Rheinpfalz Einwohner arbeiten zusammen

Für die acht Säulen der Vorhalle des Winterkirchels wurden vor 70 Jahren 48 Sandsteintrommeln gehauen und bis Oktober 1948 aufge
Für die acht Säulen der Vorhalle des Winterkirchels wurden vor 70 Jahren 48 Sandsteintrommeln gehauen und bis Oktober 1948 aufgebaut. Auf dem Foto ist der Initiator des Wiederaufbaus zu sehen, Pfarrer Eugen Barudio (Dritter von rechts), und der Hauensteiner Steinmetz und Maurermeister Hermann Seibel (Vierter von links) vor dem bereits fertigen Chorraum.

Von allen Seiten des Berges, vornehmlich aus Erfweiler und Hauenstein, strömten Katholiken am kirchlichen Hochfest Mariä Himmelfahrt heute vor genau 70 Jahren zur alten Gemarkung „Himmelspforte“. 2500 Menschen aller Altersgruppen pilgerten singend und betend von beiden Seiten der alten Wasserscheide zur ersten großen Nachkriegswallfahrt zum Winterkirchel. Auch das Fest am heutigen Mittwoch wird dort gefeiert.

Am 13. Juni 1948 war der Grundstein zum Wiederaufbau des alten Kirchleins gelegt worden. Nur einmal kamen noch mehr Menschen hier zusammen als zu Mariä Himmelfahrt 1948: 5000 Gläubige erlebten am 14. August 1949 – übrigens auch der Wahlsonntag zum ersten deutschen Bundestag – die Weihe des fertigen Kirchleins durch Bischof Josef Wendel. „Wie großartig ist die Friedensbotschaft am Winterkirchel auch in unseren Tagen“, sagte Dagmar-Ute Eichenlaub vor wenigen Tagen bei ihrem historischen Abriss zur Geschichte des Dorfes Erfweiler bei der 750-Jahrfeier in der Sängerhalle. Für viele Christen ist das Winterkirchel bis heute ein Trost spendendes Zentrum der Einkehr, gerade das alte Marienbild im Schatten des Waldes, wo Katholiken ihre Bitten äußern. Am 13. August 1948, zwei Tage vorm ersten großen Wallfahrtstreffen an Mariä Himmelfahrt, war der Chorbogen gesetzt, und bereits am 19. September war das Gewölbe des kleinen Chorraums fertig, wie Eugen Barudio, der nimmermüde Initiator, damalige Pfarrer (1947 bis 1959) und erste Ehrenbürger von Erfweiler in seiner akribisch geführten Chronik über den Baufortgang schreibt. Heute vor 70 Jahren – Mariä Himmelfahrt war damals noch ein gesetzlicher Feiertag – versammelten sich 2500 Wallfahrer um das im Rohbau befindliche Kirchlein, sangen vor dem Muttergottesbild die uralten Marienlieder und beteten mitten auf dem alten Passplateau, das bis auf einen Quadratmeter auf Erfweilerer Gemarkung lag. Später wurde auch diese winzige Eckchen Erfweiler zugemessen, im Tausch mit den benachbarten Hauensteinern. Der Autor dieser Zeilen erinnert sich, als neunjähriger Bub die gewaltige Menschenmenge erlebt zu haben, die vor 70 Jahren auf den Berg kam. Das Bild von Pfarrer Barudio sowie all der Kleriker, unter anderem Prälat Georg Sommer aus Hauenstein, und der vielen Messdiener mit ihren Fahnen haben sich fest eingegraben in das Gedächtnis der Besucher. Es ist kaum zu glauben, mit welchem Eifer die Menschen aus Erfweiler – viele aus Hauenstein waren ebenfalls fast täglich auf der Baustelle im Wald – das neue Winterkirchel bauten. Wie Willi und Theo Keller sowie Hermann Schwartz, Sohn des damaligen Bürgermeisters Alfons Schwartz aus Erfweiler, berichteten, beteiligten sich auch Jugendliche an den Arbeiten: Die drei rüstigen Senioren, die alle die 80 Jahre längst überschritten haben, erinnern sich lebhaft, wie sie damals fast jeden Tag „auf dem Berg“ waren, Wasser und Sand mit Eimer von der nahen Marienquelle heranschleppten und ihren Vätern zur Hand gingen. Die rund 250 Erfweilerer Fabrikarbeiter schleppten auf ihrem täglichen Weg zu den Hauensteiner Schuhfabriken Ziegelsteine aus dem Tal zur Baustelle. Deshalb wurde bei der Gabenprozession am vergangenen Sonntag, die das Team um Doris Zwick erstellt hatte, auch ein Backstein als Erinnerung an den Wiederaufbau zum Altar getragen. Viele der Männer und Frauen, die damals geholfen hatten, die Kirche zu errichten, sind inzwischen gestorben, und die damals Jungen haben das 80. Lebensjahr überschritten. Barudio war auch ein guter Handwerker und half als Schlosser, Holzkünstler und Maurer mit – nicht nur beim Bau der Kirche, sondern er engagierte sich im Ort, wo die Not nach dem Zweiten Weltkrieg am größten war. „Pfarrer Barudio war überaus fromm und eifrig in seinem Beruf, aber auch von einer sozialen Fürsorge für die arme Nachkriegsbevölkerung erfüllt“, sagt der 85-jährige Theo Keller. Er erinnert sich an den Hauensteiner Meister Hermann Seibel („de Lousedick“), der täglich auf der Baustelle war und als Maurer und Steinmetz auch für die Rundsäulen verantwortlich zeichnete. „Auch andere Hauensteiner Helfer und Handwerker halfen mit, und von einigen ,Hääschdner’ Fabrikanten wurde immer wieder Geld zugeschossen“, erinnert sich „de Schreiner Willi“ (Willi Keller), der im späteren Berufsleben oft ehrenamtlich am Winterkirchel arbeitete und am Jubiläumsfest auch hinaufzog. Groß war die Spendenbereitschaft der einfachen Menschen in der Nachkriegszeit. Gerade im schweren Jahr 1948 fehlte Geld, berichtet der Erfweilerer Gerhard Zwick, der die Geschichte des Ortes und des Winterkirchels erforschte: „Die Bauarbeiten am Winterkirchel begannen im Mai 1948, und drei Tage nach der Währungsreform im Juni 1948 war das ersparte Geld von 2800 Reichsmark auf 280 D-Mark zusammengeschrumpft. Als man mit den Arbeiten am Fundament begann, waren gerade noch 12,50 D-Mark in der Kasse.“ Umso bemerkenswerter, dass das Kirchlein innerhalb eines Jahres aus den Ruinen auferstand, in denen es seit 1789 gelegen hatte. Es gilt als gesichert, dass es nicht französische Revolutionstruppen waren, die die Kirche zerstörten. Sie kamen erst 1792 in die Pfalz. Stattdessen wurde die alte Kirche auf dem Winterberg wegen Einsturzgefahr abgerissen. Das noch brauchbare Bauholz wurde für elf Gulden verkauft, wie der Dahner Pfarrchronik zu entnehmen ist.

Bis vor 70 Jahren im Frühjahr stellte sich den Pilgern das Winterkirchel als Ruine mit dem uralten Marienbild dar. Seit 1789 gab
Bis vor 70 Jahren im Frühjahr stellte sich den Pilgern das Winterkirchel als Ruine mit dem uralten Marienbild dar. Seit 1789 gab es 160 Jahre lang nur einen kleinen, offenen Gebetsraum. Beim Neubau der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg halfen viele Einwohner aus Erfweiler und Hauenstein tatkräftig mit.
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