Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF erinnert an Zwangsarbeiter

BASF-Standortleiter Michael Heinz (Mitte) verlegte mit Monika Kleinschnitger (rechts) die Stolperschwelle vor dem Besucherzentru
BASF-Standortleiter Michael Heinz (Mitte) verlegte mit Monika Kleinschnitger (rechts) die Stolperschwelle vor dem Besucherzentrum.

Der Chemiekonzern BASF hat am Dienstag mit einer Gedenkaktion an die rund 30.000 Zwangsarbeiter erinnert, die während des Zweiten Weltkriegs im Werk der IG Farben in Ludwigshafen ausgebeutet worden sind. Außerdem startete die BASF die Initiative „Gedenken, Nachdenken, Umdenken“.

Damit wolle die BASF eine zukunftsgerichtete Erinnerungskultur im Unternehmen verankern, sagte Vorstandsmitglied Michael Heinz. „Uns geht es dabei nicht nur um die Beschäftigung mit der Unternehmensgeschichte. Es geht darum, sich auseinanderzusetzen – ganz konkret mit Parallelen zu heutigen demokratiefeindlichen, rassistischen und antisemitischen Strömungen“, sagte Heinz. „Wir wollen Mitarbeiter wie Führungskräfte dazu anzuregen, im Alltag klar Position zu beziehen.“

Dafür arbeitet die BASF mit der Gedenkstätte KZ Osthofen in Worms zusammen. Für alle Mitarbeiter soll es ein freiwilliges Seminarangebot geben. Als erste Teilnehmer sind sogenannte Multiplikatorengruppen innerhalb des Unternehmens vorgesehen, etwa Azubi-Tutoren, Führungskräfte oder Mitglieder unterschiedlicher Arbeitnehmervertretungen. „Diese Initiative ist wichtig“, sagte BASF-Betriebsratsvorsitzender Sinischa Horvat mit Blick auf aktuelle Ereignisse in Deutschland. Die Gedenkstätte in Worms ist eine Einrichtung der Landeszentrale für politische Bildung. Zum Konzept gehört auch, demokratische, menschenrechtsbewusste Einstellungen und Verhaltensweisen zu stärken. Dies soll das Kernelement bei der Zusammenarbeit mit der BASF werden.

Entrechtet, unterernährt, misshandelt

Am Dienstag stand ein dunkles Kapitel der Unternehmensgeschichte im Mittelpunkt. Vor dem Besucherzentrum am Tor 2 wurde eine sogenannte Stolperschwelle verlegt im Gedenken an über 30.000 Zwangsarbeiter, die von 1940 bis 1945 auf dem heutigen BASF-Werksgelände ausgebeutet wurden. „Der Großteil waren sogenannte Ostarbeiter, die unter menschenunwürdigen Bedingungen hier arbeiten mussten“, erinnerte Heinz. Die deutsche Chemieindustrie habe in dieser Zeit Schuld auf sich geladen und auch bei Auschwitz das KZ Buna-Monowitz mitfinanziert, in dem Historikern zufolge etwa 30.000 Häftlinge den Tod fanden.

Die 65 Zentimeter breite Messingplatte vor dem Besucherzentrum erinnert an Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in den IG Farben Werken in Ludwigshafen. „Sie wurden zur Arbeit gezwungen, diskriminiert, entrechtet, unterernährt, misshandelt. Viele verloren ihr Leben“, las Monika Kleinschnitger vom Verein „Ludwigshafen setzt Stolpersteine“ den Text auf der Platte vor. Es habe lange gedauert, bis sich die Industrie mit ihrer Rolle in der NS-Zeit auseinandergesetzt habe. Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) sagte: „Ich bin dankbar, dass die BASF mit einer Initiative auch einen Brückenschlag von der Vergangenheit in die Zukunft macht.“

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