FRANKENTHAL RHEINPFALZ Plus Artikel Dubbeglas-Brieder im Interview: Fasnacht läuft wieder

Männer unter sich: 2020 kurz vor der großen Corona-Pause mischen die Dubbeglasbrieder – Olli Herrmann (links) und Willi Brausch
Männer unter sich: 2020 kurz vor der großen Corona-Pause mischen die Dubbeglasbrieder – Olli Herrmann (links) und Willi Brausch – die Herrensitzung in Speyer auf.

Vier Termine sind vorbei, mindestens 22 kommen noch: Die Dubbeglas-Brieder Olli Herrmann und Willi Brausch spielen nach zwei Jahren Zwangspause wieder bei Prunksitzungen. Im Interview mit Jörg Schmihing geht es um die besten Säle der Region, den Karneval nach Corona und ihre Hemden-Sammlung.

Die Hawaii-Hemden – Euer Markenzeichen – sind fürs Wochenende bestimmt schon gebügelt. Entscheidet Ihr nach Lust und Laune, welches Modell zum Einsatz kommt? Oder gibt’s einen Plan?
Olli Herrmann: Ganz ehrlich? Ich schreibe wirklich auf, welches Hemd wir wann und wo angehabt haben. Jetzt ist es nach den zwei Jahren Corona-Pause egal, aber sonst haben wir schon darauf geachtet. Wenn wir in Oppau in einem Jahr die roten Hemden anhatten, tragen wir im nächsten eben die weißen oder die gelben. Wir schaffen es, dass wir während der ganzen Kampagne an allen Tagen, an denen wir bei Sitzungen unterwegs sind, durchweg andere Hemden tragen. Willi, Du würdest immer das gleiche nehmen, oder?

Willi Brausch: Ja, Fräulein Baumann hat auch immer das gleiche Kostüm an.

Herrmann: Stell’ Dir doch mal vor, wie das aussähe: 200 Bilder bei Facebook und immer dasselbe Hemd.

Heimspiel I: Olli Herrmann und Willi Brausch beim FCV im Congress-Forum.
Heimspiel I: Olli Herrmann und Willi Brausch beim FCV im Congress-Forum.

Wie viele unterschiedliche Hemden habt Ihr denn?
Brausch: So 15 bis 20 werden es sicher sein. Dass wir die tragen, geht noch auf unsere gemeinsame Zeit bei Grabowsky zurück. Ich finde, eine Band kommt anders rüber, wenn sie sich Gedanken über ihre Klamotten macht. Und so sind wir bei diesen Hawaii-Hemden hängengeblieben. Inzwischen bekommen wir welche mitgebracht von Fans. Und da sind echt schöne dabei; manche ziehe ich auch mal privat an. Was ich nicht gerne mag, sind solche Plastikdinger. In die schlüpfst du rein, läufst einmal die Treppe rauf und runter und schon riechst du wie eine Bärenhöhle.

Das Hemdenthema wird offenbar sehr penibel geregelt bei Euch ...
Herrmann: Es gibt tatsächlich diese Liste. In der wird außerdem festgehalten, wie viel Gage wir jeweils bekommen – falls wir im nächsten Jahr wieder angefragt werden. Ich schreibe auch auf, welche Lieder wir gespielt haben. Wir schauen dann, dass wir durchmischen und im nächsten Jahr andere ins Programm nehmen. Es kommen immer ein bis zwei ganz neue Sachen dazu.

Wie sind Eure ersten Eindrücke aus der aktuellen Kampagne?
Herrmann: Start war für uns sogar im alten Jahr – das hatten wir noch nie. Das war bei einer Frauensitzung im November in Oggersheim mit 250 närrischen Weibern. Total geil, weil wir gemerkt haben: Ja, Fasnacht läuft wieder. Das war ein schöner Vorgeschmack. Und dann ging’s am vergangenen Wochenende richtig los mit Weisenheim.

Brausch: Weisenheim war für uns der Einstieg in die Fasnacht. Ich hatte da zuerst alleine gespielt. Deswegen besitze ich auch einen Orden mehr als er. Damals gab es die Dubbeglas-Brieder noch nicht. Unser erster Auftritt überhaupt war erst beim Stadtmauerfest in Freinsheim 2003. Ich habe danach dem Weisenheimer Sitzungspräsidenten erzählt, dass es was Neues gibt mit Olli, und der meinte nur: Alles klar, Männer, gesetzt. Die haben uns sozusagen groß gemacht ...

Herrmann: ... worauf sie auch immer bestehen, spätestens wenn’s um die Gage geht.

