Rheinpfalz Zur Sache: Der Name des Hauses

In Erlenbach soll einst eine schöne Maid mit Namen Hedwig gewohnt haben. Der Pfälzer Heimatdichter August Becker hat diesem Mädchen einen Roman mit dem Titel „Hedwig“ gewidmet. Die Geschichte Beckers ist zwar eine Erzählung, der Dichter hat jedoch in seinen Büchern die Landschaft und ihre Menschen ziemlich genau porträtiert. Deshalb hat sie streckenweise kulturgeschichtliche Züge. Den Roman schrieb Becker in seiner Münchener Zeit, gedruckt wurde er 1868. Er beschreibt darin eine Liebesgeschichte. Leutnant von Waldenburg wird überraschend von München in die Garnison Landau versetzt. Zunächst hadert er mit seinem Schicksal, entdeckt dann aber langsam die Pfalz. Bei einem Fest auf der Madenburg lernt er Hedwig kennen und lieben. Dass Hedwig aus Erlenbach längst einem anderen versprochen ist und er selbst die Cousine heiraten soll, führt zu dramatischen Verwicklungen, die jedoch ein glückliches Ende nehmen. In Anlehnung an den Roman wurde das Haus in Erlenbach, in dem die Romanfigur gelebt haben soll, bald als Hedwigshaus bezeichnet. Der Roman ist bis heute beliebt, bis 2017 erschienen mindestens 15 Auflagen. Ob der Roman einen geschichtlichen Hintergrund hat, ist schwer zu sagen. Laut den Kirchenbüchern war der Vorname Hedwig in der Gegend nicht gebräuchlich. Wie in der Einleitung des Romans erläutert, hat ihn der Dichter wohl gegen einen anderen ausgetauscht. Laut einer Inschrift im Sturz der Haustür wurde das Haus im Jahr 1810 durch „Franz Dahm – B.M.“ errichtet. Dahm war wie sein Vater Dorfschultheiß, das „B.M.“ bedeutet Bürgermeister. Als herrschaftliche Beamte waren die Dahms in der Französischen Revolution ins Rechtsrheinische emigriert, kamen jedoch nach der Amnestie zurück. Der Erbauer des Hauses wurde Bürgermeister in Erlenbach, 1815 dann Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Erlenbach/Schlettenbach/Bobenthal/Lauterschwan. Er starb am 26. Dezember 1825, sein denkmalgeschützter Grabstein ist auf dem Erlenbacher Friedhof erhalten. Seine Schwester Barbara hatte am 8. Mai 1792 den „Jägerburschen“ Johannes Stephan vom Faunerhof/Fischbach geheiratet. Vielleicht lieferte dieses ungleiche Paar, der arme Jägerbursche mit der wohlhabenden Schultheißen-Tochter, den Stoff für Beckers Roman. Den Namen hätte Becker dann bewusst ausgetauscht, in der Familie Dahm gab es keine Hedwig. Er erwähnt aber mehrmals, dass der Mädchenname in der Pfalz häufig wäre. Dies träfe auf Barbara oder Bärbel zu, in diesem Fall wäre Hedwig eigentlich die Barbara.
