Rheinpfalz Flieger und Flamme: Ramsteiner Unternehmen baut Flugzeugattrappen für simulierte Brände

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Fast ein Flugzeug: Realitätsnäher als in einem fast perfekten Nachbau lassen sich Brände kaum simulieren – und bekämpfen.

Die Firma Stahlbau Janzer in Ramstein baut nicht nur klassische Container, die sich abrollen oder absetzen lassen, sondern seit fast 20 Jahren auch Brandsimulatoren: riesige Flugzeugattrappen aus Edelstahl, in denen Feuerwehreinsätze geübt werden – ein weltweites Geschäftsfeld.

Es sieht aus wie eine Boeing 747. Das Video zeigt, wie in der Kabine des Großraumflugzeugs vor den Augen der Feuerwehrleute ein Flammensprung entsteht, ein sogenannter „Flash Over“. Aus einer kleinen Brandstelle an der Decke, etwa in Höhe der Gepäckfächer, wird schlagartig eine Flammenhölle, die sich über die Decke im gesamten Flugzeug ausbreitet. Es ist einer der gefährlichsten Momente bei einem Brandeinsatz in Räumen. Das Video von „München.tv“ zeigt eine Übung der Münchner Flughafenfeuerwehr in einer täuschend echt aussehenden Flugzeugattrappe, die – komplett ausgestattet – vier Millionen Euro gekostet hat. Die Flammen, die sich verhalten wie im echten Katastrophenleben, werden von einem Kontrollzentrum aus mit moderner EDV und über Gasleitungen gesteuert, die im Flugzeugnachbau weit verzweigt verlegt sind. So lassen sich alle möglichen Arten von Bränden immer wieder neu proben, im Flugzeug oder außerhalb, zum Beispiel, wenn die Tragfläche oder eine Turbine brennt. Das ganze Flugzeug, die Sitze, die Gepäckfächer, die Außenhülle, jedes Detail, sind nicht Original, sondern aus Corten-Stahl nachgebaut. Das ist jener Edelstahl, der außen zwar stets rostrot erstrahlt, dem aber ansonsten kaum etwas anzuhaben ist. Während eine ausrangierte 747 oder ein alter Airbus wohl bereits nach einer einzigen Brandübung verschrottet werden müssten, lässt sich an so einem Edelstahlnachbau immer wieder realitätsnah üben – und zwar jahrelang. Eine Super-Idee. Und ein gutes Geschäft. Täuschend echt nachgebaut hat den mehrere Hundert Tonnen schweren und acht Meter hohen Koloss die Firma Klaus Janzer Stahlbau aus Ramstein-Miesenbach. Für insgesamt 13 solcher Kolosse haben die Westpfälzer bereits Stahlelemente von einem Ingenieurbüro entwerfen lassen, nach Originalplänen der Flugzeugbauer. Und 13 Mal haben sie diese auf dem Werksgelände in Ramstein zugeschnitten und zusammengebaut, also gesägt, geschweißt, gebogen, genietet. Die riesigen Brandsimulatoren, die in ihrem Rostrot aussehen wie ein einsames Überbleibsel auf einem Flugzeugfriedhof, stehen unter anderem an Flughäfen in Deutschland, Spanien, Frankreich, Thailand, Norwegen und in der Schweiz, stets vor Ort fertig montiert von den Westpfälzern und ihren Partnern. Es ist mehr als ein nettes zusätzliches Standbein für eine Traditionsfirma, die eigentlich ganz normale Stahlcontainer für Endverbraucher herstellt oder Stahlkonstruktionen, wie sie zum Beispiel beim Hallenbau verwendet werden.

