unserem Wohnhaus, einem ungedämmten Altbau, Infrarot-Heizkörper seit 14 Jahren als alleiniges System“, sagt Vallery. Ihm behagt die Infrarot-C-Strahlungswärme, die von den flachen dezentralen Heizelementen ausgeht, mehr als die sogenannte Konvektionswärme, die andere Heizkörper überwiegend produzieren. „Strahlungswärme, das ist eine ganz andere Wärme“, meint Vallery. Das Asthma seiner Frau sei erträglicher, seit das Ehepaar ausschließlich mit Infrarot heizt.

Den Stromverbrauch kalkulieren

Den Stromverbrauch allein fürs Heizen auf 21 Grad mit Infrarot beziffert Vallery für (s)ein ungedämmtes 100-Quadratmeter-Haus – 70er-Baujahr – auf 4500 bis 6000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Das sind 1800 bis 2400 Euro Heiz-Stromkosten pro Jahr bei 40 Cent/kWh (entspricht der staatlichen Preisbremse). Nutzt man den Internetrechner des österreichischen Infrarotheizungsherstellers Heatness, kommt man auf einen höheren Stromverbrauch und müsste für das Beispiel mit rund 8000 kWh jährlich für die 100 Quadratmeter rechnen, laut Heatness nämlich mit mindestens 30 Watt pro Kubikmeter.

Wie wird das Wasser heiß?

Hinzurechnen muss man jeweils noch die Kosten für die Warmwasserbereitung, 20 bis 45 Euro monatlich.

Der Vorteil in Vallerys Augen: die deutlich geringeren Anschaffungskosten selbst höherpreisiger Infrarotheizkörper im Vergleich zur Wärmepumpe. Zum Beispiel für Rentner oder „angehende“ Rentner, die etwa 30.000 bis 40.000 Euro für die Wärmepumpe samt Nebenarbeiten eben nicht einfach so vorstrecken und wochen- oder monatelang auf die Erstattung von Teilbeträgen mittels staatlicher Förderung warten könnten.

Vallery sagt, er wolle älteren Leuten die Angst nehmen vor dem Heizungsgesetz. Die Anschaffungskosten sind ein wesentlicher Punkt für ihn. Für Infrarotheizkörper, die man – ein entsprechend stabiles Stromnetz im Haus vorausgesetzt – jeweils an die Steckdose anschließen kann, sei bei einem Einfamilienhaus kein fünfstelliger Betrag nötig, wenn denn die alte Öl- oder Gasheizung irgendwann mal ausgetauscht werden müsse. Vallery rechnet für ein 100-Quadratmeter-Haus mit rund 7000 Euro Anschaffungskosten bei zehn Infrarotheizkörpern. Meist braucht man zudem, um sicherzugehen, einen Elektriker, der einen berät. Vallery jedenfalls setzt auf Infrarot zum Heizen.

Viele Hallenheizungen laufen via Infrarot

Was einige etwa mit Decken-Infrarotlösungen von Hallenheizungen kennen; die Ludwigshafener Kübler GmbH hat dafür gerade erneut den Landes-Innovationspreis eingeheimst.

Gerade für Wohnhäuser jedoch braucht man dann ein zweites System – zur Warmwasserbereitung, etwa einen ebenfalls mit Strom betriebenen Durchlauferhitzer. Rückenwind bekommt Hans Vallery von der IG Infrarot nach einer Fachkonferenz in Würzburg mit Erklärungen mehrerer Wissenschaftler aus Kaiserslautern und Dresden. Die sehen unterm Strich Infrarotheizungen in Bestandsgebäuden als einen Teil der Lösung, gerade in Kombination mit einer Photovoltaikanlage, die den Strom liefert.

Da allerdings bremst Verbraucherschützer Weinreuter die Erwartungen. Er sagt: „Die PV-Anlage liefert im Sommer viel Strom, zum Heizen brauche ich ihn aber ja vor allem im Winter.“ Und mit den üblichen Batteriespeichern könne man den Strom indes maximal zwei, drei Tage speichern. Der Rest immerhin wird ins allgemeine Stromnetz eingespeist.

Wärmepumpen punkten mit Effizienz

Die Anschaffungskosten einzelner Infrarotheizkörper, die es etwa in Form von Bildern für die Wand oder für die Zimmerdecke gibt, indes liegen tatsächlich deutlich unter denen für eine Wärmepumpe. Die für Häuser üblichen Wärmepumpen aber nutzen die Umgebungsluft und bilden so einen Hebel in Sachen Effizienz, der bei Infrarotheizungen wegfällt. Was Wärmepumpen als Strom benötigen, geben sie im Schnitt je nach Konstellation etwa um den Faktor 3 erhöht an Heizenergie zurück. Für viele Experten ein schlagendes Argument, auch für Weinreuter. „Die Wärmepumpe hat eben eine Menge Vorteile“, sagt er, „die kann man nicht wegdiskutieren.“

Wasserstoff dagegen sieht Weinreuter auch auf längere Sicht nicht in privaten Heizungskellern; teuer und kompliziert herzustellen. Daher rät er auch nicht dazu, sich eine wasserstofffertige Gasheizung zuzulegen. Er sagt vielmehr: „Lieber wärmepumpenready oder niedertemperaturready als H 2 -ready.“ Sprich: dämmen und etwa bei Bedarf größere, moderne Heizkörper anschaffen, die auf die Anforderungen der Wärmepumpe besser abgestimmt sind.

Dämmen ist das A und O

„Wir raten also eindeutig dazu, eine bestehende Öl- oder Gasheizung gegebenenfalls gegen eine Wärmepumpe, eine Holzpelletheizung oder – falls möglich – einen Fernwärmeanschluss auszutauschen und mit Hilfe von Wärmedämmmaßnahmen den Energiebedarf insgesamt zu reduzieren“, sagt Weinreuter. Für ein „supergedämmtes Haus“ oder gar ein Passivhaus könne eine Infrarotheizlösung eine Option sein.

Aber für einen mäßig bis schlecht gedämmten Altbau „spricht alles dagegen, der Vorteil der günstigeren Investitionskosten wird schnell aufgefressen durch die Betriebskosten“, sagt der Verbraucherschützer. Viele Ratsuchende achteten zu wenig auf die laufenden Kosten und zu viel auf die anfängliche Investitionssumme.

Die laut der GEG-Vorlage weiter zulässigen Elektrodirektheizungen, zu denen Infrarotheizkörper gehören, verbrauchten eine erhebliche Menge Strom. Die Wärmepumpe hingegen benötige nur etwa ein Drittel davon. An diesem Wert, sagt indes Vallery, habe er begründete Zweifel.

Momentan hoher CO2-Ausstoß bei Stromproduktion

Solange der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung wie zurzeit noch bei rund 50 Prozent liege, sagt Weinreuter, sei der CO 2 -Ausstoß bei der Stromproduktion wegen des Anteils von Stein- und Braunkohle in Deutschland nach wie vor hoch. Er liege bei etwa 430 Gramm pro Kilowattstunde. Im Vergleich dazu würden pro 1 kWh Heizöl (entspricht etwa 0,1 Liter) etwa 300 g CO 2 und pro 1 kWh Erdgas etwa 250 g CO 2 ausgestoßen. Dabei sei der Aufwand von Förderung, Aufbereitung und Transport berücksichtigt.

Hans Vallery indes ist überzeugt von seinen Infrarotheizkörpern, die Gastherme im Haus benutzt er nur zur Warmwasserbereitung. „Letztlich“, meint Vallery, „muss es jeder selbst wissen.“

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Heizungsgesetz und zur Situation der Deutschen in der Heizfrage.

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