Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Eine turbulente Abschiedsparty für Uwe Gensheimer

Uwe Gensheimer verabschiedet sich.
Uwe Gensheimer verabschiedet sich.

Am Dienstag hat sich Uwe Gensheimer von 13.200 Zuschauern in der SAP-Arena verabschiedet. Es wurde ein stimmungsvoller Abend. Das All-Star-Team war großartig.

Eine Dreiviertelstunde nach dem Spiel ließen die Fans der Rhein-Neckar Löwen ihren Uwe Gensheimer noch einmal hochleben. „Uwe, Uwe“, riefen sie, so wie sie es jahrelang gemacht haben. „Wahnsinn“, entfuhr es Gensheimer, der 38-Jährige war sichtlich gerührt.

Dann noch eine Ehrenrunde, auf dem Feld, dann an den Tribünen vorbei, und dann war das Abschiedsspiel von Uwe Gensheimer vorbei, dann war die emotionale Abschiedsparty Vergangenheit. „The last spin“ lautete das Motto des Abends, den letzten Dreher vollführte auch der Linksaußen. 37:36 stand es für seine All-Star-Mannschaft im Match gegen die Rhein-Neckar Löwen, dann verwandelte der frühere Weltklasse-Linksaußen zum 38:36-Endstand. Die Zuschauer erhoben sich von ihren Plätzen, Uwe Gensheimer verabschiedete sich von seinen Kameraden, umarmte einen jeden. „Es war unglaublich, was hier los war. Ich wurde vom Adrenalin getragen“, resümierte er.

Und wer war nicht alles gekommen. Kim Ekdahl du Rietz hatte die längste Anreise, er kam aus Hongkong. Dort ist er Nationaltrainer. Wegen schlimmer Rückenbeschwerden wollte der Schwede absagen. „Aber Uwe hat nicht locker gelassen“, sagte der einstige Rückraumspieler.

Kim Ekdahl (links) war auch da, er kam eigens aus Hongkong.
Kim Ekdahl (links) war auch da, er kam eigens aus Hongkong.

Andy Schmid, Nationaltrainer der Schweiz, ein enger Freund Gensheimers, war zwei Wochen krank, aber auch er war am Dienstag in Mannheim. Alexander Petersson reiste aus Island an. Der Spaß stand im Vordergrund, aber die Nostalgiker bekamen glänzende Augen: Petersson, Schmid und Ekdahl du Rietz bildeten den legendären Rückraum, mit dem die Löwen 2016 erstmals deutscher Meister wurden. „Es war mir wichtig, hier zu sein“, betonte Petersson.

Der Weltmeister-Trainer gab sich die Ehre

Und schließlich: Nikolaj Jacobsen. Eine Sache der Ehre. Der Däne war am Sonntag zum vierten Mal in Folge Weltmeister mit seiner Mannschaft geworden, feierte zwei Tage – flog nach Deutschland, ohne vorher noch einmal zu Hause gewesen zu sein. „13.200 Zuschauer an einem Dienstagabend in der SAP-Arena, dann weiß man, wie viel Bedeutung Uwe hatte“, sagte er.

Der Weltmeister-Trainer lacht: Nikolaj Jacobsen.
Der Weltmeister-Trainer lacht: Nikolaj Jacobsen.

Der Coach nahm seine älteren Herrschaften, Weltmeister Christian Schwarzer war mit 55 Jahren der Alterspräsident, gleich mal in die Pflicht. „Ich habe seit einem Jahr nicht verloren“, sagte er zu seinen „Jungs“. Die Worte des Champions hatten Gewicht. „Ich habe hier vor 16 Jahren zum letzten Mal gespielt. Dementsprechend war das eine ganz tolle Sache“, sagte Christian Schwarzer.

Es war ein Spiel mit viel Klamauk. Torhüter Mikael Appelgren schien es am Anfang sehr ernst zu nehmen, zeigte einige Paraden, und auf einmal gab es den etwas anderen Spielzug. Die Löwen-Spieler nahmen sich an der Hand, tanzten Ringelreihen und Mikael Appelgren nahm sich dann den Wurf. Auch sein junger Kollege David Späth hatte sich etwas einfallen lassen. Er streifte sein Torhütertrikot ab, zum Vorschein kam ein Leibchen mit der Nummer 3, der Nummer von Uwe Gensheimer. David Späth trat zum Siebenmeter an, traf - und der Siebenmeterschütze David Späth jubelte ein bisschen so wie der Torhüter David Späth. Diesmal auf der anderen Seite: Andreas Wolff.

Ein bisschen Fußball

Ein paar Minuten in der zweiten Halbzeit spielte die Rasselbande Fußball, Marius Steinhauser schoss ein großartiges Tor aus spitzem Winkel, später probierten die Altstars waghalsige Kempa-Tricks.

War Uwe Gensheimer nun der größte (deutsche) Linksaußen bislang? Final geklärt werden konnte das nicht an diesem kurzweiligen Abend. „Er hat eine eigene Note ins Spiel gebracht, das Handgelenk war phänomenal“, lobte sein Weggefährte Steffen Weinhold. „Er hat den Handball noch einmal anders geprägt“, sagte Freund Martin Strobel.

Uwe Gensheimers Bilanz liest sich so: 17 Jahre in der Handball-Bundesliga, 435 Spiele, 2438 Tore, deutscher Meister, Pokalsieger, viermal Handballer des Jahres, Olympia-Bronze 2016 in Rio de Janeiro, Meister und Pokalsieger in Frankreich mit Paris Saint-Germain. Eine komplizierte Knieverletzung zwang ihn zum Karriereende, sein letztes Bundesliga-Spiel bestritt er am 30. Mai 2024 gegen den SC Magdeburg, er hat sich ein Jahr lang gequält, um noch einmal auf dem Feld zu stehen.

Lieder für den Star

Als Überraschung für den Publikumsliebling sang Rolf Stahlhofen „Meine Stadt“, Andreas Kümmert hatte sich „Rocket Man“ ausgesucht.

Noch im Kabinentrakt wurde der nichtöffentliche Teil des Abends gestartet, die Spieler wechselten danach in eine Location in Schwetzingen. „Open End“, gab die Löwen-Legende als Devise aus. Prominentester Grußbotschafter: Toni Kroos.

Jetzt hat Uwe Gensheimer die schwierige Aufgabe, als Sportlicher Leiter den neuen Löwen-Kader für die Zukunft zu bauern.

Langweilig wird es ihm nicht.

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