Pferdesport
Britt Roth: So tickt die Sensationsreiterin aus der Südpfalz
Es blieb nicht bei dieser Überraschung für sie und ihren Wallach Jeffrey. Als die gesamte Familie Roth in der Nacht zum Sonntag gegen halb eins nach über vierstündiger Fahrt aus dem Sauerland in die Südpfalz an ihrem Stall in Freimersheim ankam, zierten bunte Luftballons das Tor des Salmhofs. Und als Britt Roth ihr Erfolgspferd Jeffrey in dessen Box stellte, war diese ebenfalls mit Luftballons, schwarz-rot-goldenen Wimpeln und einem Glückwunschbanner geschmückt: „Britt und JJ, ihr habt Balve gerockt!“
Die Stallmitarbeitenden und Freunde hatten am Samstag schnell reagiert, denn es war ja gerade erst ein paar Stunden her, dass sich Britt Roth und Jeffrey, genannt „JJ“, in Balve zu deutschen Vizemeistern im Springreiten der Frauen gekrönt hatten – komplett fehlerfrei in vier Runden. Eine Silbermedaille, die golden glänzt. „Wir haben nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen“, betont Britt Roth, die im Stechen mit insgesamt vier Amazonen in der Zeit nur ganz knapp hinter der deutlich erfahreneren Laura Klaphake (32) lag, die immerhin 2018 Mannschaftbronze bei der Weltmeisterschaft geholt hatte.
Völlig durchnässt zur Pressekonferenz
Laura Klaphake musste dafür – so ist es Brauch in Balve – in voller Montur bei der Siegerinnenehrung in den gut gefüllten Wassergraben, hineingeworfen von Britt Roth und Bronze-Gewinnerin Justine Tebbel. „Aber wir sind auch drin gelandet“, erzählt die junge Pfälzerin: „Es war dann keine Zeit, die Kleidung zu wechseln. Ich musste dann völlig nass zur Pressekonferenz und bin auch so die letzte Prüfung geritten.“
Alles auszuhalten an einem solchen Freudentag. Zumal es seitens der Bundestrainer noch eine dicke Überraschung obendrauf gab: Equipechef Ralf Runge eröffnete Britt Roth nach Absprache mit Chefcoach Otto Becker, dass sie in zwei Wochen innerhalb der europäischen Nationenpreisserie in Budapest für Deutschland reiten darf. Alles etwas viel auf einmal? „Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe“, antwortet DM-Debütantin Britt Roth und lächelt. Sie sieht diese Nominierung nicht nur als Belohnung für Balve, sondern auch die Wochen und Monate zuvor. Denn auf der Überholspur sind sie und ihr Jeffrey schon länger.
Dem dritten Platz bei der U25-DM vergangenes Jahr ließen sie nun in diesem Frühjahr in beeindruckender Weise die Mannheimer Qualifikation für den deutschen U25-Springpokal in Aachen und auch den fast schon obligatorischen Heimsieg beim Heimturnier in Zeiskam – sie startet für den RFV – folgen. Besonders gefreut hat die sehr fein reitende Britt Roth aber eine weitere Auszeichnung in Balve, nämlich eine Art Award für das harmonischste Pferd-Reiter-Team. Und das kommt nicht von nichts, denn Jeffrey und sich bezeichnet sie als „unzertrennliches Team“. Der Preis mache das auch nach außen sichtbar.
Harmonie im Reiterin-Pferd-Team
Als Jährling kam der Holsteiner auf den Salmhof, Britt Roth hat Jeffrey also komplett selbst ausgebildet – so wie das bei ihr und ihrem nicht minder talentierten jüngeren Bruder Mikka eben so üblich ist. Apropos Talent, das haben die Kinder von ihrer Mutter Barbara, die selbst erfolgreiche Springreiterin war. Sie und Britt waren zunächst allein mit zwei Pferden nach Balve gefahren. Dann, zum großen Tag der Meisterschaftsentscheidung hin, komplettierte sich der Anhang aus der Pfalz durch Britts Freund Max, Mikka und dessen Freundin sowie Vater Friedrich. „Ohne Familie“, sagt die 24-Jährige immer wieder, „würde ich das alles nicht schaffen“.
Bei aller Freude über die Silbermedaille, Zeit zum Feiern fanden allesamt erst am Sonntagabend bei einem kleinen Grillfest zu Hause. Und am Montag? „Geht wieder alles von vorne los“, sagt Britt Roth und lacht. Pferdemenschen leben im Hier und Jetzt, wobei sie kein Profi ist, gerade im Fernstudium ihren Master in Marketing macht. Aber ein Leben ohne Pferde ist für sie unvorstellbar.
Eigentlich war der Saisonhöhepunkt für den Spätsommer geplant, wenn Britt Roth in Aachen innerhalb der WM das Finale des deutschen U25-Springpokals reitet. Nun die kleine Sensation von Balve und das bevorstehende Abenteuer Budapest, das ja fortan auch geplant werden will. Umso mehr freute sich Jeffrey, dass er am Sonntag – während Balve noch lief – schon wieder zu Hause auf seine Koppel konnte.