Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Das „Hornroh “ Modern Alphorn Quartett begeistert in der katholischen Kirche

Das Alphorn Quartett aus der Schweiz im Einsatz.
Das Alphorn Quartett aus der Schweiz im Einsatz.

Diese Klänge hat man in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Herxheim wohl noch nie vernommen: Nicht die Orgel dröhnt in den ehrwürdigen Mauern, sondern die urtümlichen Töne von Alphörnern sind zu hören – schallgewaltig, faszinierend, aber auch irritierend.

„Hornroh“ heißt das „Modern Alphorn Quartett“, das im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz zum Abschluss einer kleinen Tournee in Herxheim auftritt. Natürlich kommen die vier Vollblutmusiker aus der Schweiz. Sie haben auch schon in der Royal-Albert-Hall in London und in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles gastiert. Jetzt also: Herxheim.

Das Wort Hornroh ist ein Palindrom, es lässt sich von zwei Seiten lesen. Und zwei Seiten hat auch die Musik, die an diesem frühen Abend zu hören ist: Einerseits sind die traditionellen Wurzeln der Alphornmusik unverkennbar, auf der anderen Seite mischen sich moderne Klänge, Dissonanzen, ungewohnte Rhythmen ein. Diese Musik „fordert unsere Hörgewohnheiten heraus, eröffnet aber gleichzeitig Raum für neue (und alte) Erfahrungen“, heißt es im Programmheft. Wer sich also auf gefällige Folklore eingestellt hat, wird enttäuscht sein.

Zu Beginn ist man irritiert

Irritierend schon der Beginn: Ein reiner Klang erfüllt den weiten Kirchenraum ganz und gar. Aber wo kommt er her? Die erwartungsfrohen Zuhörer – es sind etwa 250 – drehen sich um. Nichts zu sehen. Nur im Altarraum ein einzelner Alphornspieler, Michael Büttler. Erst nach einer Weile gehen Balthasar Streiff, Jennifer Tauder-Ammann und Lukas Briggen mit ihren gewaltigen Holzinstrumenten wie in einer feierlichen Prozession nach vorne in den Altarraum und treiben weiter ihr Spiel zwischen Wohlklang und Dissonanz.

In diese neue alte Alphorn-Welt kann man sich im Lauf des Abends einhören, humorvoll geführt von Balthasar Streiff (dessen Moderation allerdings aufgrund der halligen Kirche nur Leuten in den ersten Reihen verständlich ist). „Buuchriiberli“ ist so eine Eigenkomposition, die ganz aus der älplerischen Tradition kommt – beim Tanzen reiben sich die Bäuche aneinander! – und doch neu interpretiert wird. Ein perlender Klangteppich wird im Stück „Traumhorn“ ausgebreitet. Aus ihm steigt eine traumhafte Melodie und schwebt durch den Raum. Lautmalerisch mischen sich Krähenkrächzen und Kuhgemuhe ein. Und staunend sieht man dabei auf Jennifer Tauder-Ammann: Sie spielt mit zwei Hörnern gleichzeitig.

Keineswegs nur Alphorn

Aber die vier Ausnahmemusiker aus Basel können nicht nur Alphorn. Der Büchel (das ch ist als schweizerischer Kehllaut auszusprechen) ist eine kurze, trompetenartig geschwungene Variante des Alphorns: Der Ton nimmt sozusagen zwei Kurven, bevor er zu hören ist. Beim Stück „Büchelei Nr. 4“ fühlt man sich an Fanfarensignale erinnert. Das Grello, eine Art Kastagnette, klopft den Takt dazu. Einen Ausflug ans Meer unternimmt das Quartett, als es auf großen Muschelhörnern erstaunliche Harmonien zaubert. Auch ein Kuhhorn kommt zum Einsatz und jammert melodisch in den höchsten Tönen.

Das Publikum ist begeistert

Ein Höhepunkt des Programms ist der „Siebenthaler Kuhreigen“, eigentlich ein altes Kuhhirtenlied aus dem Berner Simmental. Balthasar Streiff bläst auf dem Alpofon, einer Hornvariante, die wie ein riesiges Saxofon aussieht; klar und hell klingt es oder dumpf und urig wie ein Didgeridoo. Dazu ertönt ein Lied aus dem hinteren Kirchenschiff. Es ist Jennifer Tauder-Ammann, die langsam nach vorne geht, und deren starke betörende Stimme das Publikum in ihren Bann zieht.

„Sie haben einiges an Klängen geschluckt,“ lächelt am Ende des Konzert Balthasar Streiff und bedankt sich dafür bei den Zuhörern. Die sind spürbar begeistert über das ungewohnte Hörerlebnis, trampeln auf den Kirchenboden und applaudieren, bis die Hände wehtun.

x