Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Hochstraße Süd: Wie es auf der Baustelle läuft

Ein Bewehrungskorb: Das Geflecht wird ins Erdreich geschoben und mit Beton ausgegossen.
Ein Bewehrungskorb: Das Geflecht wird ins Erdreich geschoben und mit Beton ausgegossen.

Die Pfeiler der neuen Hochstraße Süd werden auf starken Fundamenten errichtet. Tonnenschwere Bodenplatten leiten über 170 Pfähle das Gewicht und die Belastung durch den Verkehr ins Erdreich ab. Dafür haben jetzt wichtige Bauarbeiten begonnen.

Das Loch hat einen Durchmesser von etwa 1,50 Meter. Unter einer zehn Zentimeter hohen Wasserschicht schimmert Beton. Hier zwischen Faktor-Haus und der Auffahrt zur Konrad-Adenauer-Brücke ist der erste Pfahl für die neue Hochstraße Süd gebohrt worden. Das Loch ist etwa 16 Meter tief und wurde von einem gigantischen Bohrgerät ausgehoben. 26 Meter hoch ist die 160 Tonnen schwere Baumaschine, die in der Nacht zum 17. Januar angeliefert wurde. Der spiralförmige Bohrer erinnert an einen XXL-Korkenzieher. Damit das Erdreich wegen des enormen Gewichts des Bohrgeräts nicht ins Rutschen gerät, sind zuvor Stahlspundwände in die Erde getrieben worden.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Pro Pfahl wird etwa zwei Tage gebohrt. Stahlrohre verhindert, dass Erdreich ins Bohrloch nachrutscht. Ein bis zu 20 Meter langer sogenannter Bewehrungskorb, ein zigarrenförmiges Geflecht aus Baustahl, wird dann ins Loch geschoben und mit Beton gefüllt. Zuvor werden die Stahlrohre herausgezogen. Vier Pfähle, auf die noch eine 250 Tonnen schwere Platte kommt, sind pro Pfeiler notwendig.

42 Wochen wird gebohrt

Die neue Brücke ersetzt die vor drei Jahren wegen Einsturzgefahr abgerissene Pilzhochstraße und schließt die 530 Meter lange Lücke zwischen der Hochstraße Süd und der Adenauer-Brücke. Insofern hat das erste fertige Loch durchaus eine historische Bedeutung. Denn hier – direkt an der Abbruchkante der B37 – wird bald der erste Pfeiler der neuen Brücke stehen. 170 Pfähle werden insgesamt in die Erde getrieben. Das wird etwa 42 Wochen dauern. „Bis Ende des Jahres sind alle Pfähle fertig“, sagt Björn Berlenbach, Leiter des städtischen Tiefbauamts. Gearbeitet wird von Osten nach Westen – also vom Faktorhaus in Richtung Heinigstraße.

Die Stadt hat Baufirmen mit den Arbeiten beauftragt. Es gibt einen strikten Zeitplan, damit die neue Brücke bis Ende 2025 fertiggestellt ist. Wo die Pfeiler schon fertig sind, wird an der neuen Brücke gearbeitet. Derweil wird Richtung Heinigstraße weiter gebohrt. Bau-Ingenieure überwachen die Arbeiten, damit die Bauausführung auch die Qualitätsansprüche erfüllt, erläutert Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos), der sich auf der Baustelle ein bisschen wie zu Hause fühlt. Denn Thewalt hatte früher 15 Jahre lang als Bauleiter bei Baufirmen auch Brückenbauarbeiten geleitet. „Die größte Brücke war 600 Meter lang und überquerte die Elbe. Im Vergleich dazu ist die Brücke in Ludwigshafen nicht allzu kompliziert“, meint Thewalt bei einem Rundgang am Freitag über die Baustelle.

Motor zu hören

Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) wirft derweil einen prüfenden Blick auf die Großbohrmaschine. Sie fragt nach, wie laut die ersten Bohrarbeiten gewesen seien. Der eigentliche Bohrvorgang sei relativ leise, aber die riesige Baumaschine verfüge über einen lauten Motor. „Das Motorgeräusch ist zu hören, wenn die Fenster offen sind“, sagt Tiefbauamtschef Berlenbach. Erschütterungen seien bisher nicht zu spüren gewesen. Die Stadtverwaltung hat die Baustelle direkt im Blick, denn im Faktorhaus sind zahlreiche Büros angemietet. Anwohner hätten bisher kaum etwas bemerkt. Die Baukolonne mit dem Bohrer werde wohl erst im April auf das Baufeld vor dem Mosch-Hochhaus kommen, in dem knapp 500 Menschen leben. Die Stadt hat in der Tourist-Info am Berliner Platz eine Anlaufstelle für Anwohner eingerichtet, falls es Probleme geben sollte.

