Der Weintipp RHEINPFALZ Plus Artikel Der Duft der großen, weiten Welt

Führen das Weingut in vierter Generation: Kerstin und Boris Kranz.
Führen das Weingut in vierter Generation: Kerstin und Boris Kranz.

Auch beim Chardonnay ist teuer nicht immer teuer. Wie ein 2023er des Weinguts Kranz belegt.

Man könnte vermuten, die weltweit meistverbreitete Rebsorte sei etwas Gewöhnliches, weil es ja so viel davon gibt. Das ist natürlich ein Irrtum. Chardonnay wird vor allem deshalb fast überall angebaut, weil einige der berühmtesten Weißweine der Welt aus Chardonnay gewonnen werden: die großartigen Weißen der Bourgogne – Côte d’Or und Chablis – sowie ein Teil der Champagner. Das ist ein Grund für Winzer in aller Welt, den guten Namen des Chardonnay zu benutzen, um Weine herzustellen, von denen sie sagen können, sie hätten etwas von der Qualität der berühmten Kollegen abbekommen.

Manchmal ist das richtig. Mittlerweile gibt es hervorragende und entsprechend teure Chardonnays in fast allen angesehenen Weinregionen der Welt. Auch kommt der Rebsorte zugute, dass sie, um einen wenigstens ordentlichen Wein zu bringen, nicht allzu hohe Ansprüche an Boden und Klima stellt. Der Anteil wirklich großartiger Weine ist klein und die besten kosten problemlos einen dreistelligen Betrag. Fast immer stammen sie aus besonderen Lagen mit hohem Kalkanteil, vergären und reifen im Eichenholz und erhalten so ihre typischen Merkmale, die in der Jugend oft an gelbe Früchte, frischen Teig oder Brioche, Kräuter, Zitrus und feine Mineralnoten erinnern.

Lagen mit hohem Kalkanteil

Hinreichend Kalk findet sich in der Umgebung der Kleinen Kalmit, wo das Weingut Kranz seine Chardonnay-Weinberge besitzt. Der gerade in Verkauf gekommene 23er „RF“ zeigt mit einer feinen Verbindung von cremigen Noten, Frische und spielerischer Entwicklung im Mund alle Merkmale für einen hervorragenden Chardonnay mit Potenzial zu jahrelanger Flaschenreife.

Viele Menschen empfinden 20 Euro für eine gute Flasche Wein als teuer. Allerdings kann dieser Wein mit den besten deutschen Chardonnays recht gut mithalten, und so relativiert sich der Preis. Und: Die berühmten Weine der Bourgogne kosten in vergleichbarer Qualität das Vierfache.

Der Wein

2023er Chardonnay „RF“, Weingut Kranz, 76831 Ilbesheim. Telefon 06341/939206, www.weingut-kranz.de. Preis: 20 Euro.

Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

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