Fußball
Südpfälzerin debütiert bei den Männern: „Jana, übertreib es nicht“
Etwas ungewohnt war es für Jana Rasch dann doch. Denn auf der offensiven Außenbahn ist die Verbandsliga-Fußballerin des FFV Fortuna Göcklingen nicht beheimatet. Rasch ist gelernte Innenverteidigerin. Nach der Halbzeitpause kehrte Sie in die Defensive zurück. „In der zweiten Halbzeit habe ich Außenverteidigerin gespielt, da fühle ich mich wohler“, sagt Rasch. Dass ihre Position für sie das Ungewohnteste war, sagt viel über die 1,68 Meter große Fußballerin aus Freckenfeld aus. Denn das beschriebene Spiel in ungewohnter Offensivrolle war keines ihrer Verbandsliga-Frauen, sondern ein Männer-Spiel in der C-Klasse.
Dank eines Zweitspielrechts kickte Rasch kürzlich für die zweite Mannschaft des FC Insheim auswärts in Schaidt gegen den Ball. Gastgeber war die SG Schaidt/Schweighofen/Kapsweyer. Rasch ist wohl die erste Frau, die bei einem Herrenspiel in der Südpfalz auf dem Platz stand. „Es war witzig, ich bin großer Fan der Insheimer“, zieht die 22-Jährige ein Fazit.
Kooperation zwischen den beiden Vereinen
Rasch schaut häufig bei Spielen der Insheimer zu. Dazu trainieren die Göcklinger Frauen auf dem Platz in Insheim, zwischen dem FFV und dem FC besteht eine Kooperation. „Da war immer Kontakt zwischen den Vereinen“, erklärt Insheims Trainer Marius Trauth. Und dann trat vor dem Spiel in Schaidt ein Problem auf, was viele Amateurclubs kennen: Insheim hatte zu wenige Spieler für den Kader.
„Unser Sportvorstand Thomas Rinck kam auf die Idee mit Jana“, schildert Trauth. Rasch hatte – nach einer Verletzung an der Hüfte – bereits bei den Insheimer Männern mittrainiert. Noch am Donnerstag ging die Anfrage zur Passfreigabe an den Verband, am Freitagabend stand die 22-Jährige schon auf dem Feld. „Wir fanden das super in der Mannschaft, wir sind da offen. Das ist eine super Sache, dass der Verband das erlaubt“, betont Trauth. Auch von den Gegner habe es keinerlei kritische Stimmen gegeben, dass eine Frau mitkickt.
„Am Ende wurde ich umgegrätscht“
Die nahm sich vor dem Anpfiff selbst etwas zurück: „Ich habe mir gesagt: Jana, übertreibe es nicht mit deinem Einsatz. Am Ende wurde ich umgegrätscht“, sagt sie und muss lachen, denn – typisch Verteidigerin – erklärt sie: „Ich mag die körperliche Spielweise.“ Mit ihrem jeweiligen Gegenspieler hatte sie direkt den Austausch gesucht, klassische Sprüche auf dem Platz inklusive: „Ich habe ihm gesagt, er soll bei dem Wetter nicht so viel rennen“, sagt Rasch, die selbst in der Jugend viele Jahre in Jungs-Mannschaften mitkickte. „Es sollte eigentlich egal sein, ob da eine Frau oder ein Mann spielt. Es gibt eine Handvoll, die das stört. Wenn sie sich gekränkt fühlen, dann solle sie sich eben beweisen“, erklärt sie im ernsten Ton.
Auf dem Platz wurde es trotzdem laut. „Sie war eine der wenigen, die Kommandos gegeben hat. Das wurde auch außerhalb des Platzes positiv hervorgehoben. “, beschreibt Trauth. Rasch ist es gewohnt, Kommandos zu geben. „Innenverteidigerin eben“, sagt sie und erklärt: „Ich habe versucht, Ordnung reinzubringen. Das habe ich mit dem Trainer davor auch offen angesprochen.“ Auch hier kommt ein typisches Amateurfußball-Problem zutrage: Oft spielen Mannschaften in unterschiedlicher Zusammensetzung, so auch Insheim. „Jana hat eine ganz andere taktische Ausprägung, die Einstellung, wie Fußball gespielt wird, das ist bei ihr viel höher als bei uns in der C-Klasse. Dazu hat sie eine bessere Technik. Sie hat versucht, alles spielerisch zu lösen“, vergleicht Trauth die Fähigkeiten seiner Truppe mit der Verbandsliga-Fußballerin. „Der Unterschied zu den Männern liegt im Tempo, wären wir körperlich genauso, dann würden wir gewinnen“, mutmaßt Rasch.
Weitere Spiele bei den Männern in der Zukunft?
Rasch hat in den 90 Minuten Eindruck hinterlassen, auch wenn sie die deutliche 4:10-Niederlage gegen Schaidt nicht verhindern konnte. „Wir wären immer bereit, Sie spielen zu lassen, wenn es mit ihrem Verein passt. Wir können uns das als Mannschaft generell vorstellen, Spielerinnen einzusetzen“, hält Trauth die Tür auf. Rasch ist nicht abgeneigt: „Ich wurde schon gefragt, ob ich wechsle.“ Das Interesse am Männerfußball ist da, einige Mannschaftskolleginnen von ihr hätten schon nachgefragt. Noch sieht Rasch ihre Zukunft in der Verbandsliga, will abwarten, wie die neue Saison nach ihrer Verletzung läuft: „Aber wenn ich viel auf der Bank sitze, könnte ich in Insheim spielen, als Außenverteidigerin.“