Ludwigshafen
Klinikum richtet Demenz-Haltestelle ein: Ruhepunkt für verwirrte Patienten
Sabina Funke, Chefärztin der Geriatrie im Klinikum weiß, was es bedeutet, wenn Patienten ihrer Abteilung sagen, dass sie „nach Hause“ wollen. Denn Geriatrie und Demenz gehen oft genug Hand in Hand. „Der Satz ist ein Hilferuf. Sie möchten dorthin, wo sie sich auskennen, sich sicher fühlen und zur Ruhe kommen können.“ Immer wieder machen sich deshalb verwirrte Senioren aus Krankenhäusern auf den Weg, landen oft in Nachtkleidung auf der Straße. Denn eingesperrt sind die Patienten nicht.
„Wir sind schließlich ein Krankenhaus und kein Gefängnis“, erklärte der kaufmännische Geschäftsführer Jan Stanslowski. Genau hier setze die Haltestelle als Anlaufstelle für demenzkranke Patienten an. Die Station mit vier Sitzen, Mülltonne, Fahrplan und dem vertrauten grünen „H“ auf gelbem Grund greift eine vertraute Alltagssituation auf, schafft eine beruhigende Umgebung, die Ängste reduziert und Unruhe abbaut. Außerdem ist eine Haltestelle ein Ort der Kommunikation. „Das Pflegepersonal hat die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen und Vertrauen aufzubauen“, erläuterte Funke den Ansatz.
Spenden gesammelt
Die Chefärztin hat diese Methode schon im Rahmen ihrer Ausbildung kennengelernt und nach Ludwigshafen mitgebracht: „Das ist keine Dekoration, sondern tatsächlich ein medizinisch-geriatrisches Konzept. Ich habe selbst schon erlebt, wie es funktioniert.“ Deshalb war Funke auf die Geschäftsführung zugegangen und stieß dort auf offene Ohren. „Diese Haltestelle passt sehr gut zu uns“, erklärte Eefje Barber als Medizinische Geschäftsführerin. Gemeinsam habe man beschlossen, auf dem internen Weihnachtsmarkt Spenden für die Umsetzung zu sammeln.
Und so erfuhr über Umwege Nina Wiedmann von dem Projekt. Die Geschäftsführerin von Wiedmann Druck und Werbetechnik aus Maxdorf hatte schließlich mehrere Verbindungen zum Klinikum. „Meine Schwiegermutter ist hier verstorben, wurde aber bis zum Schluss sehr gut gepflegt. Das ist unsere Art, Danke an das Pflegepersonal zu sagen“, erklärte Andreas Wiedmann. Man habe sich tiefer mit dem Konzept einer „Demenz-Haltestelle“ befasst, mit Begeisterung in die Umsetzung gestürzt und befreundete Handwerker miteinbezogen. Die Sitzgelegenheiten stammen von der Werle Metallbau GmbH aus Obrigheim, die auch am Bau „regulärer“ Haltestellen beteiligt ist.
In Flur eingebaut
So ist ein Ort der Ruhe, der Begegnung und Entspannung entstanden. Ein Ort, der stark zum Wohlbefinden der Patienten beitrage, sagte Barber, die gleichermaßen für den Anstoß, die Initiative, die Umsetzung und auch die Spende dankte. Im Gegenzug bedankte sich Oberärztin Funke für die Unterstützung durch die Geschäftsführung und natürlich der beteiligten Unternehmen. Für diese war die Haltestelle eine Herzensangelegenheit. „Wir übergeben hier nicht nur eine Spende, sondern ein Zeichen der Menschlichkeit, einen Ort der Orientierung und ein Stück Normalität“, unterstrich Andreas Wiedmann.
Schwierigkeiten habe eigentlich nur die Suche nach einem geeigneten Standort auf der Station gemacht, denn eigentlich sollte sich eine Demenz-Haltestelle nicht in der Nähe zu einem Ausgang befinden. Das habe man umgangen, indem man den Zugang zum Treppenhaus ebenfalls als Teil der Landschaft „tarnte“. Und so sollen künftig demenzkranke Patienten der Abteilung Geriatrie an der Haltestelle ein Stückchen Ruhe in scheinbar vertrauter Umgebung finden. „Unsere Patienten benötigen andere Ansätze und wir behandeln am Klinikum keine Krankheiten. Wir behandeln Menschen!“, unterstrich Chefärztin Sabina Funke.