Von Treppen und Geländern zu immer größeren Konstruktionen für die Air Base

Fragen wir einmal: Was macht ein Unternehmen zu dem, was es heute ist? Sagen wir: ein mittelständisches, in dritter und vierter Generation familiengeführtes? Klar: die Führung, die Mitarbeiter, die Produkte, vielleicht auch ein Alleinstellungsmerkmal, das die Firma von Mitbewerbern abhebt. Kluge Entscheidungen zur richtigen Zeit. Flexibilität, wie sie ein Großkonzern kaum bieten kann. „Das Netzwerk ist das Wichtigste“, sagt Klaus Janzer (59), der mit seinem 32 Jahre alten Sohn Moritz die Firma leitet, während sich Ehefrau Bärbel schon seit 20 Jahren um das Personalwesen kümmert. Er meint damit eine möglichst große Kontinuität von und für Lieferanten und Kunden. Denn dieses Netzwerk bedeute Verlässlichlichkeit, die wiederum Vertrauen entstehen lässt. Ganz sicher schadet auch eine Philosophie nicht, die der Seniorchef so formuliert: „Ein Nein gibt es nicht – Probleme werden gelöst!“ Und dann sind da noch die Zufälle und Unvorhersehbarkeiten. Klaus Janzers Großvater Karl eröffnete 1929 mit drei Mitarbeitern in einer Garage in Ramstein eine Schlosserei. Es war das Jahr, das für die Weltwirtschaftskrise im Gedächtnis bleiben sollte, ausgelöst von einem Börsenkrach im Oktober. Karl Janzer konnte damals nicht ahnen, welche Katastrophe der Welt zehn Jahre später mit dem Zweiten Weltkrieg drohen würde. Er konnte nicht damit rechnen, dass wenige Jahre danach, 1953 nämlich, die US-Amerikaner bei Ramstein einen Flugplatz errichten würden, sogar den größten außerhalb der USA. Und Karl Janzer konnte nicht darauf spekulieren, dass die Mitarbeiter der 1948 offiziell gegründeten Firma Janzer auf der US Air Base viel mehr Arbeit finden würden, als sie je erwartet hatten. Hatten die Ramsteiner zuvor Treppen und Geländer gebaut und kleineren Stahlbauarbeiten erledigt, fertigte man für die Air Base immer größere Konstruktionen. Der Betrieb expandierte. Anfang der 1960er-Jahre übernahm Sohn Hans Janzer (vor Kurzem 90 Jahre alt geworden) das prosperierende Geschäft, unter dessen Führung der Betrieb 1991 in den Neubau im Industriegebiet am Ortsrand umzog; Schon in den 1970er-Jahren hatten die Westpfälzer mit der Produktion von Containern begonnen. 1998 übernahm Enkel Klaus. An Flugzeuge dachte er da nicht.

Brandsimulator bauen: "Ich bin nicht selber auf die Idee gekommen"

