Weintipp
Bordeaux aus der Pfalz?
Als in der Pfalz der erste Cabernet-Sauvignon angepflanzt wurde (1984, Weingut Vollmer) schüttelten Experten den Kopf. Es war nicht nur verboten – Rebsorten müssen zugelassen sein und Cabernet war es nicht –, im Klima der Pfalz war auch nur alle Jubeljahre reifer Cabernet zu erwarten. Schließlich gab es selbst in der Heimat der Sorte, im viel wärmeren Bordeaux, nicht bei jeder Ernte wirklich ausgereifte Trauben.
Der Klimawandel und verbesserte Anbaumethoden haben dazu beigetragen, dass Cabernet in der Pfalz interessante Weine bringen kann. Der typische Geruch nach grünem Paprika, den unreifer Cabernet verbreitet, taucht 2018 oder 2020 kaum auf. Merlot, zweite wichtige Sorte aus Bordeaux, gedeiht sowieso auch in kühleren Gefilden. Die klassische Bordeaux-Cuvée mit Cabernet-Sauvignon, Merlot und einem Schuss „andere Sorten“ ist also machbar. Allerdings gelingt es nicht ohne Weiteres, eine Cuvée so auf die Flasche zu bringen, dass die Frage offen bleibt, ob der Wein von der Gironde oder aus der Pfalz stammt. Zu viele weitere Einflüsse wie Klima, Böden oder Kellertechnik verändern Geruch und Geschmack.
Mut zum besonderen Trick
Ob Michael Schroth wirklich vorhatte, einen modernen, fruchtbetonten und nicht allzu komplizierten Bordeaux „nachzubauen“, wissen wir nicht. Immerhin hat er sich einige Mühe gegeben, seine Cuvée „Handschlag“ zu formen: Neben 70 Prozent Cabernet und Merlot hat er auch Dornfelder verwendet. Und als besonderen Trick verschneidet er Weine aus verschiedenen Jahrgängen. Damit zu spielen, erfordert Mut, denn viele Weinkunden erwarten eine Jahrgangsangabe auf der Flasche.
Das Ergebnis ist ausgezeichnet gelungen: viel lebendige Brombeerfrucht mit etwas Kirsche, Waldbeeren und einem Hauch Tabak im Duft, atlantisch-frisch und jugendlich-fruchtig im Mund mit feiner Säure und perfekt portioniertem Gerbstoff. Sowohl die ausklingende Grillsaison als auch kräftige winterliche Speisen lassen sich damit wunderbar begleiten.
Der Wein
Handschlag Cuvée rot, Weingut Schroth, Grünstadt-Asselheim, Telefon 06359/8015251, Internet: www.weingut-schroth.de, Preisw: 8,40 Euro
Der Autor
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Seminarleiter, er war Chefredakteur verschiedener Weinzeitschriften und ist Experte für Pfälzer Weine sowie für die Weine der iberischen Halbinsel und Südamerikas. Seit 2007 schreibt alle zwei Wochen den „Weintipp“ für die RHEINPFALZ am SONNTAG. Er lebt in Landau-Arzheim.

Dürfen wir nachschenken?
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Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.
