Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Spitze noch in Sichtweite für die deutsche Mannschaft

Hendrik Wagner nimmt am Sonntag Maßim Spiel gegen Schweden.
Hendrik Wagner nimmt am Sonntag Maßim Spiel gegen Schweden.

Drei Siege in der Vorrunde, drei Niederlagen bisher in der Hauptrunde. Für die coronageplagte deutsche Mannschaft geht es am Dienstag (18 Uhr, ZDF) gegen Russland um ein anständiges Ende bei der EM.

Aber die Lage bleibt sehr angespannt. Am Montagmorgen kamen zu den bisher 13 Corona-Fällen bei den Spielern zwei weitere dazu. Nun wurden Simon Ernst (SC DHfK Leipzig) und Patrick Wiencek (THW Kiel) positiv auf das Virus getestet. Zudem erwischte es ein Delegationsmitglied. Vier weitere Spieler haben die Heimreise angetreten: Kai Häfner und Timo Kastening von der MT Melsungen sowie Marcel Schiller und Sebastian Heymann aus Göppingen. Neue Spieler aus der Heimat kommen nicht mehr. Wie das Virus in die Truppe gelangte, das kann keiner beantworten. Alle rätseln. „Es ist für alle eine Grenzerfahrung. Solche Dinge hat niemals jemand erlebt“, sagte DHB-Vorstand Kromer.

Nur noch vier dabei vom Anfang

Aus dem ursprünglich nominierten Kader sind nur noch Kapitän Johannes Golla, Julian Köster, Philipp Weber und Lukas Zerbe dabei. Auch gegen Schweden, wie schon gegen Norwegen, hielt das zusammengewürfelte Team ohne Training lange mit – und verlor am Ende doch klar. „Wir haben nicht das Maximum an Qualität abgerufen. Ich bin happy, dass wir das Maximum an Emotionalität und Kampfgeist gezeigt haben“, sagte Axel Kromer.

„Wir haben uns lange gut verkauft. Es wäre ein bisschen mehr drin gewesen gegen Schweden“, sagte Paul Drux. Er hat in der Nacht im Hotelzimmer American Football geschaut: „Das war so spannend, dass ich nicht mehr dazu gekommen bin, über das Spiel nachzudenken.“ Drux blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Für viele war es ihr erstes Turnier. Man kann sich freuen, was da noch kommt. Das macht Mut. Wenn wir so zusammenbleiben, können wir eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen.“

Aufsteiger Köster

Der Aufsteiger im deutschen Team heißt Julian Köster vom VfL Gummersbach. Wie erfrischend mutig und wie unbekümmert der 21-Jährige auftrat, sich die Würfe nahm. „Was ich mitnehme? Es geht weiter. Irgendwann belohnt man sich dann auch mal.“

Mit einem Sieg gegen Russland am Dienstag kann die deutsche Mannschaft mit ihren vielen Nachrückern den vierten Platz in der Hauptrundengruppe II belegen, was auf Rang sieben oder acht im Abschlussklassement hinauslaufen würde.

Ein Blick auf das Abschneiden der vergangenen Jahre: Bei den Olympischen Spielen in Tokio kam das Aus im Viertelfinale. Bei der WM in Ägypten sprang nur Rang zwölf heraus. Bei der letzten EM gab es Platz fünf. Ob die deutsche Handball-Nationalmannschaft nur noch zweitklassig sei, wurde Axel Kromer gefragt. „Wir können zugeben, dass wir bei den letzten Turnieren nicht in die Nähe der Medaillenränge gekommen sind, was unser Ziel wieder sein muss. Aber dass wir uns nicht in der ersten Klasse befinden, das sehe ich nicht so.“

Neustart nach Olympia

Kromer erklärte: „Wir haben einen Neustart nach Olympia eingeleitet. Wir sind auf dem Trichter, dass wir da den richtigen Nerv getroffen haben. Bei den Ergebnissen sind wir auf einem guten Weg, wenn ich auf die Vorrunde schaue. Die Mannschaft verkauft unseren Sport wunderbar. Sie ist seit 1. Januar noch einmal einen großen Schritt vorangekommen.“

Seine „Achterbahnfahrt“ verkraftet hat Hendrik Wagner von den Eulen Ludwigshafen, der nach zwei negativen PCR-Tests gegen Schweden einen Kurzeinsatz hatte. „Mir geht es sehr gut. Man hat mir angesehen, dass ich ein bisschen fertig war. Klar habe ich Luftprobleme gehabt. Aber das ist wohl normal, wenn man sieben Tage auf dem Zimmer saß“, meinte er.

Auch Schweden ist jetzt betroffen: Andreas Palicka und Felix Claar erhielten positive Testergebnisse. Sie fehlen im entscheidenden Spiel um den Halbfinal-Einzug am Dienstag (20.30 Uhr) gegen Norwegen.

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