Fussball
WM-Kader für Katar: Ein Teenager jubelt, zwei Routiniers trauern
Als wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte. Am Mittwoch trumpfte Mario Götze mit seiner Rasselbande groß auf, brillierte mit einem Hackentrick im Mittelfeld und landete mit Eintracht Frankfurt ein 4:2-Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim.
Kurzum: Mario Götze ist erstmals seit 2017 wieder im Kader der deutschen Nationalmannschaft, und Bundestrainer Hansi Flick begründete das wie folgt. „Ich glaube, dass wir alle wissen, dass Mario ein genialer Fußballer ist, der in den letzten Spielen auf ganz hohem Niveau gespielt hat. Er ist topfit, kann auch dreimal die Woche über 90 Minuten gehen – das ist eine gute Voraussetzung“, betonte Flick und schwärmte von des Weltmeisters „Gedankenblitzen“.
Jung und Alt im Sturm
Youssoufa Moukoko oder Niclas Füllkrug? Das große Talent oder der abgebrühte Torjäger? Flick beantwortete die Frage, indem er den 17-jährigen Dortmunder und den 29-jährigen Bremer nominierte. Jünger als Moukoko war bisher kein Akteur in einem deutschen WM-Aufgebot. Der junge Mann zeigte sich glücklich, ja überwältig, als er die frohe Kunde erhielt. Moukoko ist einer der Auserwählten, weil mit Timo Werner von RB Leipzig ein Stammspieler im deutschen Sturm ausfällt. Und am Dienstag verletzte sich ja auch noch der Wolfsburger Lukas Nmecha.
Mats Hummels sehr enttäuscht
Nicht alle waren froh gestern in Dortmund. Mats Hummels (33) und der erneut nicht gesunde Pechvogel Marco Reus (33) gehören nicht zum 26 Spieler umfassenden Aufgebot. Hummels sprach nach Flicks Auftritt im DFB-Campus von der bisher größten Enttäuschung seiner Karriere. Der Dortmunder Routinier hatte sich nach starken Leistungen Hoffnung gemacht auf eine Rückkehr ins deutsche Team, wie Mario Götze gehörte er der Mannschaft an, die 2014 in Rio de Janeiro Weltmeister wurde. „Wir haben uns im Trainerteam Gedanken gemacht, wie wir den Kader zusammenstellen. So eine WM-Erfahrung zu haben, ist für die Zukunft richtig gut und wertvoll. Mats ist in hervorragender Form und er ist topfit, er hat Dortmund viel gegeben. Wir haben aber auch die Zukunft im Blick und uns nicht gegen Mats, sondern für einen jungen Spieler entschieden“, erklärte Hansi Flick. Und dieser junge Spieler ist Armel Bella Kotchap, der beim VfL Bochum auf sich aufmerksam machte und nun in der Premier League beim FC Southampton spielt.
Flick bedauert Aus von Reus
Hansi Flick, weißes Hemd, schwarzer Anzug, assistiert von seinem Trainerteam im Saal, darunter auch Hermann Gerland, bedauerte das Aus von Marco Reus aufrichtig. „Er hat alles probiert. Es tut uns einfach weh, weil wir seine Qualität gut gebrauchen können“, sagte der Bundestrainer. „Ich habe schon oft gesagt, wie sehr ich ihn als Fußballer schätze. Mit seiner Gabe, die er gerade im letzten Drittel hat, tut er jeder Mannschaft gut. Er wird uns fehlen.“ Reus verzichtete aus freien Stücken auf die Europameisterschaft im vergangenen Jahr, weil er sich nicht topfit fühlte, die Weltmeisterschaft 2014 verpasste er, weil er sich im letzten Testspiel in Mainz gegen Armenien unmittelbar vor dem Abflug verletzte.
Sieben Bayern-Akteure
Neben Torwart Neuer wird dessen Münchner Kollege Thomas Müller sein viertes WM-Turnier bestreiten. Der FC Bayern stellt mit sieben Spielern das größte Kontingent. „Die Gespräche waren sehr intensiv. Wir haben uns am Dienstag getroffen, wir haben viele Dinge durchgespielt. Wir haben es uns nicht einfach gemacht. Ich glaube, wir haben einen sehr guten Kader, den wir mitnehmen können“, betonte Hansi Flick.
Der DFB-Tross kommt nach den letzten Ligaspielen am Sonntag in Frankfurt zusammen. Einen Tag später fliegt die WM-Auswahl zunächst in den Oman, wo am Mittwoch (18 Uhr) noch ein Testspiel gegen den Gastgeber stattfindet.
Einen Tag später geht es weiter nach Katar ins WM-Quartier. Am 23. November startet die deutsche Nationalelf gegen Japan in die Weltmeisterschaft. Weitere Gruppengegner sind Spanien und Costa Rica. Das WM-Finale ist am 18. Dezember.
Hansi Flick sieht dieses Aufgebot gewappnet für den Trip.
