Fußball
Mini-WM in Zweibrücken: „Eidgenossen“ krönen sich zum Weltmeister
Die Schweiz ist Weltmeister! Wenn das am vergangenen Sonntag bei der Eishockey-Weltmeisterschaft so gekommen wäre, wäre es eine Überraschung gewesen. Wenn es am 19. Juli, dem Finaltag bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko so käme, wäre es wohl eher eine Sensation. Bei der Mini-Weltmeisterschaft der 24 Grundschulmannschaften am Dienstag im Zweibrücker Westpfalzstadion hat es aber geklappt: Die „Eidgenossen“ des Teams I der Grundschule Contwig durfte am Ende den ziemlich echt aussehenden und gar nicht leichten WM-Pokal in die Höhe stemmen.
Gesangsfreudig waren die Schweizer um Konrektor Michael Peidl, Lehrerin Katharina Kaub und Sonja Hartmann, die an der Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) leistet, auch. „So sehen Sieger aus, shalalalala“, stimmten sie nach der Siegerehrung des Turniers der Stadt Zweibrücken und der RHEINPFALZ an. Gerade noch hatten sie aus den Händen der Beigeordneten Christina Rauch den Pokal, die Medaillen und die Urkunde erhalten, schon tanzten sie ausgelassen im Kreis um den Pokal herum. „Wo stellen wir den denn jetzt hin?“, wollte ein Schüler dann wissen. „Irgendwohin, wo ihn jeder gut sehen kann“, antwortete Michael Peidl.
Die einen trainieren viel, andere wenig
Eines der drei Contwiger Teams war im Turnier auf den vier Kleinspielfeldern also durchgekommen, Contwig II (als Australien) und Contwig III (als Spanien) waren in der Vorrunde ausgeschieden. „Ich hätte heute Morgen, als wir herkamen, nicht gedacht, dass wir gewinnen“, gab Peidl zu, der die Norweger der Thomas-Mann-Schule als Favorit auf dem Zettel hatte. Aber seine Schweizer Jungs marschierten prima durchs Turnier, schlugen in der Vorrunde Kanada 3:0, Portugal mit 4:0 und Ghana mit 1:0. Im Alpenduell im Achtelfinale gegen Österreich schossen die Schweizer ebenso vier Tore wie im Viertelfinale gegen Südafrika, kassierten jeweils keins.
Dabei hatten die Contwiger, die als einzige Schule mit drei Teams antraten, im Vorfeld nicht übermäßig trainiert. „Das sind alles Dritt- und Viertklässler. Wir haben die mal zwei Minuten vorspielen lassen und die Teams dann so zusammengestellt, dass die Spieler aus einem Verein auch in einer Mannschaft waren“, erklärte Katharina Kaub.
Hornbacher Lehrer im standesgemäßen Outfit
Andere hatten da wesentlich mehr Aufwand betrieben. Wie beispielsweise die Niederländer der Grundschule Bottenbach, die in der Vorrundengruppe F gegen Österreich, Spanien und Japan antraten. Da hatten sich mit Tim Scharff und Jan Buser schon ein halbes Jahr vor dem Turnier zwei Väter gemeldet, die das Coaching gerne übernehmen wollten. Auch die Vorbereitung war professionell: Zwei Sichtungstrainings und zwei zusätzliche Trainingseinheiten legten die Bottenbacher vorher ein, „damit die Jungs als Team zusammenfinden“, so Buser. Im Achtelfinale schied das Team dann nach einem knappen 0:1 gegen Norwegen aus.
Stefan Loré von der Grundschule Hornbach (USA) hatte ebenfalls zweimal mit dem Team trainiert, „auch weil die Hälfte der Spieler noch Zweitklässler waren“. Er trug stilecht das blaue deutsche WM-Auswärtstrikot mit „Goretzka“-Aufdruck. „Obwohl ich eher HSV- als Bayern-Fan bin“, gestand der Lehrer, der im saarländischen Neunkirchen-Furpach wohnt, schmunzelnd. Sein Team schied im Achtelfinale gegen Deutschland nach Neunmeterschießen aus, da floss die oder andere Träne bei den Jungs vor Wut und Traurigkeit.
Immer wieder bange Blicke zur Wetterapp
Morgens zum Turnierstart mit dem Einmarsch der Nationen war das Wetter noch schön, aber schon da gingen immer wieder bange Blicke nach oben und auf diverse Wetterapps. Er ließ auf sich warten: Um 11.45 Uhr kam er dann aber, der angekündigte Regen. Die Mannschaften zogen das aber nach einer kurzen Unterbrechung weiter tapfer durch. Zuschauende Eltern und das Organisationskomitee mit Steffi Baumann, Jana Oster, Marc Massar, Tim Richard, Azubi Maxim Klensch (Stadt) und Natascha Kuhn (RHEINPFALZ) zogen die Regenjacken über und Schirme über den Kopf. Immerhin: Als es gegen 15 Uhr tatsächlich noch anfing zu donnern und zu blitzen, war man mit dem Turnier fertig.
Das Jugendamt mit Sozialarbeiter Vincent Möchel-Stieß und etlichen ehrenamtlichen Helfern musste kurz vor dem ergiebigen Regen schnell wieder einpacken: Die Geräte im Parcours mit der Hüpfburg, der Torwand, den Pedalos und Rollern und einem großen „Vier gewinnt“ sind nicht regentauglich. Die Praktikanten von Edeka Ernst – Tobias Brand, Timo Becker und Lutz Malte von der BBS Zweibrücken – verzogen sich beim Regen mit ihrem Obst unters Dach des Sportheims des SVN Zweibrücken. Kisten mit ausreichend von Edeka gestifteten Äpfeln und Bananen hatten sie da noch genug, die 70 Deutschland-Trikots der Firma waren aber schon zu Beginn weggegangen „wie warme Semmeln“.
Sechs Referees müssen kaum ernsthaft eingreifen
Die Schiedsrichter Dominik Engelbrecht, Pascal Dintinger, Helmut Becker, Manfred Stock, Christian-Peter-Blum und Hans-Peter Schumacher hatten jederzeit alles im Griff, mussten nicht häufig zu einer Karte greifen. Schön die Szene, als Schumacher dem spanischen Keeper im Spiel gegen die Niederlande die Schuhe band. Der hätte das mit seinen Torwarthandschuhen so schnell nicht hinbekommen.
Im Halbfinale kämpfte die Schweiz wirklich starke Japaner (GS Einöd) ebenso mit 2:1 nieder wie England (GS Thaleischweiler-Fröschen) die Kanadier (GS Sonnenfeld). Im Spiel um Platz drei setzten sich die Japaner dann mit 4:0 gegen Kanada durch.
„Humba“-Tänzchen der Schweiz nach 7:0-Finalsieg
„Drei- oder viermal“ – Max Brill von den siegreichen Schweizern aus Contwig wusste am Ende gar nicht mehr genau, wie oft er schließlich beim 7:0 in den 15 Finalminuten gegen England getroffen hatte. Egal, Hauptsache gewonnen und gemeinsam ein „Humba“-Tänzchen hingelegt. „Applaus für euch, ihr habt ein super Turnier gespielt. Wir sind stolz auf euch“, verkündeten Michael Peidl und Katharina Kaub nach dem Schlusspfiff im Kreis ihrer Truppe.