Fussball-EM RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Mannschaft wie Jekyll und Hyde

Bestreiten am Freitagabend das Eröffnungsspiel: die Türken mit Trainer Senol Günes und Hakan Calhanoglu (links).
Bestreiten am Freitagabend das Eröffnungsspiel: die Türken mit Trainer Senol Günes und Hakan Calhanoglu (links).

Mit der jüngsten und stärksten Mannschaft seit Jahren geht die Türkei am Freitagabend (21 Uhr, in Rom) in das Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft gegen Italien.

Die meisten Spieler im türkischen Aufgebot verdienen bei europäischen Spitzenmannschaften ihr Geld – nur einer der sieben nominierten Verteidiger spielt in der türkischen Süper Lig. Nationaltrainer Senol Günes peilt den Sieg in der Gruppe A an, in der die Türkei außer auf Italien auf Wales und die Schweiz trifft. Die Erwartungen sind hoch – doch Günes räumt ein, dass sein Team noch an einigen Schwächen arbeiten muss.

Die Turnierverschiebung als Vorteil

Die Verschiebung der EM in dieses Jahr könnte sich für die Türkei dabei als Vorteil erweisen. Die Pause gab Günes mehr Zeit, um jüngere Spieler ins Team einzugliedern. Dabei konnte er auf viel Erfahrung zurückgreifen. Der 69-Jährige, der älteste Trainer bei der EM, ist für den bisher größten internationalen Erfolg der Türkei verantwortlich: Bei der WM 2002 führte er die türkische Mannschaft auf den dritten Platz. Nun will Günes mit der Nationalmannschaft wieder ganz vorne mitspielen.

Leisten sollen das die erfolgreichen Legionäre aus europäischen Ligen, die das Rückgrat der Mannschaft bilden. In der Abwehr ruhen die Hoffnungen auf dem früheren Freiburger Caglar Söyüncü, der heute bei Leicester City spielt. Seine Karriere zeigt, wie sehr sich der türkische Fußball in den vergangenen Jahren verändert hat. Früher dominierten die „Großen Drei“ – die Istanbuler Vereine Besiktas, Fenerbahce und Galatasaray – die Laufbahnen der Profis. Der heute 25-jährige Söyüncü dagegen kommt aus der Jugendarbeit des Vereins Altinordu in seiner Heimatstadt Izmir an der Ägäis und ging ohne Zwischenstopp in Istanbul direkt ins Ausland.

Ein Mannheimer im Kader

Auch Mittelfeldstar Hakan Calhanoglu war noch nie bei einem der großen Istanbuler Klubs unter Vertrag. Der in Mannheim geborene Calhanoglu spielte in Karlsruhe, Hamburg und Leverkusen, bevor er 2017 zum AC Mailand ging. Nun sucht er einen neuen Verein – nach Medienberichten interessiert sich unter anderem Manchester United für den 27-Jährigen. Auch Mittelstürmer und Mannschaftskapitän Burak Yilmaz spielt im Ausland: Seine Tore verhalfen der Mannschaft von Lille OSC in der vergangenen Saison zur französischen Meisterschaft. Im Sturm wird der 35-jährige Veteran Yilmaz unter anderem von Söyüncüs Kollegen aus Leicester, Cengiz Ünder, unterstützt.

In der EM-Qualifikation zeigte Günes’ Truppe zeitweise, was in ihr steckt. Sie kassierte nur drei Tore und schlug Weltmeister Frankreich 2:0. In der Qualifikation für die WM 2022 besiegten die Türken die Niederlande mit 4:2. Doch in der Nations League 2020 waren die türkischen Auftritte durchwachsen. Die unsteten Leistungen sind ein Problem für Trainer Günes – das Fußballmagazin „Four Four Two“ kommentierte, die Türkei spiele wie „Jekyll und Hyde“.

Vorbereitung in Harsewinkel

Die letzte Vorbereitungsphase verbrachte die Mannschaft im nordrhein-westfälischen Harsewinkel, sie schlug Moldawien im letzten Vorbereitungsspiel in Paderborn mit 2:0. „Wir sind noch nicht bereit“, sagte Trainer Günes danach. Es gebe zu viele Ballverluste, dazu Schwächen in der Defensive und im Angriff. „Wir sind noch nicht auf dem Niveau, auf dem wir sein wollen“, schloss er.

Weil sich die Türkei vor allem gegen defensiv eingestellte Mannschaften schwertut, erwartet der prominente Sportkommentator Arda Alan Isik besonders in den EM-Spielen gegen Wales und die Schweiz Probleme für Günes’ Mannschaft. Und dann ist ein Plan B gefragt ...

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Foto: Imago Images/Beautiful Sports

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