Ludwigshafen
Ludwigshafen: Wir öffnen Türen im Mosch-Hochhaus
Advent, Advent: Auch wir öffnen in der Vorweihnachtszeit Türen. Nämlich im Mosch-Hochhaus in der Otto-Stabel-Straße. An jedem Samstag im Advent gibt’s eine andere Sicht auf das charakteristische Gebäude nahe dem Berliner Platz. Heute treffen wir den Hausmeister: Skender Ramqaj ist immer schon früh unterwegs und mag die knapp 500 Bewohner.
„Ich lasse keinen Bewohner hängen“, macht Skender Ramqaj keine leeren Versprechungen. „Das ist korrekt“, attestiert die 70-jährige Sonja Quack dem Hausmeister des Mosch-Hochhauses am Berliner Platz, dass er der Mann der Tat ist: „ Wenn jemand den Schlüssel vergessen hat oder wenn jemand krank ist, ist auf Herrn Ramqaj immer Verlass“, sagt die Bewohnerin und stellt klar: „Er ist ein Vertrauensmann“. Ramqaj sitzt am Schreibtisch seines Büros in der Otto-Stabel-Straße 2. Der Mittwochnachmittag ist eine der wenigen Konstanten in der Arbeitswoche des 45-Jährigen: Von 15 bis 17 Uhr hat Ramqaj Sprechstunde und der Andrang ist groß. „Ist vielleicht meine Sonnenbrille bei Ihnen abgegeben worden?“, fragt eine Dame, die der Hausmeister aber leider enttäuschen muss.
„Normalerweise fängt mein Dienst erst um 7 Uhr an“, sagt Ramqaj. Doch er lege schon um 6 Uhr los, denn: „Ich mag es, wenn es schön sauber ist, bevor die Leute kommen“. Zwar putzt Ramqaj nicht selbst, sondern vier Reinigungskräfte, die wie auch er direkt bei der Eigentümergemeinschaft des Mosch-Hochhauses angestellt seien.
Es gibt knapp 500 Bewohner
„Über mich geht die Beobachtung“, muss Ramqaj nicht nur den Fremdfirmen bei Wartungsarbeiten an Elektrik, Aufzügen oder Pumpen „hinterher schauen“. Er behält den Überblick über 20 Stockwerke, die von zwei Eingängen mit verschiedenen Hausnummern aus erreichbar sind. Knapp 500 Bewohner hat das Mosch-Hochhaus; darunter rund 100 Eigentümer.
Waren die ersten vier Etagen einst miteinander verbunden, biete jetzt nur noch der erste Stock „mit der Arztpraxis“ einen Durchgang, so Ramqaj. Über der Praxis im „Haus 2“ habe seit etwa acht Jahren ein kurdischer Kulturverein seine Räumlichkeiten, auf gleicher Ebene in „Haus 4“ sei ein jüdischer Kulturverein zu Hause. Die Büroflächen des dritten Obergeschosses nutze derzeit die Dekra für Schulungen in „Haus 4“. Die Paralleletage in Haus 2 habe die Stadt einst zur Unterbringung von drei geflüchteten Familien gemietet, so Ramqaj. Von diesen sei jetzt noch eine fünfköpfige Familie da. Leer steht laut dem Hausmeister der vierte Stock.
„Das sicherste Haus von Ludwigshafen“
„Ist mein Rauchmelder angekommen?“, kommt ein Mann in das Hausmeisterbüro. Ramqaj holt das Paket aus dem Regal und schaut, ob der Artikel in Ordnung ist. „Wir haben eine sehr freundliche Hausgemeinschaft“, betont Ramqaj, der 1989 aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Ludwigshafen kam. Seit eineinhalb Jahren hütet der Ehemann und Vater von drei Kindern das Mosch-Hochhaus. Davor hat Ramqaj als Heizungsbauer gearbeitet.
„Das ist das sicherste Haus von Ludwigshafen“, ist Ramqaj überzeugt. Denn die 276 Eigentumswohnungen ab dem fünften Stockwerk des Mosch-Riesen sind nur mit einem speziellen Chip erreichbar. Allein dieser elektronische Schlüssel kann dem Bewohner den Fahrstuhl zu seiner Etage aktivieren oder die Tür zum Treppenaufgang öffnen. Nur zur eigenen Etage und keiner sonst werde der Zugang gewährt.
„Stark nachgefragt“
„Top gebaut“ ist das 1973 fertig gestellte Mosch-Hochhaus in den Augen seines Kümmerers: „Man hört nichts, das ist schon fast unheimlich“, ist Ramqaj beeindruckt von der Akustikdämmung. Es gebe nur ein bis zwei Leerstände. Die Wohnungen, von denen die meisten eine Fläche von 43 bis 56 Quadratmetern haben, seien „stark nachgefragt“. Der Kaufpreis der Wohnungen liege nach Informationen des Eigentümerbeirats bei einer „Obergrenze“ von 1000 Euro pro Quadratmeter – je nach Renovierungszustand. Die Kaltmiete liegt bei 4,75 bis 6,50 Euro pro Quadratmeter.
Bei all der Sicherheit – wie soll nur das chiplose Christkind den Weg in die Wohnetagen der Otto-Stabel-Straße 2 bis 4 finden? Ist das Mosch-Hochhaus vorbereitet auf dessen Ankunft? „Die Wohnungstüren sind sehr schön geschmückt“, ist Ramqaj sich sicher, dass es für diesen besonderen Besucher andere Wege als den Fahrstuhl gibt.