Handball
Kreative Eulen Ludwigshafen lassen sich nicht unterkriegen
Die Zuschauer in der Friedrich-Ebert-Halle staunten Mitte der ersten Halbzeit nicht schlecht. Die Eulen Ludwigshafen waren in Überzahl. Da kam Linksaußen Kian Schwarzer von der Bank, suchte sich ein Plätzchen im Rückraum und wechselte zügig an den Kreis. Vorsprung durch Technik? Vorsprung durch Kreativität! Das Wechselspiel sorgte für Verwirrung. Kian Schwarzer machte eines seiner besten Spiele für die Eulen, erzielte sechs Tore aus sechs Versuchen.
„Ich habe mit Marc-Robin Eisel in Zweibrücken oft am Kreis gespielt. Deswegen dieser Übergang von mir an den Kreis. Das Gefühl ist noch da, aus der Zweibrücker Zeit. Er hat gesagt, er möchte mit mir die Überzahl spielen, das hat auch super geklappt“, erklärte Schwarzer. „Jeder wird überall gebraucht in so einer Situation. Und wenn jeder alles gibt, dann kommen auch so Ergebnisse zustande.“
Haaß beeindruckt
Trainer Michael Haaß zeigte sich „beeindruckt“ von der Leistung seiner Mannschaft. Als Haaß im Herbst sich zum ersten Mal mit den Eulen beschäftigte, plante er im Tor mit Mats Grupe, im Rückraum mit Vincent Bülow, Nicolas Waldvogel, Mihailo Ilic und dem aufstrebenden Friedrich Schmitt. Sie alle saßen am Mittwoch: verletzt direkt hinter der Ersatzbank. „Wie die Jungs damit umgegangen sind, ist einfach Wahnsinn. Wir brauchen auch nicht über Taktik reden, wenn die Jungs das über Mentalität schaffen“, resümierte der Trainer. René Zobel und Matteo Menges spielten, obwohl sie zuvor keine Trainingseinheit mit der Mannschaft hatten. Aus dem HLZ rückten neben Lennart de Hooge noch Marcel Reis und Frederik Zepp in den Kader, Reis half in der Abwehr kräftig mit.
Gut, dass sich Matteo Menges traute. Dormagens Trainer Julian Bauer pries den quirligen Rückraumspieler so: „Dann ist es Matteo Menges gewesen, den wir nicht in Griff bekommen haben.“ Der 21-jährige Menges wechselte im Dezember vom Ligakonkurrenten HSC 2000 Coburg nach Ludwigshafen und bringt eine völlig andere Not ins Spiel der Eulen. Er ist antrittsschnell, kann blitzartig die Richtung ändern, ist von den Abwehrreihen zuweilen nur schwer zu greifen. Die Eulen haben jetzt einen „Speedy Gonzales“ in ihren Reihen. „Heute sind wir im Angriff eher über die schnellen Beine und das Eins gegen Eins gekommen. Es mussten eher die Kleineren ran. Aber das sah gut aus“, sagte Matteo Menges. Sein Eindruck: „Ich komme immer besser rein in die Mannschaft, jedes Spiel bringt mich nach vorne.“
Wieder eine Handschrift
Ein Lob dem Trainer. Was Michael Haaß tut, hat Hand und Fuß. So gönnte er den Leistungsträgern früh das eine oder andere Päuschen, weil er wusste, dass er sie am Ende braucht. Das Eulen-Spiel hat wieder eine Handschrift, manchmal ist auch eine Schönschrift erkennbar – wie beim Kempa-Trick kurz vor der Pause und dem Tor von Finn Leun.
Mit diesem Sieg wahrten die Eulen den Acht-Punkte-Abstand auf den Vorletzten, die HSG Krefeld Niederrhein und verbesserten sich auf den 13. Platz. Der Sieg tat gut und nimmt der Mannschaft ein bisschen den Druck vor den großen Aufgaben in den nächsten Wochen. Denn nun kommen ausnahmslos Schwergewichte. Am Sonntag (17 Uhr) gastiert der Spitzenreiter SG BBM Bietigheim in der Friedrich-Ebert-Halle, die folgenden Gegner heißen HBW Balingen-Weilstetten, VfL Eintracht Hagen und HC Elbflorenz Dresden.