Der Weintipp
Spätburgunder und Merlot – geht das?
Die Burgundersorten haben ein eigenes, feines Duft- und Geschmacksprofil, das verloren geht, wenn man sie mit anderen Rebsorten mischt. Deshalb käme kaum jemand auf die Idee, roten Spätburgunder mit anderem Rotwein zu verschneiden. Alle berühmten Spätburgunder weltweit sind sortenrein, Ähnliches gilt für Weißburgunder. Chardonnay und Grauburgunder – beides auch Burgundersorten – funktionieren als Cuvées eher, Kombis aus hochwertigem Weißburgunder mit Sauvignon Blanc, Silvaner oder Riesling gibt es dagegen aus guten Gründen nicht. Und wie steht es mit Weiß und Rot? Klar doch: Viele berühmte Champagner werden aus Spätburgunder und Chardonnay cuvertiert.
Etwas anders sieht die Sache aus, wenn rote Trauben nicht zu Rotwein, sondern zu Rosé oder zu Blanc de No irs verarbeitet werden. Hier öffnet sich ein breites Experimentierfeld, weil die Geschmackserwartungen der Kunden viel weniger festgelegt sind. Unterschiedlichste Sorten können dazu beitragen, hellroten, zwiebel- oder lachsfarbenen oder gar ganz weißen Wein verschiedenster Düfte und Aromen zu erzeugen.
Frühling, Blüten, Kirschcreme
Beim Blanc de Noirs kommt es darauf an, den Saft so rasch wie möglich von den Beerenhäuten zu trennen, damit die Farbstoffe der Haut nicht in den Wein gelangen. „Blanc de Noirs“ mit Rosée-Stich sortiert die Qualitätsweinprüfung aus: Wenn er so heißen soll, muss er auch wie Weißwein aussehen. Bei eher helleren Sorten wie Portugieser oder Spätburgunder ist das kein Problem, tiefdunkle wie der Merlot dagegen können leicht einen rosa Schimmer hinterlassen.
Das Weingut Mussler in Bissersheim hat es geschafft, einen herrlich nach Frühling, weißen Blüten und Kirschcreme duftenden Blanc de No irs zu keltern aus 80 Prozent Spätburgunder und 20 Prozent Merlot. Die samtig-weiche Art des jugendlichen 2024er erhält zusätzliche Frühlingsfrische durch feine Säure, die ihn auch an Sommerabenden zum feinen Essensbegleiter macht.
Der Wein
2024 Blanc de Noirs, Weingut Mussler, Bissersheim, Preis: 9,20 Euro, Telefon: 06359/2490.
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt er alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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