Rheinpfalz Ein Michelin-Atlas aus den 70ern als Navi

Placeholder-Image

Rieschweiler-Mühlbach. Eine nostalgische Frankreich-Reise auf ruhigen Landstraßen, ohne feste Route, mit Zelt und Camping-Kocher: Das war die Idee von Gabi Paternoster. Angelehnt an das Buch „Drei Frauen im R4“ von Christine Weiner plante die Erzieherin eine beschauliche Tour in die Bretagne, mit zwei Freundinnen in einem 30 Jahre alten R4. Konsequent umgesetzt hat sie den Plan im Sommer 2016. Einen Strafzettel für zu schnelles Fahren konnte die Beschaulichkeit indes nicht verhindern.

„Am Ende waren es nur zwei Frauen im R4“, korrigiert Gabi Paternoster, die in der Rieschweiler-Mühlbacher Kita arbeitet, das Motto ihrer Tour. Die Absage einer Freundin stand dem Projekt jedoch nicht im Wege. Eher hätte ein Defekt am Motor es kippen können. Aber den beseitigte Gabi Paternosters Mann Anton gerade noch rechtzeitig. „Am Freitag hat er den Motor wieder eingebaut, samstags war die Probefahrt, und am letzten Sonntag im August ging’s dann los“, erzählt sie gemeinsam mit ihrer Begleiterin Doris Pfeifer. Im Handschuhfach lag statt des Navigationsgerätes ein Michelin-Atlas aus den 1970er Jahren, daneben ein ebenso historischer Reiseführer. Beides perfekt für das Ansteuern diverser Schlösser entlang der Loire, aber nicht ideal bei der Suche nach heutigen Hotels. Das zeigte sich gleich beim ersten Stopp in Chaumont, wo viele Betriebe sonntags ihren Ruhetag hatten. „Auf der Fahrt haben wir uns Hotel-Übernachtungen gegönnt; am Ziel blieb es ohne Diskussion beim Zelt“, erläutert Doris Pfeifer. Dabei hätte ein Leck in der Luftmatratze genügend Anlass für solche Erörterungen geliefert, ging das Polster doch im Lauf der Nacht regelmäßig verloren. Ob es der Rotwein war, die Erinnerungen an frühere Camping-Urlaube mit der Familie oder das Picknick mit Brot und Käse am Strand: die beiden End-Fünfzigerinnen wichen nicht vom Konzept ab. Camper-Nachbarn in St. Gildas auf der Halbinsel Rhuys schien das zu imponieren – zumal sie die Erwartung eines Wiedersehens im kommenden Jahr aussprachen. Die beiden Oldtimer-Fans galten als Exoten, „aber sicher nicht wegen des R4“, wirft Gabi Paternoster ein. Vielmehr seien sie die einzigen gewesen, die tatsächlich ein Zelt aufbauten. Andere Camper genossen den Komfort von Wohnmobil oder Caravan. „Das Besondere ist es doch, unmittelbar draußen zu sein, auf dem örtlichen Markt einzukaufen und das Flair der Region aufzunehmen“, schwärmt Gabi Paternoster für die rustikale Variante ohne Kühlschrank. Früher, bei Reisen mit Kindern und Gepäck, sei es noch eine logistische Herausforderung gewesen, auch die Grundausstattung zum Kochen ins Auto zu bekommen. Diesmal waren Restaurantbesuche ebenso wenig tabu wie das Notfall-Handy, über das Anton Paternoster kleine Tipps zur Auspuff-Nachbefestigung und zum morgendlichen Start durchgab. Klaglos hielt der R4 die 2000 Kilometer durch und rollte am Ende so flott, dass die beiden Frauen noch einen Strafzettel für Tempo 70 erhielten. „Da hab ich in einer Ortschaft nicht aufgepasst“, meint Gabi Paternoster und führt die sorgsam renovierten Häuserfassaden als Entschuldigung an, die sie ablenkten. Auch beim Stopp auf der Rückreise, in einem Dorf bei Le Mans, war sie fasziniert von der Mühe, mit der historische Substanz wieder zum Glänzen gebracht wurde. „Dort gab es nichts mehr, kein Geschäft und keine Bank. Aber ein bodenständiges Hotel und ein liebevoll zubereitetes Frühstück.“

x