Heimspiel II: Olli Herrmann und Willi Brausch beim FCV im Congress-Forum.
Heimspiel II: Olli Herrmann und Willi Brausch beim FCV im Congress-Forum.

Wie viele Termine werdet Ihr in diesem Jahr haben? Was geht maximal an einem Abend?
Herrmann: Inklusive der Veranstaltung im November sind es 26 Prunksitzungen, die wir spielen. Es können noch mehr werden. Die meisten fragen frühzeitig an und schicken Verträge. Heute hat ein Verein aus der Region angerufen und angefragt. Jetzt müssen wir schauen, ob das noch reinpasst. Es ist schon fast ein Halbtagsjob, die Termine insgesamt und dann noch den Ablauf für den jeweiligen Abend sauber zu planen. Bei so einer Tour startet man im optimalen Fall bei der von Frankenthal am weitesten entfernten Sitzung und arbeitet sich wieder zurück Richtung Heimat. Vier am Abend ist machbar, aber hart.

Der Zeitdruck, überall pünktlich auf der Bühne stehen zu müssen – artet das manchmal in Stress aus?
Brausch: Nein, Stress ist das auf gar keinen Fall.

Herrmann: Bei Dir ja nie. Du bist ja einer, der – wenn der Redner vor uns bei der Zugabe ist – noch mal die Gitarre weglegt und aufs Klo geht.

Brausch: Genau, du fängst schon nicht ohne mich an.

Herrmann: Wir sind noch nie irgendwo nicht aufgetreten oder so extrem zu spät gekommen, dass der Veranstalter gesagt hat: Leute, das passt jetzt nicht mehr. Wegen uns musste noch kein Programm umgeschmissen werden, oder?

Brausch: Im Gegenteil. Wir haben eher ausgeholfen, wenn andere zu spät dran waren, und haben getauscht. Aber das ist es ja genau, was uns und den Kollegen, die Sitzungen machen, gefehlt hat: diese coole Action. Auch hinter der Bühne ist die Stimmung gut. Die meisten Künstler, die da auftreten, sind echt nett und entspannt. Da herrscht schon ein herzliches Verhältnis.

Eine Lieblingssitzung der Dubbeglasbrieder ist die im Hemshof bei den Farweschluckern – nicht nur, weil es dort kühles Bier aus
Eine Lieblingssitzung der Dubbeglasbrieder ist die im Hemshof bei den Farweschluckern – nicht nur, weil es dort kühles Bier aus dem Tonkrug gibt.

Gibt es so etwas wie eine Hitliste der Prunksitzungen, wo es Euch am meisten Spaß macht zu spielen?
Brausch: Also Weisenheim ist Nummer eins. Dicht gefolgt von den Farweschluckern in Ludwigshafen.

Herrmann: Das liegt schon auch ein bisschen an den jeweiligen Hallen. Die Atmosphäre im Saal im Hemshof ist intensiver als im Congress-Forum oder im Pfalzbau. Wer sehr professionelle und auch tontechnikmäßig tolle Prunksitzungen macht, das sind die Munnemer Göckel im Bürgerhaus in Oppau. Schifferstadt ist auch immer schön. Neu sind in diesem Jahr die Derkemer Grawler und die Altrhoischnooke.

Vermutlich würdet Ihr manche Bühne mit verbundenen Augen am Geruch erkennen.
Herrmann: Damit könnten wir bei „Wetten dass ...“ mitmachen. Das ist richtig. Das gilt auch für die Umkleidekabine der Elferräte ...

Brausch: Also bei den Weisenheimern würde ich – wenn ich an den Jacken rieche – einzelne Personen olfaktorisch identifizieren.

Wie oft mischt Ihr das Programm durch?
Herrmann: Insgesamt haben wir für die aktuelle Kampagne einen Pool von zwölf Nummern. Du spielst 25 bis maximal 30 Minuten – also fünf Lieder plus Zugabe. Und von denen sind es meistens drei, die immer kommen. Dann wird individuell entschieden. Wir haben eine Nummer, in der kommt der jeweilige Ort der Sitzung vor. Wenn du dann viermal am Abend spielst, solltest du wissen, wo du gerade bist. Manchmal wird auch auf der Bühne spontan entschieden.

So fing alles an: Die Dubbeglasbrieder 2003 – das Jahr ihres ersten Auftritts unter diesem Namen.
So fing alles an: Die Dubbeglasbrieder 2003 – das Jahr ihres ersten Auftritts unter diesem Namen.

