Kommentar
Max Eberls Rauswurf in Leipzig: Mutig und konsequent
Es war der 28. Januar 2022, als Mister Mönchengladbach Max Eberl unter Tränen seinen Rücktritt bei der Borussia erklärte. Er sei „erschöpft und müde“, bekannte der Sportdirektor. „Ich muss einen Schlussstrich ziehen. Ich muss raus“, sagte Eberl sichtlich angeschlagen. Ein solches Bekenntnis über persönliche Schwächen hat in der Welt des Fußballs Seltenheitswert. In dieser Welt nämlich geht es doch (meist) um harte Kerle, permanente Spitzenleistungen und darum, alles an einem dicken Fell abprallen zu lassen. Der Mensch Eberl erntete viel Applaus für seine Offenheit.
Nur wenige Monate später, ab Dezember 2022, heuerte der gleiche Mann bei RB Leipzig an. Wieder Vollgas auf Topniveau, wieder 24/7-Geschäft, wieder mitten rein in den Fußballzirkus. Der einstige Applaus für Eberl schlug bei Teilen der Szene in heftige Kritik um, unter den Fans in Gladbach gar in üble Beschimpfungen und Beleidigungen. Es kamen Fragen, auch unangemessene, auf: War das so geplant? Wie erschöpft war Eberl? Und wie echt waren seine Tränen von damals?
Am Freitagabend nun warf Leipzig seinen Sportchef, die einstige „absolute Wunschlösung“, hochkant raus. Der Zeitpunkt, nur wenige Stunden vor dem Bundesligagipfel gegen die Bayern, kam überraschend. Gebrodelt haben soll es in der Führungsetage aber schon länger. Den Sachsen stieß sauer auf, dass Eberl sich nicht öffentlich zu RB bekannte. Zudem soll er nicht die gewünschte Präsenz in Leipzig gezeigt haben, sondern habe häufig in München geweilt. Dort begann er seine aktive Karriere, dort wohnt seine Lebensgefährtin. Mit Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß verbindet ihn wohl eine Freundschaft. All diese Tatsachen heizten die Spekulationen an, Eberl könne bald in München die Geschäfte führen. In noch besser dotierter Position – als Sportvorstand. Klare Dementi blieben aus. Möglicherweise hat auch die Chemie zwischen RB und Max Eberl nicht wirklich gestimmt. Solche dauerhaften Unruheherde braucht kein Verein. Daher ist es mutig und konsequent, dass Leipzig die Reißleine zog. Wer sich nicht 100-prozentig zum RB-Kosmos bekennt, der fliegt aus der Umlaufbahn.
Was bleibt, sind Rätsel. Wie tickt Max Eberl? Wie echt und ehrlich, wenn man das in dem Geschäft überhaupt sein kann, ist er? Hinter welchen Überzeugungen steht der 50-Jährige? Zum zweiten Mal verlässt Max Eberl einen Klub mit einem großen Knall, mit Scherben und einem gestörten Vertrauensverhältnis.