Handball
Eulen Ludwigshafen brauchen im Krimi 180 Sekunden
Wenn der Blick kurz vor dem Spiel während der Vorstellung der Eulenspieler auf der Videoleinwand hängen bleibt, wird klar, auf wen die Gastgeber gegen Dormagen verzichten müssen: Neben den Dauerverletzten Vincent Bülow und Nici Waldvogel fallen mit Friedrich Schmitt, Mihailo Ilic und kurzfristig Mats Gruppe (Zerrung im Hüftbeuger) fünf Stammspieler aus. Eulen-Trainer Michael Haaß muss einmal mehr umstellen. „Zumindest haben sich René Zobel und Matteo Menges ein Tag vorher einsatzbereit gemeldet. Sie waren vorher aber nicht im Training“, wird der Eulencoach nach dem Spiel sagen. Eine gute Vorbereitung sieht anders aus.
Die Initiative des Ein-Euro-Spieltages bescherte den Eulen zumindest eine beeindruckende Besucherzahl für das Nachholspiel unter der Woche: 1939 Zuschauer haben sich in rote Kleidung gehüllt, um den Handball-Zweitligisten zu unterstützen. Und der hat es bitter nötig. Der 37:33 (18:16)-Erfolg trügt auch in der Höhe ein wenig darüber hinweg, dass die Partie erst in den letzten 180 Sekunden entschieden wird.
Die zahlreichen Ausfälle bleiben nicht ohne Folgen. Die Gastgeber beginnen fahrig. Zwei unkonzentrierte Aktionen lassen Dormagen früh ins Spiel kommen. Den 1:3- Rückstand drehen die Eulen zum 4:3. Dann der Schock: Nach einem eher unspektakulären Foul an Peter Strosack sieht Leon Hein die Rote Karte – Eulen-Trainer Michael Haaß fehlt die nächste Option. Beim 7:9-Zwischenstand nimmt er die erste Auszeit, es wirkt: zwei Paraden von Ziga Urbic und die Eulen liegen 10:9 vorn. In der aufgeheizten Atmosphäre, für die vor allem die zwei Schiedsrichter Lukas Schwarzmeier und Béla Stewen verantwortlich sind, sieht Haaß nach seiner lautstarken Kritik an den Unparteiischen die Gelbe Karte. „Ich musste in dieser Phase auch ein Statement setzen“, erklärt er später. Einer behält in der Hitze des Gefechts die Nerven: Ziga Urbic ist in Hälfte eins achtmal zur Stelle, einmal hält er einen Siebenmeter von Felix Böckenholt. Nach dem 16:16 legen die Eulen nach: erst das 17:16 und kurz vor dem Halbzeitpfiff das 18:16.
Guter Auftakt in Hälfte zwei
Und diesen kleinen Lauf nehmen die Gastgeber mit in die zweite Hälfte. Dank schneller Ballgewinne nach einfachen Fehlern der Dormagener Offensive steht es nach vier Minuten 23:18. Da sind auch die Eulenfans nach dem Wechselbad in der ersten Hälfte erst einmal beruhigt. Die Eulen-Abwehr steht, allerdings zeigt sich der Angriff fehleranfällig. Und so bleibt die Begegnung weiter eng. Eine Zwei-Minuten-Strafe übersteht der Gast ohne Gegentor. Die Gastgeber führen nur noch 26:24, kurze Zeit später verkürzt Dormagen auf 27:26. Gleiches Recht für Alle: Auch Gästetrainer Julian Bauer sieht nach Kritik die Gelbe Karte.
Dormagen wechselt in der Schlussphase konsequent den siebten Feldspieler ein, schafft immer wieder Überzahl. Der Eulen-Vorsprung schmilzt auf 32:31. „Das war ein kniffliger Moment. Aber die Mannschaft hat Biss gezeigt“, lobt Haaß seine Auswahl. Kapitän Freddy Stüber hat seinen eigenen Blick: „Nein, ich hatte keine Angst, dass das kippt. Ich hatte Vertrauen in das Team. Dann hat halt jemand einen Moment, ob es eine Parade ist oder ein wichtiger Schlagwurf.“ Dennoch ist alles wieder offen.
Turbulente Schlussphase
Die turbulenten letzten drei Minuten: Erst sticht Urbic wieder zu und bestätigt das Vertrauen seines Kapitäns, Matteo Menges trifft zum 34:31. Es folgt ein Doppelpack von Kian Schwarzers: 36:32 105 Sekunden vor Schluss. Es ist die Entscheidung. Dormagens junge Mannschaft muss der Lautstärke der Halle und den eigenen Nerven Tribut zollen. „Ich bin enttäuscht. Wir haben es nicht geschafft, über 60 Minuten eine Abwehr gegen die Eulen zu stellen. Matteo Menges haben wir nicht in den Griff bekommen“, hadert Domagens Übungsleiter Julian Bauer. Die Eulen ziehen auf 37:32 davon, das letzte Gegentor ändert nichts mehr am Erfolg.
„Wir müssen jetzt schauen, dass wir die Woche zu Ende bringen und dann regenerieren“, schaut Haaß bereits auf das Spiel gegen Bietigheim (Sonntag, 17 Uhr). Der Tabellenführer wird eine andere Hausnummer. Und die Anzeige auf der Videotafel dürfte sich wenig ändern.