Euer bisheriger Eindruck: Sind die Leute nach zwei Jahren Pause geil auf Fasnacht, weil Ihnen das gefehlt hat?
Herrmann: Die Leute sind so gut drauf wie zu den besten Zeiten.

Brausch: Bei uns funktioniert das ziemlich gut. Wir gehen auf die Bühne, nach zwei, drei Minuten ist das Eis gebrochen. Unser Vorteil ist, dass die Leute schnell merken: Die Zwei machen sich zum Affen, aber musikalisch geht da was. Ich finde, der Einfluss von Corona auf die Stimmung ist nicht so groß. Wenn jetzt ein Lockdown bis Januar gedauert hätte und dann ginge es los, das würde man merken. Tatsächlich ist seit Längerem eine gewisse Normalität zurückgekehrt. Deswegen hat das nicht mehr so den Stellenwert.

Herrmann: Die Leute waren inzwischen ja auch schon wieder auf dem Wurstmarkt und dem Strohhutfest.

Hat es Euch denn gefehlt?
Herrmann: Brutal.

Brausch: Absolut.

Herrmann: Ich zitiere Dich, Willi, von unserer Heimfahrt am vergangenen Wochenende. Da hast du gesagt: Da können sie alle über uns, über die Fasnacht, über die Bands und die Veranstaltungen dieser Welt sagen, was sie wollen – scheiß’ druff, Fasnacht isses Geilschde. Es ist ein echter Höhepunkt in unserem Jahresplan.

Brausch: Die Vorderpfälzer Fasnacht ist besser als ihr Ruf. Auch unter Musikern hat sich da einiges geändert – spätestens seit die Anonyme Giddarischde als Pälzer Krischer ausgezeichnet worden sind. Früher hieß es noch oft, wenn es um mich gegangen ist: Wie – du spielst in der Fasnacht? Die Vereine machen tolle soziale Arbeit. Wenn ich erlebe, wie die Garden sich engagieren oder Fußballteams als Männerballett auftreten, finde ich das fantastisch. Es wird echt was geboten, und es ist eine Form von Kultur. Ob ich jetzt Poetry-Slam mache oder eine Büttenrede schreibe – da ist kein so großer Unterschied.

Was macht Euch als Duo aus?
Brausch: Neben mir glänzen sie alle. Es hat mal einer gefragt, wie das ist neben so einem geilen Typen auf der Bühne zu stehen. Da habe ich gesagt: Dann frag’ ihn doch ... (zeigt auf Olli Herrmann)

Herrmann: Damit kann ich umgehen. Nein, es ergänzt sich einfach super. Willi ist der musikalische Direktor, der hinten komplett das Heft in der Hand hält, und ich turne vorne auf den Tischen rum.

Willi, hast Du ab und zu Sorge, ob er heil runterkommt vom Tisch?
Brausch: Das eigentlich nicht. Ab und zu habe ich ein bisschen Angst, wenn er Leuten im Publikum die Gläser leertrinkt. Da waren schon Typen dabei, die waren nicht so begeistert. Ich denke dann immer: Oh, jetzt kriegt er gleich eine. Das ist aber noch nie passiert. Oder wenn er einer Frau die Haare verwuschelt. Also, ich würde das nicht machen.

Herrmann: Das ist dann Narrenfreiheit bei mir. Aber so spontan das aussieht, wenn ich da über Tische und Bänke springe. Ich schaue schon, wie stabil die sind und wer da sitzt. Tatsächlich halte ich mich momentan zurück damit, weil es wegen Corona weiter nicht so geschickt ist, mitten unter den Leuten rumzuturnen und fremde Schoppen zu saufen. Da bin ich schon ein bisschen vorsichtiger als früher.

Zur Person

Schrille Hemden, Gitarre, Saxofon, Schellenkranz, zwei Stimmen – aus dieser Versuchsanordnung haben die Frankenthaler Musiker Oliver Herrmann (53) und Willi Brausch (60) seit 2003 eine Erfolgsgeschichte gemacht. Weinfeste, Vereinsfeiern und eben Prunksitzungen sind das Revier der Dubbeglas-Brieder. Beide sind mit verschiedenen Bands seit Jahrzehnten in der regionalen Szene unterwegs: Brausch unter anderem mit der AC/DC-Coverband High Voltage, früher als Bassist im Rocktrio von Gitarrist Peter Stahl und zwischenzeitlich bei Grabowsky. Zu den Gründungsmitgliedern dieser Kapelle zählt Herrmann. Der Sänger und Saxofonist stand unter anderem schon zu Schulzeiten mit Jack in the Box auf der Bühne.

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