Der Weintipp
Die Kunst der Cuvée
Das Verschneiden von Weinen verschiedener Rebsorten hat in vielen berühmten Anbaugebieten Tradition. In Bordeaux sind es vor allem Cabernet-Sauvignon und Merlot, in der Rioja Tempranillo und Garnacha, in der Champagne Chardonnay und Pinot Noir, im Chiantigebiet Sangiovese und Cannaiolo. In Deutschland war bis in die 1960er-Jahre bereits in den Weinbergen der sogenannte „gemischte Satz“ von Riesling, Silvaner und Gewürztraminern üblich. Dann setzte sich der sortenreine Ausbau durch und in der Folge bei manchen Weintrinkern die irrige Ansicht, Verschnitt habe etwas mit Panscherei zu tun. Das Gegenteil ist richtig: Das geschickte Cuvetieren ist eine Kunst, die, wenn sie beherrscht wird, die Qualität des endgültigen Weines erheblich steigern kann.
Riesling und Rieslaner
Neben den üblichen Kombinationen von Rebsorten probieren einige Kellermeister gerne auch Neues aus. Kaum irgendwo findet man Cuvées aus Riesling und Rieslaner. Der Winzerverein Deidesheim hat damit einen außergewöhnlichen Wein geschaffen. Dem populären Riesling stellt Kellermeister Christoph Lutz den fast verschwundenen Rieslaner zur Seite. Der Rieslaner ist ein enger Verwandter des Rieslings. Er wurde 1921 von August Ziegler in Würzburg aus Silvaner und Riesling gezüchtet. Seine leicht nussige, reife Rieslingart kann wunderbare Weine ergeben. Seine Ansprüche an die Lage, eine Tendenz zu Verrieselung während der Blüte und geringe Erträge verhinderten jedoch größere Pflanzerfolge.
In Deidesheim erhalten beide Teile des Verschnitts in gebrauchten Eichen-Tonneaus geschmacklichen Hintergrund. Etwa 30 Prozent Rieslaner geben der Cuvée cremig-nussigen Charme, ohne dass die frische Apfel- und Pfirsichnote des Rieslings verloren geht. So entsteht ein sehr harmonischer, vielschichtiger Wein, der zu leichten Gerichten von Fisch bis Geflügel wunderbar passt, vor allem wenn – etwa bei „Forelle Müllerin“ - Mandeln, Haselnüsse oder Walnüsse beteiligt sind.
Der Wein
2020 Riesling & Rieslaner trocken, Preis: 8,80 Euro, Winzerverein Deidesheim, Telefon 06326/96880, www.winzervereindeidesheim.de
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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