Kultur Südpfalz Irrungen und Wirrungen in der Politik

Ein Messer mit sehr scharfer Klinge schwebte im eiskalten Händchen von Kabarettist HG Butzko durch die Südpfalzhalle in Kapsweyer. Dieser war zu Gast mit seinem neuen Kabarett-Programm „Supervision“. Bereits zum vierten Mal erfreute er die Gäste im ausverkauften Saal mit Sticheleien, haarscharfen Bemerkungen und punktgenauen Stichen mitten ins Gehirn.
Der „Hirnschrittmacher“ hat wieder zugeschlagen und sein Publikum lag ihm zu Füßen. HG (für Hans-Günter, ja!) Butzko ist kein Gag-Raushauer, sondern ein hinterlistiger Erklärer der heimlichen und unheimlichen Vorgehensweisen der Politik im Staate „Wir sind die Weltmeister des Exports in Europa“. Irrungen und Wirrungen unserer Spitzenpolitiker und ihrer Vorgehensweise werden von dem Mann in Jeans, Käppi und einem Bierseidel in der Hand spitzfindig und fast bösartig kommentiert. Da wird Sigmar Gabriel zum „Harzer Roller“ mit gewichtiger Doppelmoral – das stinkt. Bei seinen Erklärungen wird die SPD leicht zu einer Partei der „Sehr Peinlichen Deppen“. Die FDP zu einem „Furunkel der Nation“, oder Angela Merkel, zur Aussitzerin Deutschlands. Sie schiebt hoffnungsvoll Eisberge vor sich her, die sich eventuell von ganz alleine auflösen. Und er sieht die CDU-Politiker Horst Seehofer oder Thomas de Maizière (Die Demiseele) als Spitzenkomiker überhaupt, denn „Teile der Antworten der Bundesregierung könnte die Bevölkerung verunsichern“. Sie alle sind der Macht mehr verpflichtet, als ihren Idealen. Es sollte Integrationskurse nicht nur für Flüchtlinge geben, erklärt der Kabarettist, denn so langsam wird es dunkel in Sachen Solidarität, oder so wie Butzko meint „Soli (d) Arisch“. Wenn schon Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich die Situation in Sachsen mit der von Stuttgart 21 vergleicht. Oder die geistigen Brandstifter der Bewegung Pegida? Wer ist eigentlich hier das Volk, wenn fast 80 Millionen vorm Fernseher sitzen? Der Kabarettist reagiert auf das Negativ-Verhalten vieler Sachsen, die keine Zustände bei sich haben wollen so wie in West-Deutschland, mit den Worten „Das hättet ihr uns 1989 sagen sollen!“ Der Erklärungsversuch von AfD-Politikerin Beatrix von Storch nach ihrer Äußerung „Schießbefehl auf Frauen und Kinder“ – sie sei auf der Computer-Maus ausgerutscht. Übrigens, AfD-Wähler lutschen in der Kneipe lieber an der Klobürste, da ihnen das Bier nicht schmeckt. Oder Marie Le Pens Aussage „Todesstrafe für Selbstmordattentäter“, man braucht starke Nerven, so sein Kommentar. Ob Euro-Politik, BER-Flughafen in Berlin oder das irreversible TTIP-Abkommen, nichts wird ausgelassen, um von dem Hirnschrittmacher genauestens filetiert zu werden. Allerdings stellt er gegen Ende seines furiosen Programmes fest, dass nichts politischer ist, als in einem griechischen Restaurant essen zu gehen. HG Butzko verstreut anspruchsvolle Feinsinnigkeiten mit Schärfe und Esprit ungeheuer lässig ins Publikum dass manch einem in Kapsweyer an diesem Abend das Lachen im Halse stecken bleibt. (alve)