Der Weintipp RHEINPFALZ Plus Artikel Von Null auf 9,5 Hektar – gar nicht so einfach

Selbst ein üppig gefülltes Bankkonto bringt einen bei der Neugründung eines Weinguts nicht weiter. Es müssen neben einem Betrieb
Selbst ein üppig gefülltes Bankkonto bringt einen bei der Neugründung eines Weinguts nicht weiter. Es müssen neben einem Betriebsgebäude vor allem Weinberge her.

Neue Weingüter entstehen selten. Es fehlt meist an Weinbergen.

Tauchen neue Weingutsnamen in der Weinszene auf, so handelt es sich fast immer um „Entdeckungen“ (die es schon lange gab) oder um Umbenennungen, weil etwa ein bestehendes Weingut verkauft wurde. Echte Neugründungen sind selten. Selbst ein üppig gefülltes Bankkonto reicht dafür nämlich nicht aus. Es müssen neben einem Betriebsgebäude vor allem Weinberge her. Die sind nicht beliebig verfügbar und werden oft von gut informierten Kollegen weggeschnappt.

Frisch ausgebildete junge Hochschulabsolventen gehören deshalb entweder selbst zu Familienbetrieben, die Weinberge oder ein Weingut besitzen. Oder sie müssen eine Anstellung bei einem Weinbaubetrieb suchen. Sich einfach mal selbstständig machen ist nicht drin.

So gesehen hatte Thomas Dollt Glück, als er 2006 nach einer Anstellung in einem Großbetrieb sein eigenes Weingut aufbauen wollte und auf ein paar Weinberge seiner Familie zurückgreifen konnte. Das war ein Anfang, aber auf Dauer nicht genug. Inzwischen hat er es auf 9,5 Hektar gebracht, weil er nicht wählerisch war, wenn er einen kleinen Weinberg einige Kilometer entfernt erwerben konnte. Allerdings muss er nun Weinberge auf einer Strecke von fast 13 Kilometern zwischen Rhodt und Ranschbach bewirtschaften. Immerhin gehören dazu auch ein paar Sahnestückchen in der Gleisweilerer Hölle, dem Kastanienbusch und dem Seligmacher.

Die Frucht: kristalllklar und typisch

Zwei weitere Besonderheiten fallen auf: Erstens, dass Dollt gerne mit fremden Rebsorten experimentiert und Dolcetto, Alvarinho sowie Ferñao Pires anbaut. Zweitens, dass alle seine Weine, vor allem die Weißen, mit kristallklarer, außergewöhnlich typischer Frucht glänzen. Das hilft nicht zuletzt der aromabetonten Scheurebe, die feiner kaum duften könnte: lebendige Grapefruit- und Maracuya-Note, dazu das typische Quäntchen Cassis und ein Hauch Kräuterwürze. Ein wunderbarer, jugendlicher Sommerwein für wenig Geld, spannender als die meisten Sauvignon Blanc.

Der Wein

2022 Scheurebe trocken, Weingut Dollt, Flemlingen, Telefon 06341/510046, www.weingut-dollt.de, 7,80 Euro ab Hof.

Der Autor

Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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