OB Steinruck vor dem Großbohrgerät am Faktorhaus.
OB Steinruck vor dem Großbohrgerät am Faktorhaus.
Der erste von insgesamt 170 Pfählen ist fertig.
Der erste von insgesamt 170 Pfählen ist fertig.
Tiefbauamtschef Berlenbach erläutert das Vorgehen.
Tiefbauamtschef Berlenbach erläutert das Vorgehen.
Solche Stahlrohre sichern die Bohrlöcher ab.
Solche Stahlrohre sichern die Bohrlöcher ab.
160 Tonnen wiegt der Großbohrgerät.
160 Tonnen wiegt der Großbohrgerät.

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Zwei Löcher sind bisher gebohrt, ein weiteres ist in Arbeit. Die Pfähle werden in kleinen Gruppen erstellt. „Für eine Vierer-Pfahlgruppe braucht man zirka eine Woche“, erläutert Berlenbach. Zirka 20 Mann sind momentan auf der Baustelle im Einsatz für die Pfahlarbeiten. Wenn die ersten Pfeiler stehen und es an die Konstruktion der neuen Brücke geht, wird wesentlich mehr Personal vor Ort sein. Drei Teams werden parallel an verschiedenen Stellen an dem Ersatzbau arbeiten, sagt Baudezernent Thewalt.

Sanierung läuft parallel

Während die neue Brücke entsteht, wird parallel dazu die wegen ihrer Pfeiler sogenannte Weiße Hochstraße saniert – ein weiteres 950 Meter langes Teilstück zwischen Berliner Straße und Hauptbahnhof, das 1972 gebaut wurde. Momentan laufen dort laut Tiefbauamtschef vorbereitende Arbeiten: Der alte Asphalt wird abgefräst, Straßenlaternen werden abmontiert und die Straßenbegrenzungskappen abgehoben. Neue Verstärkungen werden anschließend in die Konstruktion eingefräst.

„So richtig sichtbar für die Leute wird die Sanierung, wenn wir den Abschnitt über die Heinigstraße machen“, sagt Berlenbach. Bis Mitte 2025 sollen die Arbeiten an der Weißen Hochstraße beendet sein. Könnte die Stadt dabei noch böse Überraschungen erleben? „Nein, das glaube ich nicht“, sagt der Experte und verweist auf die umfangreichen Voruntersuchungen der Bausubstanz. Alle Bauverantwortlichen sind überzeugt, dass sie den Zeitplan einhalten werden und ab Januar 2026 wieder Verkehr über die neue Hochstraße Süd rollen wird.

Zur Sache: Die neue Hochstraße Süd

Vier Jahre nach der Sperrung und drei Jahre nach dem Abriss der einsturzgefährdeten Pilzhochstraße ist Ende Oktober der Grundstein für die neue Hochstraße Süd (B37) gelegt worden. Die über 500 Meter lange Ersatzbrücke soll Ende 2025 fertig sein. Anfang 2026 sollen wieder Autos auf der neuen Hochstraße Süd fahren können, die vom Pylon auf die Konrad-Adenauer-Brücke führt. Neben dem Neubau der Brücke wird auch die wegen ihrer Pfeiler sogenannte Weiße Hochstraße saniert – ein weiteres 950 Meter langes Teilstück. Los geht’s hier im Bereich der Berliner Straße in Richtung Hauptbahnhof. Unter anderem werden Fahrspuren, die Entwässerung und der Beton erneuert, Brückenlager, Bordsteine und Geländer ausgetauscht, Schadstellen und Hohlkästen instandgesetzt, die Trasse abgedichtet und verstärkt. Damit soll die sanierte Hochstraße den hohen Belastungen durch das Verkehrsaufkommen mit immer schwerer werdenden Fahrzeugen standhalten.

Das Gesamtprojekt – Brückenneubau und Sanierung – soll rund 120 Millionen Euro kosten. Der Anteil der Stadt liegt bei 31 Millionen Euro, den Rest übernehmen Bund und Land. Das Ganze ist eine Materialschlacht: Insgesamt werden 20.500 Kubikmeter Beton, 3100 Tonnen Bewehrungs- und 570 Tonnen Spannstahl verarbeitet. Um den Prozess zu beschleunigen, soll dort, wo die Konstruktion bereits steht, der Brückenüberbau starten. In einem weiteren Schritt soll auch ein Pendlerradweg gebaut werden, der unter der Hochstraße Süd entlangführt und den Hauptbahnhof mit der Adenauer-Brücke verbindet. Wenn die Bauarbeiten im Süden abgeschlossen sind, soll danach der Abriss der ebenfalls maroden Hochstraße Nord (B44) und der Bau der sie ersetzenden ebenerdigen Stadtstraße (Helmut-Kohl-Allee) erfolgen. Die Gesamtkosten für die neue Ludwigshafener Verkehrsinfrastruktur beziffert die Stadt auf 667 Millionen Euro. Die komplette Fertigstellung ist für das Jahr 2031 geplant.mix

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