Energieversorgung Atomkraft-Aus rückt näher
Am 31. Dezember werden in Deutschland drei weitere Atom-Meiler abgeschaltet. Übrig bleiben dann noch drei – bis Ende 2022 sollen auch dort die Lichter ausgehen. „Der Atomausstieg ist unumkehrbar“, stellt die neue Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) unmissverständlich fest. „Planmäßig“ schreite er voran. „Und das ist auch gut so.“
Dass hierzulande bei weitem nicht alle dieser Meinung sind, haben die Diskussionen der vergangenen Wochen gezeigt. Mehrere Konzernchefs, darunter der frühere Vorstandsvorsitzende der BASF, Jürgen Hambrecht, fordern die Politik dazu auf, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern. Sie befürchten Lücken bei der Stromversorgung – zumal Deutschland laut Koalitionsvertrag der neuen Ampel-Regierung „idealerweise bis 2030“ aus der Kohleverstromung aussteigen will. Das Aus für die Kernenergie Ende 2022 hatte die damalige Bundesregierung 2011 nach dem Atomunglück im japanischen Fukushima besiegelt.
AfD will längere Laufzeiten
Auch die AfD gehört zu jenen, die das Atomkraft-Aus rückgängig machen wollen. Am vergangenen Donnerstag scheiterte die Fraktion im Bundestag mit einem Antrag, mit dem sie die Laufzeitverlängerung der letzten sechs Meiler „bis mindestens zum Ende des nächsten Jahrzehnts“ erwirken wollte. Der AfD-Abgeordnete Steffen Kortré warf der Bundesregierung die „weltdümmste Energiepolitik“ vor. Es drohe „die Abschaltung ganzer Städte“.
Dieser Darstellung widerspricht unter anderem das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Die DIW-Experten um die Ökonomin Claudia Kemfert gehen in ihrer jüngsten Analyse davon aus, dass es auch nach dem Atomausstieg „ausreichende Kapazitäten“ geben werde, um die Energieversorgung in Deutschland zu sichern. Wenn das deutsche Stromsystem „rasch auf erneuerbare Energieträger in Verbindung mit Speichern und Flexibilitätsoptionen“ umsteige, sei die Versorgungssicherheit mittelfristig nicht gefährdet, schreiben sie.
Neben der Sorge vor Stromausfällen wird auch häufig als Argument pro Atomkraft ins Feld geführt, dass verglichen mit Kohle und Gas die Atomstromproduktion kaum CO2-Emissionen verursache, also Mittel sei im Kampf gegen den Klimawandel.
„Atomkraft nicht CO2-frei“
Auf EU-Ebene wird über diese Frage gestritten. Die EU-Kommission berät aktuell darüber, ob Atomenergie künftig als „nachhaltige“ Investition eingestuft werden kann und eine Art grünes Label bekommen soll. Laut internationaler Atomenergiebehörde (IAEA) verursacht Kernenergie 40 Mal weniger Treibhausgasemissionen als ein effizientes Gaskraftwerk.
Atom-Kritiker warnen vor falschen Versprechungen. „Da wird versprochen, eine CO2-arme oder sogar CO2-freie Energieform zu haben, die uns davon befreit, uns auf den Weg zu machen, die Energiefrage wirklich nachhaltig zu lösen“, sagt etwa der Präsident des Bundesamts für die Sicherheit nuklearer Entsorgung (BASE), Wolfram König. Atomenergie sei aber „natürlich nicht CO2-frei“. Das beginne schon mit der Gewinnung von Uran, die „erhebliche Umweltprobleme mit sich bringe“. Auch der Bau der Kernkraftwerke sei nicht CO2-frei, weil dafür viel Beton benötigt wird; der ist aufgrund des darin enthaltenen Zements ausgesprochen CO2-intensiv.