Kommentar
Beim Traum von Olympia in Deutschland sind klare Verhältnisse nötig
Wenn schon nicht Kanzler, dann wenigstens die Olympischen Spiele. Nachdem sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in der Kandidatenfrage der Union Friedrich Merz beugen musste, sprach er sich gewohnt offensiv für München als Austragungsort des größten Sportfests der Welt aus. Das große Vorbild sollten die faszinierenden Spiele im vergangenen Sommer in Paris sein. Und nun: München 2040.
Endlich wagt sich ein Politiker aus der Deckung und formuliert klipp und klar: Deutschland kann Olympia. Deutschland will Olympia im eigenen Land. Wurde auch Zeit. Schließlich hat bereits die Bundesregierung zwei Jahre lang herumgeeiert, bis sie in Paris endlich signalisierte, hinter einer Bewerbung zu stehen – ideell wie finanziell. Doch außer dem generellen Zeichen, sich Olympische Spiele in Deutschland vorstellen zu können, ist noch nichts so wirklich klar. Wann? Wo?
Lust auf Olympia ist da
Die Spiele in Frankreichs Hauptstadt zeigten, wie toll eine Großveranstaltung sein kann. Vielleicht nicht zu 100 Prozent nachhaltig möglich, aber doch ohne den viel gescholtenen Größenwahn vergangener Tage. Und ohne sündhaft teure neue Arenen, die nach dem Spektakel verfallen, weil sie nicht mehr genutzt werden. Schon keimt der Gedanke, auch ein Olympiastadion als temporäre Anlage zu konzipieren. Auch die deutsche Gesellschaft scheint nach den Eindrücken von Paris wieder mehr Lust auf Olympia zu haben. Der Rückhalt der Menschen ist mindestens genauso wichtig wie der der Politik.
Seit den Spielen 1972 in München waren acht Bewerbungen erfolglos. „Am Ende ist es immer daran gescheitert, dass jemand nicht dahinterstand“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser in Paris. Das scheint nun anders zu sein. Und doch besteht die Gefahr, dass zwar alle hinter dem Projekt stehen, aber alle in unterschiedliche Richtungen ziehen. Das ist auch die Kehrseite des Vorstoßes von Markus Söder. Einzelinteressen drohen, den großen Traum zu überlagern. Dabei ist klar, dass die internationale Konkurrenz im Kampf um die Ringe in ihrem Konzept nicht auf Abwägen setzen wird: Indien, Saudi-Arabien, Katar. Deshalb muss der Deutsche Olympische Sportbund schnellstmöglich klare Verhältnisse schaffen: Vielleicht bei der Mitgliederversammlung Anfang Dezember in Saarbrücken?
Eine deutsche „Gesamtbewerbung“?
Söder wirbt für München, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident (und Söder-Gegenspieler) Hendrik Wüst für Düsseldorf und die Idee der Rhein-Ruhr-Spiele. Gleichzeitig droht die Universiade, die Weltspiele des Hochschulsports, im Sommer 2025 für NRW zum finanziellen Fiasko statt zum Testlauf zu werden. Und Berlin weiß um seine internationale Anziehungskraft, auch für Olympia. Alle für ein Bewerbungsverfahren mit ins Boot zu holen, ist ein guter Gedanke. Und doch braucht es Entscheidungen.
Mittlerweile hat Markus Söder eine deutsche „Gesamtbewerbung“ ins Spiel gebracht. Neben München nannte er Hamburg und Berlin als Städte, die „hervorragend passen“. In Frankreich gab es neben Paris schließlich ebenfalls weitere Standorte. „Man sollte jetzt nicht streiten. Alle können etwas dazu beitragen“, sagte Söder. Wenn schon nicht Kanzler werden, dann wenigstens so klingen.