Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Erdölförderung in der Pfalz: Ist unser Grundwasser in Gefahr?

In Schwegenheim hat es bereits eine Erkundungsbohrung gegeben. Dafür wurde eine Anlage unweit der B9 aufgebaut. Diese zeigt unse
In Schwegenheim hat es bereits eine Erkundungsbohrung gegeben. Dafür wurde eine Anlage unweit der B9 aufgebaut. Diese zeigt unser Foto aus dem Jahr 2019. Ob dort künftig Erdöl gefördert wird, ist noch nicht entschieden.

Wasser ist wegen der zunehmenden Trockenheit inzwischen umso kostbarer. Bisher hieß es, bei der Erdölförderung in der Pfalz sei kein Grundwasser betroffen. Nun sagt Mainz: Es könnte doch anders sein.

Der Sieg trägt das Aktenzeichen 4 K 67/22.NW: Ende Januar stellte das Verwaltungsgericht Neustadt mit seinem Urteil fest, dass das Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz beim Schwärzen von Akten etwas zu eifrig war. Erfolgreich geklagt gegen die Behörde hat damit die Bürgerinitiative „Kein Erdöl aus Offenbach“. Die Gegner einer Erkundungsbohrung in der Südpfalz hatten Akteneinsicht beantragt. Die Behörde rückte die Unterlagen auch heraus, die waren allerdings wegen der Schwärzungen an zahlreichen Stellen nicht lesbar. Zur Begründung dieser Zensur hieß es vonseiten des Bergbauamtes, viele Informationen in den Unterlagen fielen unter das Betriebs- und Geschäftsgeheimnis des Konsortiums aus Neptune Energy und Palatina Geocon, das in Offenbach Erdöl fördern möchte.

Das Land rückt derweil mit weiteren Informationen über die Erdölförderung in der Pfalz heraus. Ohne Richterspruch. Ungeschwärzt. So hat das Wirtschaftsministerium in Mainz auf eine Kleine Anfrage des südpfälzischen Landtagsabgeordneten Martin Brandl (CDU) erklärt, dass es bei Erdölprojekten unter Umständen doch notwendig sein kann, von außen Wasser einzuleiten. Der Grund: Wird Erdöl aus einer Lagerstätte gefördert, wird es vom ebenfalls darin befindlichen Wasser nach oben gedrückt. Das Öl wird abgezapft, das Wasser wieder nach unten gepresst. Dann wiederholt sich das Spiel. Eigentlich ein geschlossener Kreislauf. Eigentlich.

„Das Risiko ist zu groß“, sagt ein Abgeordneter

Denn bei „erhöhter Erdölförderung kann es – insbesondere zu Beginn der Förderung aus einem Feld – dazu kommen, dass der natürliche Lagerstättenwasserzufluss nicht ausreicht, um das Volumendefizit auszugleichen“, schreibt das Ministerium. Um die Ölausbeute und damit die Nutzung der erschlossenen Lagerstätten zu verbessern, können also „zusätzliche Maßnahmen erforderlich werden“. Und zusätzliche Maßnahmen bedeuten in diesem Fall: Wasser von außen einleiten, um die frei gewordenen Räume in der jeweiligen Lagerstätte wieder aufzufüllen.

Für Martin Brandl räumt das Land damit erstmals offiziell ein, dass mehr Grundwasser für Erdölprojekte vonnöten sein könnte als bisher kommuniziert. „Ich sehe ein Vorhaben wie in Offenbach inzwischen kritisch, denn das Risiko ist schlicht zu groß, dass Grundwasser zweckentfremdet werden könnte für die Erdölförderung“, sagt der Christdemokrat aus Rülzheim. Grundwasser sei vor allem in der Süd- und Vorderpfalz wegen der intensiven Landwirtschaft und der zahlreichen Industriebetriebe auch mit Blick auf die immer trockener werdenden Sommer ein rares Gut, das es zu schützen gelte.

Auf Anfrage der RHEINPFALZ am SONNTAG betont das Ministerium, dass es in den vergangenen 20 Jahren bei den Erdölförderprojekten in Rheinland-Pfalz keine zugelassenen Zusatzwasserinjektionen gegeben habe. Und selbst wenn Wasser benötigt würde, wäre damit noch nicht ausgemacht, ob das auch erlaubt würde. Diese Entscheidung läge bei den Bergbau- und Wasserbehörden.

Neptune Energy fördert Öl von Hamburg bis Speyer

Neptune Energy, jenes Unternehmen, das in Offenbach Erdöl gewinnen möchte, setzt in Deutschland eigenen Angaben zufolge aktuell kein Zusatzwasser ein, um die Förderung aufrechtzuerhalten. Die Firma betreibt derzeit an 13 Ölfeldern in der Bundesrepublik Förderanlagen, sie liegen in Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern – und in Rheinland-Pfalz.

In Speyer fördert das Konsortium aus Neptune Energy und Palatina Geocon bereits seit 2008 Erdöl, das Feld war 2003 entdeckt worden. 2022 wurden dort knapp 102.000 Tonnen des Rohstoffs gewonnen, wie das Unternehmen mitteilt. Nur wenige Kilometer von Speyer entfernt, in Schwegenheim, gab es bisher eine Erkundungsbohrung. „Eine endgültige Entscheidung über die weitere Zukunft der Bohrung in Schwegenheim wurde noch nicht getroffen“, heißt es vonseiten des Konsortiums.

Für das Projekt in Offenbach wird laut Neptune Energy zurzeit der Hauptbetriebsplan für eine Erkundungsbohrung erstellt. Dann sollen alle notwendigen Dokumente zur Genehmigung beim Bergbauamt eingereicht werden. Mit Blick auf das Grundwasser versucht Neptune Energy, die Sorgen zu zerstreuen. Es sei nämlich nicht zu erwarten, dass zusätzliches Wasser für die mögliche spätere Förderung in Offenbach gebraucht werde. Ob die vermutete Lagerstätte überhaupt ölführend ist und ob dieses Erdöl jemals wirtschaftlich förderbar sein wird, werde erst die Erkundungsbohrung zeigen.

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