Radsport
Magenweh und „megahöfliche Menschen“: Pfälzer Sextett erlebt Asien
Erst fiel Henric Hackmann mit heftigen Magen-Darm-Problemen aus und sah in Hongkong außer seinem Hotelzimmer – nichts. Dann zog sich Luca Spiegel bei einem heftigen Sturz im Keirin eine Gehirnerschütterung zu und sah in Nilai/Malaysia außer seinem Hotelzimmer – nichts.
Die coolste Erfahrung, die Spiegel auf der Asienreise mit dem Team von German Cycling machte, war wohl, dass „die Mannschaft so ziemlich von Pfälzerinnen und Pfälzern dominiert wurde“.
Mit Henric Hackmann und Alessa-Catriona Pröpster zu fliegen, zu essen, zu trainieren – das kennt der gebürtige Landauer aus der Abteilung Sprint, die zudem von Bundestrainer Jan van Eijden aus Kaiserslautern betreut wird, wirklich zur Genüge. Nun aber mischten Messane Bräutigam, Magdalena Leis und Hannah Kunz in der Abteilung Ausdauer mit. Ein Sextett aus der Pfalz auf der Reise zu zwei Weltcups – außergewöhnlich.
Einer krank, einer stürzt
„Außer Rennbahn und Hotel habe ich nichts gesehen“, sagte Spiegel deprimiert. Durch die Krankheit von Henric Hackmann platzte das Teamsprinttrio in Hongkong, und weil Spiegel im Keirin schwer stürzte, kam er auch in Malaysia nicht auf die Beine. Wieder blieb das Trio arbeitslos. „Es klappte mit der Belastung nicht so wie ich wollte. Wir entschieden, dass ich in Malaysia keinen Meter fahre“. Am Montag flog er mit Freundin Lara Gillespie direkt in deren irische Heimat, um sich dort für zwei Tage „ein bisschen zu erholen“. Seinen 22. Geburtstag wird Spiegel nicht so schnell vergessen. Er hätte gerne mehr erlebt. Nur: Kopfschmerzen bei 35 Grad und gefühlten 100 Prozent Luftfeuchtigkeit waren ziemlich unangenehm.
Ein Jahr älter wurde in Nilai Henric Hackmann. Eine Feier gab es nicht, nur Donuts und Luftballone vom Team. Er wollte es dezent halten und sich auf die Wettkämpfe konzentrieren. Und die liefen in Malaysia super. „Hacki“ fuhr Bestzeit und war Fünftschnellster im Sprint, gewann zwei Keirinläufe und wurde am Ende Sechster im Weltklassefeld. Vergessen waren die „megakacke“ Tage und Nächte im Hotelbett in Hongkong, wo er gutgelaunt angekommen war, aber schon in der ersten Nacht sich viermal übergeben musste.
Aus der Trainingsgruppe von Frank Ziegler erging es Alessa-Catriona Pröpster (25) noch am besten. Nicht nur, weil sie sich so sehr auf das Lachs-Sashimi in Hongkong freute, auch sportlich lief es vielversprechend. Immerhin lag sie noch vor fünf Wochen mit akutem Nierenversagen flach. Sie erreichte unter 42 Starterinnen in Hongkong das Keirin-Halbfinale, wurde am Ende Zwölfte: „Ich bin schon stolz. Aber sechs Läufe an einem Tag, da war ich mit der Erholung nicht da, wo ich sein wollte.“ Plötzlich fuhr auch wieder ihr kapitaler Keirin-Sturz von London 2023 mit. „Lucas Sturz hat das Ganze noch mal aufgewühlt“, sagte sie nach dem kleinen Finale. „Ich bin fein mit der Asienreise, nehme viel Selbstbewusstsein mit heim“, ergänzte sie. Nur eines will sie schnell vergessen: den kleinen Markt auf dem Fußweg zur Radrennbahn mit offenen Fleischtheken – in der knallen Sonne. „Ein sehr spezieller Geruch, den muss man mögen“. Oder eben nicht.
Eine völlig unbekannte Kultur
Außer Messane Bräutigam, die im Elsass ihre Schullaufbahn absolvierte, bauten alle ihr Abitur am Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern. Zuletzt im März Magdalena Leis aus Dansenberg, die im ersten Jahr für das UAE Developement Team ADQ fährt. Am Samstag belegte sie beim Gran Premio Della Liberazione in Rom den überragenden zweiten Platz. Für dieses Straßenrennen war sie bereits nach dem Bahn-Weltcup in Hongkong abgereist – mit überwältigenden Eindrücken: „Ich war zum ersten Mal außerhalb von Europa unterwegs. Kulturell war das wirklich was ganz anderes für mich. Eine tolle Erfahrung zu sehen, wie die Menschen dort leben, wie megahöflich und super zuvorkommend sie sind.“
Den Tag vor der Abreise nutzte sie mit einer Freundin für ein kleines Shopping und um „raus aus der Innenstadt mit den 40-stöckigen Hochhäusern und rein in die Natur“ zu fahren. Die 18-Jährige konnte mit den beiden Läufen im deutschen Vierer extrem zufrieden sein – als junges Team wurden sie Fünfte gegen große Nationen mit deren Stars. Mit großem Selbstvertrauen steuert sie der Bahn-EM im Juli in Cottbus entgegen. Sie wird die Herausforderung zwischen Straßen- und Bahnwettbewerben annehmen.
Genau wie Messane Bräutigam (20) aus Bad Bergzabern, die auf der Asienreise der Motor im deutschen Vierer war, und Hannah Kunz (21) aus Baumholder, die in Nilai für Magdalena Leis im Vierer eingesetzt wurde.