Den nächsten großen Schritt in der Entwicklung des Unternehmens beschreibt der heutige Seniorchef so zurückhaltend und bescheiden, wie es seine Art ist: „Ganz ehrlich: Ich bin nicht selber auf die Idee gekommen. Sie wurde an uns herangetragen.“ Vor 20 Jahren lautete die Frage eines Immobilienunternehmens aus Kaiserslautern: „Könnt ihr euch vorstellen, einen Brandsimulator in einen Container einzubauen?“ Ein „Nein“ als Antwort kam dem ziemlich frisch gebackenen Chef schon damals keine Sekunde in den Sinn. Also baute Klaus Janzer einen fahrbaren Brandsimulations-Trailer, der an einen Sattelschlepper angehängt werden konnte. Denn alles, wirklich alles, lässt sich – mit den passenden Fertigkeiten – aus Edelstahl nachbauen, auch ein Schlagbohrer oder ein Schreibtisch samt Stuhl und Computer und Tastatur. Der Brandschutztrailer scheint ein Erfolgsmodell gewesen zu sein. Es dauerte kaum zwei Jahre, bis die Anfrage für ein viel größeres Projekt ins Haus flatterte: der erste Brandsimulator in einem fast kompletten Flugzeug-Nachbau aus Ramstein. „Das hat sich einfach so ergeben in einem Gespräch“, berichtete Janzer vor Jahren der RHEINPFALZ – schon da in größter Zurückhaltung. Damals hatte die Firma gerade die 2009er Wirtschaftskrise auch dank der Flugzeugnachbauten ganz gut überstanden. „Ich bin nicht der Auftragnehmer“, stellt Klaus Janzer außerdem klar, wenn ein Gesprächspartner Gefahr läuft, zu viel Besonderheit in sein Unternehmen hineinzuinterpretieren. Seine Stahlbaufirma mit 20 Mitarbeitern und rund 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz sei nur einer von vier Beteiligten an den Flugzeug-Projekten – neben der Elektrotechnik, der Gastechnik und der Gesamtleitung samt EDV. Und diese Gesamleitung liege stets bei einem größeren Partner, der auch die Aufträge annimmt – und dann in Teilen weitergibt. In den Anfangsjahren war das der Dräger-Konzern mit seiner Sparte für Sicherheitstechnik, inzwischen ist es die Fitra Systems & Software GmbH & Co KG in Würselen, die auch für die Steuerung der Anlagen verantwortlich ist. Doch alle Beteiligten arbeiten auf dem Janzer-Gelände, der Produktionstätte der rostroten Riesen. Und: Stolz ist Klaus Janzer natürlich schon, wenn es den Partnern immer wieder gelingt, weltweit und gegen namhafte Konkurrenz an neue Aufträge für Flugzeuge zu kommen, die brennen sollen statt zu fliegen. In Ramstein werden inzwischen auch Container zu Einsatzentralen für den Katastrophenschutz ausgebaut, außerdem – wieder für die Amerikaner – fahrbare Verkaufstrailer, in denen US-Soldaten all das einkaufen können, was es sonst nur in den USA gibt. Und Übungsanlagen für die Bekämpfung von Gasflaschenbränden, die in eine große, hohe Garage passen, stehen auch im Angebot.

„Viel harte Arbeit über eine lange Zeit“

Und fragen wir auch das einmal einen erfolgreichen Mittelständler im 91. Unternehmensjahr: Wie ist das, wenn die Geschäftsführung eines Familienunternehmens quasi automatisch auf einen zuläuft, wenn man als junger Mann doch vielleicht ganz andere Ideen hat? „Die Frage hat sich nie gestellt“, sagt Klaus Janzer. Er habe schon mit zehn oder elf Jahren manche Arbeiten erledigt und sei dabei geblieben, auch wenn er nicht alles immer gerne gemacht hat. Mit 14 die Ausbildung zum Maschinenbauer begonnen, drei Jahre später ausgelernt. „Man wächst da rein“, sagt Janzer, der voll in seinem Job aufgeht. Dann sagt er jenen Satz mit der Kontinuität, aus der Netzwerke werden, die Vertrauen schaffen. Man könnte auch „viel harte Arbeit über eine lange Zeit“ sagen. Irgendwann wird er die Firma ganz an seinen Sohn Moritz übergeben.

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Fast ein Flugzeug: Realitätsnäher als in einem fast perfekten Nachbau lassen sich Brände kaum simulieren – und bekämpfen.
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Fast ein Flugzeug: Realitätsnäher als in einem fast perfekten Nachbau lassen sich Brände kaum simulieren – und bekämpfen.
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Klaus Janzer
Beim Flammensprung breitet sich das Feuer schlagartig von einem Brandherd auf den gesamten Raum aus, hier in einer nachgebauten
Beim Flammensprung breitet sich das Feuer schlagartig von einem Brandherd auf den gesamten Raum aus, hier in einer nachgebauten Flugzeugkabine.
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Beim Flammensprung breitet sich das Feuer schlagartig von einem Brandherd auf den gesamten Raum aus, hier in einer nachgebauten Flugzeugkabine
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Beim Flammensprung breitet sich das Feuer schlagartig von einem Brandherd auf den gesamten Raum aus, hier in einer nachgebauten Flugzeugkabine
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