Pfälzische Geschichte RHEINPFALZ Plus Artikel Die kleinen Leute

Perkeo in einem Gemälde aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Perkeo in einem Gemälde aus dem frühen 18. Jahrhundert.

„Hofzwerge“ gehören im Barock zum standesgemäßen Leben. So wie der trinkfeste kleinwüchsige Perkeo am Heidelberger Hof.

Keine schlechte Karriere für einen kleinwüchsigen Knopfmacher aus Südtirol: 1727, das einmal mehr restaurierte große Fass in Heidelberg wird wieder eingeweiht – und Kurfürst Carl Philipp ernennt seinen „Hofzwerg“ Perkeo bei der Gelegenheit zum „Ritter und Kammerherrn des Fasskönigs“. Scherztitel natürlich, für Fürst wie „Ritter“ im Übrigen: Die Schlüsselkompetenz von Perkeo, bürgerlicher Name Clemens oder Clementi, ist seine legendäre Trinkfestigkeit – er ist also ein guter Saufkumpan des Kurfürsten. Als Trinker hat man ihn ja dann auch verewigt – in einer Statue die bis heute (in Kopie) neben dem Heidelberger Fass steht.

Eine kurpfälzische Spezialität ist der kleine Mann dabei beileibe nicht: Kleinwüchsige finden sich auf den „Inventarlisten“ vieler Höfe vom 16. bis ins 18. Jahrhundert. Dezidierte „Hofnarren“ sind dabei nur die wenigsten. In einem pfalzbayerischen Hofkalender aus dem Jahr 1799 tauchen sie jedenfalls als eigene Gruppe auf, „Hofzwergen“, Joseph und Franz Wechselberger, „Gebrüder“.

Vertraute und Kuriositäten

Es ist das Barock die Zeit der „Wunderkammern“ – und in den Zusammenhang gehört wohl auch die Faszination für den Kleinwüchsigen als seltenes Naturphänomen. Der kleine Mensch als Spiegel der großen Welt inklusive ihrer Unzulänglichkeiten mag die Zeit fasziniert haben – passt zur barocken Fixierung auf die große Vergeblichkeit aller Dinge, die „Vanitas“. Und nicht zuletzt eignen sich „Hofzwerge“ gut als Vertraute – sind sie doch ganz entschieden kein Teil adeliger Netzwerke und Seilschaften. Als Konfident übernehmen sie dann auch Aufgaben von Kammerherren: „Der Zwerg soll bey der Thur, dieweil das Fraw Zimmer Essen, bleiben, und niemants (...) ein lassen“, so eine Quelle von 1526.

Allzu weit geht die Vertrautheit dann aber wohl auch nicht: Von Perkeo jedenfalls gibt es kaum biografische Angaben. Noch nicht einmal sein echter Name ist gesichert.

Die Kolumne

Die „Pfälzische Geschichte“ erscheint alle 14 Tage in der RHEINPFALZ am SONNTAG. Rund 300 Folgen gibt es inzwischen. Die Texte versuchen, über die Geschichte der Region hinaus auch Schlaglichter auf größere Zusammenhänge zu werfen. Im Bewusstsein, dass die Gegenwart kaum zu verstehen ist, wenn man ihre Genese nicht kennt. Die vorige Folge der „Pfälzischen Geschichte“ finden Sie hier: „Agonie eines Staates“.

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