Jockgrim
Vor 150 Jahren wurde Albert Haueisen geboren
Für den Künstler Albert Haueisen war das Malen und Zeichnen die Befriedigung eines Grundbedürfnisses wie Essen und Trinken. Er selbst hat über sich gesagt: „Ich brachte eine Malbegabung mit auf die Welt. Ich konnte sofort malen, als ich den ersten Pinsel in die Hand nahm.“ Daraus entwickelte sich ein innerer Drang, seine lebenslange Leidenschaft, Gesehenes auf Papier und Leinwand zu bannen. Selbst Gefühle und Gedanken gab er eher als Zeichnung denn als Text wieder.
Geboren wurde Haueisen in Stuttgart. Wenige Jahre danach zog die Familie nach Ludwigshafen, wo sein Vater als Architekt bei der heutigen BASF den Ausbau des Werks mitgestaltete. Die Mutter von Albert Haueisen stammte aus Jockgrim, deshalb besuchte die Familie regelmäßig die Verwandten in der Südpfalz. Mit 15 Jahren wurde Albert Schüler der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, zwei Jahre später wechselte er an die Kunstakademie, später zog es ihn weiter nach München, wo er die Zeichenschule besuchte.
Ein Traditionalist mit großer Begabung
Schon mit Anfang 20 reiste er für monatelange Aufenthalte nach Rom und Capri, verweilte in der Schweiz und in Paris, wohnte mehrere Jahre in Bernau bei Hans Thoma. Die Eindrücke spiegeln sich in seinen Arbeiten wider. Der Maler und Grafiker habe sich an „traditionelle Themen und Motive gebunden“ gefühlt, schrieb Wilhelm Weber in einer Festschrift zum 100. Geburtstag Haueisens. „Wir sind uns darüber im Klaren, dass Haueisen nicht zu den Genies der europäischen Malerei gehört“, aber er sei eine „große Begabung“.
Die großen Umbrüche in der Kunst zwischen Realismus, Jugendstil, Impressionismus, Neo-Impressionismus und Expressionismus sind auch in dem Werk Haueisens spurenhaft zu entdecken, sodass sein Gesamtwerk uneinheitlich wirkt. Dennoch zeigen seine Themen und Motive, seine Arbeitstechniken in der Malerei und besonders seine beeindruckenden Zeichnungen und Grafiken eine eigene „Handschrift“ aus.
Menschen bei der Arbeit als Lieblingsmotiv
Um 1903 zog der Künstler in ein nach seinen Wünschen umgebautes Haus in Jockgrim, zu dem ein großes Atelier gehört. Er hatte ein Faible für die Darstellung von Menschen bei der Arbeit. Klar, sachlich, ohne stilisierte Überhöhung zeigt er das ländliche Leben, hält er Menschen bei der Feldarbeit fest. Zeitlos schön hält er Landschaften fest.
Haueisen legte Wert auf perfekt komponierte Bilder, die in sich stimmig und abgeschlossen, farblich ausgewogen sein mussten. Dies legte er auch seinen Schüler in Meisterklassen nahe. Kurz, nicht mal ein Jahr lang, war Albert Haueisen Direktor der Karlsruher Akademie. Er hatte viele Ideen zur Umorganisation der Lehranstalt, kam aber immer weniger zum Malen und Zeichnen, worunter er spürbar litt. Da er bei seinen Reformen keine Fortschritte sah, gab er das Amt nach rund zehn Monaten wieder ab, blieb jedoch Lehrer.
Tochter lebt noch in Jockgrimer Haus
Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, entließen sie viele Lehrer der Badischen Landeskunstschule. Haueisen hörte aus Solidarität mit seinen Kollegen als Lehrer freiwillig auf und zog sich in sein Jockgrimer Wohnhaus zurück. Dort lebte er mit seiner zweiten, 36 Jahre jüngeren Frau Hedwig, die er 1943, lange nach dem Tod seiner ersten Frau Johanna, geheiratet hatte. Nach drei Kindern aus der ersten Ehe bekam der Maler und Zeichner aus dieser zweiten Ehe eine Tochter, die noch heute mit ihrer Familie im Elternhaus im Jockgrimer Hinterstädtel wohnt.
„Mein Vater starb am 5. Februar 1954, als ich zwölf Jahre alt war. Deshalb hatte ich nicht viel von meinem Papa“, erzählt die Tochter. Doch durch die vielen Werke, die überall im Wohnhaus hängen und stehen, und den Charme seines Ateliers, in dem heute noch alles so ist wie Mitte der 1950er-Jahre, sei ihr Vater immer noch sehr präsent. Sie bedauere, dass anlässlich des runden Geburtstags keine Ausstellung geplant sei. Der Landkreis Germersheim hat aber in diesem Jahr, nach einem zusätzlichen Jahr Zwangspause, wieder den nach ihm benannten Albert-Haueisen-Kunstpreis ausgeschrieben.